Hildesheim - Noch stehen die Wohnungen am Hohnsen 60 leer, doch lebendig sind die zukünftigen Hohnsenhöfe schon jetzt. Es herrscht viel Gewusel, täglich kommen um die 20 bis 30 Helfer und Helferinnen, um die Wohnungen auf Vordermann zu bringen. Es sind geräumige Wohnungen, praktisch eingerichtet, mit gespendeten Möbeln. Helle Zimmer, in denen schon bald ukrainische Mütter mit ihren Kindern leben. Mit dem Beginn des Krieges in der Ukraine machte sich bei vielen Menschen in der Region ein Bedürfnis breit, zu helfen. So auch bei der Firma Lüder und Architekt Sven Hirsch, der die Hohnsenhöfe für das Unternehmen plant.
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Es sind drei Gebäudekomplexe, die im nächsten Frühjahr dem Erdboden gleich gemacht werden sollen – und die nun unerwartet doch nochmal Bewohner und Bewohnerinnen bekommen. Um den geflüchteten Menschen in ihrer Not zu helfen, stellt das Unternehmen die Gebäude zur Verfügung, übernimmt sämtliche Kosten. Hirsch, der in der Freien evangelischen Kirche (FeG) tätig ist, hat direkt ehrenamtliche Helfer und Helferinnen ins Boot geholt. Die ersten Geflüchteten ziehen am Samstag mit ihren Kindern ein.
Wasserschaden auf dem Dachboden
„Ich bin beeindruckt, was hier in einer Woche zustande gekommen ist“, sagt Hirsch. „Von allen Seiten kommt Unterstützung.“ Um die Wohnungen wieder auf Vordermann zu bringen, waren unter anderem AK Immobilien, die Firma Neumann, Der Elektriker und Feldmeier dabei – aber auch viele weitere. Und die Hilfe braucht es auch: Als der Plan, Geflüchtete aufzunehmen, erstmal stand, ging es ans Eingemachte.
Und wie das beim Renovieren eben so ist, passiert da das ein oder andere Unvorhergesehene. Kaputte Rohre im Dachbereich hatten etwa einen Wasserschaden zur Folge. Dann steht man da: Was tun? Hirsch rief Lüder-Geschäftsführer Thomas Eisenburger an, der wiederum das Unternehmen AKL. „Drei Stunden später hatten wir zehn Trocknungsgeräte und unzählige Lüfter im Haus“, erinnert sich Hirsch. Alles laufe unbürokratisch, schnell, einfach.
Ein Innenhof voller Spenden
Auch mit der Menge an Spenden hat hier niemand gerechnet. Nachdem über das Vorhaben berichtet wurde, brachten so viele Menschen aus dem Landkreis Möbelspenden vorbei, dass der ganze Innenhof vollgestellt war. „Ich hätte die Hilfe nicht in dieser Schnelligkeit und Intensität erwartet“, sagt Eisenburger. Die Spenden hören aber nicht bei den Privatpersonen auf – einige Möbelhäuser aus der Umgebung zögerten ebenfalls nicht, Stühle, Tische und Schränke beizusteuern.
Ein Problem waren dabei mitunter die engen Türrahmen, wie Margrit Kern, Immobilienfachwirtin bei der Firma Lüder, erzählt. Gemeinsam mit ihrer Schwägerin Iwona Makowski kümmert sie sich um die Einrichtung der Wohnungen. „Es gab zum Beispiel ein riesiges Sofa, das wir mit mehreren Leuten versucht haben, irgendwie durch die Tür zu bekommen – aber keine Chance.“
Spenden für die Küche werden noch gebraucht
Im Moment sind die Küchen noch das größte Problem – „da sind wir gerade noch am Rangieren“, wie Hirsch sagt. Neben einfachen Küchenmöbeln werden auch noch Kleinmöbel wie Sideboards und Kommoden gebraucht. „Wir brauchen alles, was man zu zweit wegtragen kann“, wie Kern erklärt. Und geschleppt wurde viel: Bis in die Abendstunden hinein. Auch das DRK hat sich dem Projekt angeschlossen.
Es soll aber nicht beim Möbelschleppen bleiben. Bei dem Projekt stellt sich natürlich die Frage: Wie geht es nach dem Einzug weiter? „Dazu gibt es bereits zahlreiche Ideen und viel freiwilliges Engagement aus der FeG Hildesheim“, berichtet Christiane von Abendroth vom FeG. So sind unterschiedliche Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien im Gespräch. Auch das DRK will dabei unterstützen, wie Karsten Berlinecke, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Hildesheim, versichert.
Sechs Wohnungen sind bezugsfertig
Von Abendroth von der FeG freut sich über die enge Kooperation. Sie kümmert sich um die vielen Kinder, die bald schon hier wohnen werden. Mit Schulen ist sie bereits im Kontakt. „Die ganze Situation, gerade für die Kinder, hat mich sehr berührt“, erzählt sie, während im Hintergrund zwei Helfer eine große Matratze in das Haus tragen.
Im ersten Gebäudekomplex, der Adresse Hohnsen 60, sind sechs der 15 Wohnungen fertig – bereit für die ersten Einzüge am Samstag. Das Nachbargebäude in der Renatastraße ist soweit auch renoviert, kommende Woche kann die Einrichtung starten. Wer spenden möchte, kann sich per Mail an anmelden.
