Nach tödlichem Unfall

Der Vater starb bei einem Unfall, die jüngste Tochter leidet an Krebs – Spendenaktion für Familie aus Clauen

Clauen - Nach dem tödlichen Unfall ihres Mannes bereitet die finanzielle Lage der Familie einer dreifachen Mutter aus Clauen große Sorgen. Eine Spendenaktion soll ihr etwas von dieser Last nehmen.

Auch wenn es nach Alltag mit Kindern aussieht: Im Leben der Familie Niemann ist nichts mehr, wie es war. Foto: Andrea Hempen

Clauen - Vor zweieinhalb Jahren zog Familie Niemann von Hamburg zurück in den Heimatort von Julia Niemann, nach Clauen. Sie hatte Sehnsucht nach Dorf, sagt die 46-Jährige, und ihr Mann Torsten teilte diese Sehnsucht. Den Ort kannten er und die drei gemeinsamen Kinder von vielen Besuchen.

Nun ist nichts mehr wie vor zweieinhalb Jahren. Erst erkrankte die jüngste Tochter an Krebs. Am 9. März verunglückte Torsten Niemann (47) mit dem Auto tödlich – ganz in der Nähe seines neuen Wohnortes. Neben dem schweren Verlust hat die Witwe nun auch mit Existenzängsten zu kämpfen. Deshalb organisieren Freundinnen für die Familie einen Spendenaufruf.

Krebsdiagnose im Dezember

20 Jahre lang lebte Julia Niemann mit ihrer Familie in Hamburg. Die Lehrerin und der Labeling Manager gründeten eine Familie und pflegten intensive Freundschaften in der Hansestadt. Dennoch zog es sie aufs Land, in die Gemeinde Hohenhameln. Sie bauten ein Haus, richteten sich schön ein, gestalteten den Garten liebevoll, traten in den Sportverein ein. Alles lief.

Dann, Mitte Dezember, geriet die Welt der Familie schwer aus dem Gleichgewicht. Bei der jüngsten Tochter (7 Jahre), wurde Krebs diagnostiziert. Ein Gehirntumor musste entfernt werden. Weitere Behandlungen folgen, Chemotherapie und Strahlenbehandlung. Das Mädchen trägt eine Mütze, während es Kinderfernsehen schaut. Etliche Bilder hat es schon gemalt, die liegen auf dem Esstisch. Julia Niemann schaut auf die Uhr, gleich muss sie noch mit ihrer zwölfjährigen Tochter zum Zahnarzt. Doch für das Gespräch mit der Redaktion nimmt sie sich Zeit, denn es ist ihr ein Anliegen, Danke zu sagen. „Wir sind fasziniert davon, wie viele Menschen mit uns fühlen. Das ist so tröstlich“, sagt die 46-Jährige. Für sie, aber vor allem für ihre drei Kinder, sei es ein beruhigendes Gefühl, dass ihnen so viele Menschen zur Seite stehen. Auch bei Torsten Niemanns Beerdigung am vorvorletzten Wochenende spürten sie sie das.

Wie soll es weitergehen?

Was den Spendenaufruf angeht, war Julia Niemann von der Idee ihrer Hamburger Freundinnen zunächst nicht besonders angetan. Vor allen Dingen sorgte sie sich, wie ihre Kinder damit umgehen würden. Aber auch die Not trieb sie um. Die Familie hat kein Auto mehr, das Haus ist nicht abbezahlt, und das Haupteinkommen für den Lebensunterhalt fehlt. Zudem kommen Kosten für die Fahrten zu den Therapien nach Hannover, teure Medikamente. Wie sollte das alles finanziert werden?

Also doch eine Spendenaktion. Und die läuft unglaublich. In kurzer Zeit sind schon 141.000 Euro zusammengekommen. Eine Paar hat den Niemanns ein Familienauto geschenkt. Kurzurlaube sind angeboten worden, Besuche in Freizeitparks, der örtliche Sportverein hat den bereits bezahlten Jahresbeitrag zurücküberwiesen und – besonders rührend – junge Menschen boten sich als Babysitter an. All die lieben und tröstlichen Worte, die die Spender schreiben, werden von den Freundinnen in Hamburg gelesen, beantwortet und gefiltert. Viele leiten sie an Julia Niemann weiter.

Menschen stehen ihr bei

Große Unterstützung bekommt die 46-Jährige auch vor Ort, von Freunden, Bekannten und von ihrer Familie. Ihre Schwester reiste aus Schleswig-Holstein an, ihr Bruder aus Kassel. Abwechselnd wohnten sie bei ihr, damit sie nicht alleine sein musste oder die Kinder, wenn sie mit der Jüngsten zur Therapie fuhr. „Meine Mutter ist auch ständig im Einsatz“, erzählt Julia Niemann.

Nach der Chemotherapie steht für das Nesthäkchen nun die Strahlentherapie an. Die findet in Essen statt, weil die dortige Klinik sich auf die Protonentherapie bei Kindern spezialisiert hat. „Sechs Wochen wird das dauern“, sagt Julia Niemann. Packen wird sie für vier Personen, denn sie reist mit allen Kindern dorthin, damit sie nicht so lange voneinander getrennt sind. In einer Ferienwohnung ist für die Kinder dann Homeschooling angesagt.

Hoffnung und Licht

Nadine Bauer, eine der Hamburger Freundinnen, die den Spendenaufruf initiiert haben, bedankt sich bereits auf der Spendenseite bei den vielen Unterstützern. „Gemeinsam können wir Hoffnung und Licht in das Leben dieser tapferen Mutter, der kleinen Kämpferin und ihrer Geschwister bringen“, schreibt sie.

  • Region
  • Clauen