Wunschzettel

Die ersten Briefe sind schon da: Ein Blick hinter die Kulissen des Weihnachtspostamts Himmelsthür

Himmelsthür/Pattensen - Zehntausende Wunschzettel werden jährlich an das Weihnachtspostamt Himmelsthür geschickt. Die HAZ hat die Schreibstube besucht und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beim Beantworten der Briefe über die Schulter geschaut.

Henrike Kulhawy verschickt im Postamt die Antwortschreiben. Foto: Werner Kaiser

Himmelsthür/Pattensen - Endlich mal wieder weiße Weihnacht: Diesen Wunsch liest der Weihnachtsmann besonders oft. Jedenfalls im „Himmlischen Weihnachtspostamt“ Himmelsthür. Jährlich landen dort rund 50 000 Wunschzettel, die in Pattensen von acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Deutschen Post beantwortet werden – übrigens eine Aufgabe, die unter den Beschäftigten begehrt ist. Die Bereitschaft, im Weihnachtspostamt mitzuhelfen, ist groß, sagt Koordinator Jens Osterwald. Und das ist nicht verwunderlich: Manche Eltern verschicken in dem Brief mit dem Wunschzettel ihrer Kinder sogar Süßigkeiten an die Helfer, um sich bei ihnen zu bedanken, berichtet Osterwald. Für ihn ist das Projekt eine Herzensangelegenheit. „Ich hoffe sehr, dass es diese Aktion noch ganz, ganz lange geben wird.“

Manche Briefe sind kleine Kunstwerke

Aber ist Briefeschreiben überhaupt noch zeitgemäß? Definitiv, sagt Osterwald. Die Zahlen geben ihm recht: Die Anzahl der Wunschzettel-Schreiberinnen und Schreiber habe in den vergangenen Jahren nicht abgenommen. „Wir laufen hier also quasi gegen den Trend.“ Und bei einem Blick auf die Briefe wird auch schnell klar, warum E-Mails eben nicht funktionieren: Denn wer glaubt, dass die Kinder „nur“ eine Liste mit ihren Wünschen schicken, irrt. Manche Briefe sind kleine Kunstwerke: Ein liebevoll gezeichnetes Bild vom Weihnachtsmann oder bunte Glitzer-Sticker finden sich auf vielen Zetteln, und natürlich die persönliche Unterschrift.

„Unsere Hauptzielgruppe sind Kinder im Alter zwischen drei und elf Jahren“, sagt Osterwald. Manche von ihnen schneiden nicht nur ein Bild ihres Geschenkwunschs aus einem Prospekt aus, sondern schreiben sogar dazu, in welchem Geschäft es die Barbie oder das Lego-Set gerade gibt und wo es am günstigsten ist. Die meisten Briefe, die im Weihnachtspostamt ankommen, beinhalten materielle Wünsche. „Doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie nehmen die Kinder auch mehr Bezug auf die aktuelle Weltlage.“ Zu Pandemiebeginn sorgten sich die Kinder um die Gesundheit des Weihnachtsmanns und seiner Rentiere. Aber die Wünsche nach Gesundheit und Frieden kommen nicht nur von den Kindern, sondern auch von Erwachsenen, die ihre Sorgen aufschreiben und nach Himmelsthür schicken, erzählt Osterwald. Wer einen Brief schreibt, egal wie alt sie oder er ist, bekommt einen kleinen Dankesgruß vom Weihnachtsmann, drei Postkarten mit Weihnachtsmotiv und eine Geschichte aus dem Postbüro Himmelsthür zurück, die Osterwald das erste Mal selbst geschrieben hat. Zu viel verraten wird natürlich nicht, schließlich soll der Text eine kleine Überraschung bleiben.

Auch persönliche Worte in besonderen Fällen

In manchen Fällen bekommen die Schreiberinnen und Schreiber auch ein paar persönliche Worte zurück – etwa, wenn ein Kind einen großen Verlust erleiden musste oder krank ist. Für diese meist sehr traurigen Briefe nehmen sich die Mitarbeiter Zeit, eine Antwort zu formulieren, um ein bisschen Trost zu spenden. Unter den Helfern ist auch die Hildesheimerin Christa Dünker, die von zu Hause aus arbeitet. Coronabedingt wurden die Mitarbeiter aufgeteilt. Viele Jahre lang hatte ihr verstorbener Ehemann Karlheinz Dünker die Rolle des Weihnachtsmanns für die Post innegehabt.

Am Montag hat das Weihnachtspostamt offiziell eröffnet – in den ersten vier Tagen sind schon 4500 Briefe angekommen, einige haben die Wunschzettel auch schon früher abgeschickt. „Ab nächster Woche geht es dann richtig los“, schätzt Osterwald. Mittlerweile sei das Projekt schon ein Selbstläufer, Werbung machen muss die Post nicht mehr. „Ein Projekt, auf das Hildesheim sehr stolz sein kann und was ich als gebürtiger Hildesheimer gerne vorantreiben möchte.“

Dabei ist das Himmelsthürer Postamt sogar schon über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Vor allem Asiaten schreiben jährlich nach Deutschland, sagt Osterwald. An den ersten Tagen sind bereits 414 Briefe aus Taiwan angekommen. Sogar aus Australien, und erfahrungsgemäß aus Südafrika, wird Post erwartet. An einer Pinnwand werden besonders schöne Exemplare aufgehängt; nach Weihnachten wird dann aus den besonders kreativ gestalteten Briefe eine Mappe erstellt. „Die Auswahl fällt uns da immer sehr schwer“, sagt Osterwald mit einem Lachen.

Alle Infos

Die Adresse lautet:

An den Weihnachtsmann

Himmelsthür, 31137 Hildesheim

Um rechtzeitig vor dem Fest eine Antwort zu bekommen, muss der Brief spätestens zehn Tage vor Heiligabend in der Schreibstube eingehen. Ein Besuch der Helfer ist nicht möglich. Auf dem Weihnachtsmarkt ist am Rolandbrunnen auf dem Marktplatz außerdem eine Außenstelle eingerichtet. Von 12 bis 19 Uhr werden dort täglich Briefe entgegengenommen. Entstanden ist die Idee einer Weihnachtspostfiliale in den 1960er-Jahren. Weitere Standorte gibt es in Himmelpfort, Engelskirchen, Himmelpforten, Himmelstadt, Nikolausdorf und St. Nikolaus. Himmelsthür ist die älteste Filiale in Deutschland.

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