Hochwasser-Nachtwache

Die Innerste steigt – Hildesheim hofft beim Hochwasser noch aufs blaue Auge

Hildesheim - Die Stadt Hildesheim bereitet sich am Tag vor Heiligabend fieberhaft auf ein großes Hochwasser vor. Das ist vor allem an zwei Stellen zu sehen: an der Straße Große Venedig und an der Scharfen Ecke in Itzum.

Floodtube heißt das mobile System, Flutröhre. Die Leute von der Ortsfeuerwehr Ochtersum installieren den Riesenschlauch an der Straße Große Venedig. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Die Verantwortlichen in der Stadt Hildesheim gehen bislang davon aus, dass das für Heiligabend erwartete Hochwasser etwas glimpflicher ausfällt als die Flut 2017. Zudem baut der Einsatzstab auf die Vorkehrungen, die seitdem getroffen wurden. Immer wieder ist die Hoffnung zu hören, die Stadt möge mit einem „blauen Auge“ davonkommen. Doch die Vorbereitungen laufen: Knapp 150 ehren- und hauptamtliche Feuerwehrleute sind im Einsatz. An der scharfen Ecke in Itzum wird der neue Damm erhöht, an der Straße Große Venedig auf Höhe des Jobads wird auf insgesamt 700 Meter Strecke ein mobiler Damm errichtet. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr werden Wache schieben, sie bereiten sich auf eine unruhige Nacht vor, der Höhepunkt des Hochwassers wird erst für Sonntag um 13 Uhr erwartet.

Es ist kurz nach 14 Uhr, und gegenüber von Hildesheims verlassenem Freibad Jowiese röhren die Kompressoren. Ehrenamtliche der Freiwilligen Feuerwehr Ochtersum pumpen zuerst mit Luft den dicken roten Floodtube auf, die Röhre, die hier zum Hochwasserschutz auf der Straße liegt und gleich mit Innerste-Wasser gefüllt werden soll. Genug davon gibt es. Noch ist Uferböschung zu sehen, wo sich die trüben Wassermassen nordwärts wälzen, doch der Einsatzstab in der Hildesheimer Feuerwache hat die Daten des NLWKN ausgewertet und weiß: Ein Pegel von mehr als 6,50 Meter ist drin, höchste Zeit also, das nach 2017 angeschaffte System zum Einsatz zu bringen.

Riesige Röhren an Hildesheims großem Freibad

Wie das geht, wissen die Ochtersumer. Die Retter um Ortsbandmeister Godehard Plötze sind mit Floodtube vertraut, in drei Containern haben sie das Gerät per Lastwagen zur Innerste gekarrt und abgeladen. Zwei je ein Meter hohe Röhren für das 600 Meter lange Ufer gegenüber vom Schwimmbad, zwei Röhren auf 100 Metern versetzt gegenüber vor der Tennishalle. Anwohner beobachten die Arbeiten, wirken noch gefasst: „Wir hoffen“, sagt einer und schiebt nach: „Was bleibt uns anderes übrig?“

„Das alles ist vorsorglich, wir machen das, um auf Nummer sicher zu gehen“, sagt Oberbürgermeister Ingo Meyer, der sich an der Innerste ein Bild von der Lage macht. Im Gegensatz zu 2017 sei man diesmal vor der Lage, sagt der Verwaltungschef, was so viel heißen soll wie: Diesmal sind wir vorbereitet und rechtzeitig am Start. „Ich gehe davon aus, dass das passt“, sagt Meyer. Ob alle Vorkehrungen greifen, das müsse sich nun erweisen – es ist der erste große Ernstfall in Sachen Hochwasserschutz nach der Katastrophe vor sechs Jahren. „Ausgerechnet an Weihnachten – das hätte man sich natürlich anders vorgestellt“, sagt Meyer.

Feuerwehr fordert Anwohner auf, Autos wegzufahren

Anwohner der Innerste sind schon ab Mittag aufgefordert worden, ihre Autos wegzufahren. Die Retter brauchen Platz – und sie wissen, dass der Einsatz sie auch übers Fest begleiten wird. In der Nacht zum Heiligabend werden sechs Feuerwehrleute Wache schieben am neuen Damm – und hoffen, dass die Pegel-Prognosen nicht noch übertroffen werden.

Das gilt auch für Itzum, wo nach 2017 der neue Erdwall aufgeschichtet wurde. Gerade am Anschluss zur Scharfen Ecke reicht die Höhe nun aber rechnerisch nicht aus, und so schichtet die Itzumer Ortsfeuerwehr vom frühen Nachmittag an 5000 Sandsäcke auf, um den Damm zu erhöhen. Ein schweißtreibendes, kräfteraubendes Unterfangen im Dauerregen. Stundenlang.

Hohnsen wird am Spätnachmittag gesperrt

Das Überlaufbecken müsse die Hauptlast tragen, um Schlimmes zu verhindern, hat Heiko Pfänder, der Chef der Berufsfeuerwehr, noch am Vormittag gesagt. Am späten Nachmittag rückt an der Straße Hohnsen auf Höhe des Beckens das Wasser schon an die Fahrbahn heran. Die wird sofort gesperrt – aber solange der Asphalt noch nicht geflutet ist, umkurven viele Autofahrer die Absperrungen. Es wird noch enger auf der Alfelder Straße, die nun die Verkehrslast aus dem Süden tragen muss.

Klar ist: Auch wenn das Schlimmste vermieden werden kann, wird das Hochwasser die Retter über die Weihnachtstage beschäftigen, denn auf den Aufbau wird ein Abbau folgen müssen. Florian Kröhl, der Sprecher der Berufsfeuerwehr, ist sich sicher: „Das werden einsatzintensive Weihnachten für alle.“

Update:Hochwasser-Lage in Hildesheimer Stadtgebiet: Vorsichtiger Optimismus an Heiligabend


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