Typisch!

Die Angst des Kunden vor der Bestellung – das gibt’s auch in Hildesheim

Hildesheim - Terminal – das klingt irgendwie nach Flughafen. Aber in Schnellrestaurants steht es für eine Rationalisierungsmasche, die Kunden das Fürchten lehren kann. Auch in Hildesheim.

Dieser Mann denkt darüber nach, sich dem Terminal nur noch mit Handschuhen zu nähern. Typisch! Foto: Julia Moras

Hildesheim - Dank geht heute an unsere treue Leserin Frau A. aus Bad Salzdetfurth, die uns in einer Wut-Nachricht auf einen ihrer Meinung nach zu brandmarkenden Trend in der Imbisswirtschaft aufmerksam gemacht hat. Frau A. speist gelegentlich an der Autobahn und in Hildesheim im Restaurant mit dem goldenen M, das einem bekanntlich die Möglichkeit bietet, Fritten und Brause am Terminal zu ordern. Der Begriff, sonst eher in der Luftfahrt gebräuchlich, meint hier den monströsen Bestell-Bildschirm, auf dem Hinz und Kunz nebst Kinderschar fettige Fingerabdrücke und allerlei Bakterienzeugs zu hinterlassen pflegen, um Pommes, Hamburger und Ähnliches ganz ohne menschlichen Kontakt anzufordern. Die Leute mit dem goldenen M sparen dadurch Personal und Geld, und die Kundschaft spart Nerven. So die Theorie.

Bestellen oder nicht bestellen, das ist die Frage!

Frau A. aber – und da sehen wir sie im Bunde mit vielen Leserinnen und Lesern – schwitzt jedes Mal Blut und Barbecuesauce, weil sie die Menüführung auf dem Tatsch-Teil nicht checkt. Bestellung ansehen? Zur Bestellung hinzufügen? Bestellung prüfen? Bestellung abschließen? Allein davon dreht sich der guten Frau der Magen um, vor allem aber setzt ihr Gemahl ihr zu, weil er stets panisch über den Monitor wischt und mit seinem Gemecker das ganze Lokal beschallt. Gut, man könnte den Stress vermeiden und am Tresen sagen, worauf man Hunger hat. Aber Frau A. und ihr Mann wissen, dass das nur Digitalnieten und osteuropäische Fernfahrer machen, und mit beiden möchten sie nicht in eine Fritteuse geworfen werden. Neulich weilte unsere Leserin in einem anderen Schnellrestaurant im Südkreis, wollte ein belegtes Brötchen kaufen – und endete auch dort vor einem Terminal. Sie stellte sich mutig der Herausforderung. Weil die Bestell-Logik für sie völlig neu war, dauerte alles etwas länger. Zwei Kilo, schätzt Frau A. nahm sie beim zirka 30-minütigen Tippen ab, es kam ihr vor, als fehlten lediglich Fragen nach ihrem Familienstand und ihrer Konfektionsgröße. Das Schlusswort gebührt dem Mann am Ausgabetresen, der Frau A. tadelnd ansah: „Sie haben weder den Käse noch die Sauce ausgewählt – das üben wir aber noch!“

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