Hildesheim - Im Urlaub darf’s gern englisch sein, Katharina: Mein Fernweh wird bei Reisen schon dadurch gestillt, dass ich niemanden mehr Deutsch sprechen höre. Also, außer meinem Reisepartner, der darf das. Und dann gibt’s da eben die anderen deutschen Urlauber, die sich fünf Stunden in den Flieger setzen, um später auf einer kanarischen Insel empört festzustellen, dass die Kellner kein Deutsch verstehen.
Jaja, Deutsche im Urlaub – allzu gut ist unser Ruf sicherlich nicht. Wie auch, haben wir die Handtuch-Reservierung doch salonfähig gemacht. Wie besagter Reisebegleiter und ich dann auf die naive Idee kamen, unsere Hoffnung auf besagter kanarischer Insel in zwei, na klar, deutsche Urlauber zu setzen? Ich weiß auch nicht so recht.
Ein beschwerlicher Weg
Es war so: Wir haben uns den heißesten Tag ausgesucht, um aufregende Kakteen in einem Botanischen Garten zu begutachten. Die Kakteen erfüllten unsere Erwartungen vollends, nur war der Weg zu ihnen beschwerlich. Nicht nur knallte uns die Sonne bei über 30 Grad auf die Köpfe, der Bus fuhr auch nicht mal ansatzweise in die Nähe des Gartens.
Dann eben zu Fuß. Überwiegend ohne Fußweg, dafür bergab und kurvenreich. „Wenn wir hier später wieder hoch müssen, überleben wir das vielleicht nicht“, murrte ich und ließ offen, ob meine Vermutung auf der Hitze, dem steilen Berg oder den an uns vorbeirasenden Autos fußte. Ich erhielt trotzdem Zuspruch.
Selbst schuld
Der Garten war fast menschenleer (fährt ja auch kein Bus hin), und dann entdeckten wir sie: Deutsche! Ebenfalls mit einer Vorliebe für Kakteen! Unterwegs mit einem Auto und dem gleichen Ziel wie wir! Ganz höflich haben wir gefragt, ob die uns vielleicht in ihrem Wagen ein kleines Stück den Berg mit raufnehmen könnten.
Puh, sagte der Mann, also, wir haben uns ja auch ’n Auto gemietet. „Was meinst’n du?!“, wandte er sich an seine Frau, die bereits im vorbildlich gemieteten Wagen saß und den Kopf schüttelte. Während uns ein deutlich hilfsbereiterer Mitarbeiter des Gartens schließlich ein Taxi organisierte, konnte ich die Verachtung der Deutschen quasi durch den Auspuff des davonbrausenden Leihwagens hören – tz! Selbst schuld, wenn die sich kein Auto mieten, das geschieht ihnen recht! Am Ende waren wir froh, dass sie nicht doch noch ja gesagt haben. Der Taxifahrer war sowieso netter – und sprach wenigstens kein Deutsch.
In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen.

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