Hildesheim - Schon wieder knallten die Konfetti-Kanonen im Friedrich-Ebert-Stadion. Drei Tage nach dem Niedersachenpokal-Sieg der Oberliga-Truppe zündeten die A-Junioren-Fußballer des VfV Borussia 06 Hildesheim die nächsten Jubelraketen: Die Mannschaft des Trainer-Gespannes Benedict Plaschke und Maik Kietzmann feierte am Mittwochabend durch einen souveränen 6:0-Heimsieg über die Freien Turner Braunschweig die Niedersachsenmeisterschaft und den Aufstieg in die U19-Regionalliga, das ist in dieser Altersklasse die zweithöchste Spielklassse.
„Einzigartig. Wir können einfach nur megastolz auf diese Mannschaft sein“, sagte Plaschke und umarmte nach Abpfiff seinen Co-Trainer. Dann begannen die Feierlichkeiten. Das Team tanzte auf dem Rasen ausgelassen zum Partyhit „Sweet Caroline“ und ließ ihre Trainer hochleben. Die Spieler haben ein feines Gespür dafür, wem sie den bislang größten Erfolg ihrer jungen Karriere zu verdanken haben.
Besondere Anerkennung gab es auch von der Oberliga-Elf des VfV 06. Die Pokalhelden vom vergangenen Samstag standen Spalier bei der Siegerehrung des Nachwuchses, überreichten zudem die Medaillen und posierten mit den Junioren auch für ein großes gemeinsames Foto. Sichtlich erfreut war darüber auch Maik Thomas: „Genau das stelle ich mir vor! Ein Verein, egal ob Jugend oder Herren.“
Hildesheim startet furios
Rund 200 Zuschauer waren ins Friedrich-Ebert-Stadion gekommen. Eine stattliche Kulisse für die Jungs, die bei der Begrüßung ihren Fans auf der Haupttribüne noch ein wenig schüchtern zuwinkten. Danach legten sie aber völlig unbeeindruckt los. Jaden Geschle per Kopf (5.), ein Handelfmeter von Kristijan Kamberi (24.) und der Doppelschlag von Lucien Jimenez (37., 45.) hatten schon in der ersten Hälfte keinen Zweifel mehr daran gelassen, dass der Tabellenführer an diesem Abend unbedingt auch die Meisterschaft feiern wollte. „Einfach klasse, diese Jungs“, strahlte Vorstand Achim Balkhoff schon zur Pause. „Wir sind wirklich auf dem richtigen Weg.“
Mit einem neuem Trainer-Gespann ist die A-Jugend im vergangenen Sommer in die Niedersachsenliga gestartet. „Benni und Maik haben tolle Arbeit geleistet“, lobte Balkhoff. Ohne Frage, das Leistungsniveau der Mannschaft ist in den vergangenen Monaten steil nach oben gegangen. Zum Saisonstart hatte es im Pokal noch eine 1:4-Packung gegen die hoch gehandelten Freien Turner gegeben. Nun – drei Spieltage vor Saisonende – folgte ein überzeugender Heimerfolg. Die „Jungen Wilden des VfV 06“ stehen frühzeitig als Aufsteiger in die Regionalliga Nord fest.
Eine Entwicklung mit Sogwirkung in viele Richtungen. Allein fünf Spieler aus der U19 gehören in der kommenden Saison zum Herren-Oberligakader von Marcel Hartmann und dessen neuem Trainerkollegen Marc Vucinovic. Beide waren am Mittwochabend vor Ort und haben ganz genau hingeschaut. Jo-Willem Tewes, Kapitän Kristijan Kamberi und Lucien Jemenez wurden schon vertraglich für die Oberliga gebunden. Romeo Kumor und Leon Slodczyk kommen noch als Perspektivspieler dazu. „Solch ein Potential aus der eigenen Jugend hat es schon sehr lange nicht mehr gegeben“, sind sich Hartmann und Vucinovic der Qualität ihrer Youngsters sicher.
Diese Lücke müssen wir noch schließen
Beim VfV erhofft man sich auch einen Prestigegewinn für den eigenen Unterbau, den Jane Zlatkov ab der nächsten Saison übernimmt und mittelfristig wieder auf Bezirksebene führen soll. „Diese Lücke müssen wir noch schließen“, gab Balkhoff unumwunden zu. Bis dahin profitiert auch die Region vom Jugendboom beim VfV 06.
Landesligist SV Bavenstedt ist sich für die kommende Serie mit fünf Spielern aus der Meistermannschaft einig: Rudi Hasso, Patrick Post, Tristan Halstenberg, Marc Büsing und Ruslan Rzaiev wechseln zusammen mit Mahdy El Saleh (aus dem Oberligakader) an die Bavenstedter Hauptstraße. Frederic Schmitz und Lasse Oonk werden voraussichtlich für den SV Einum in der Bezirksliga auflaufen.
Ein runderneuertes U19-Team wird sich nach der Sommerpause dann in der Regionalliga Nord behaupten müssen. Für das Trainerduo Plaschke und Kietzmann logischerweise nicht überraschend. „So ist das im Jugendfußball. Das wird sicherlich keine ganz einfache Sache“, sagt Plaschke. Am Mittwochabend wollte daran aber keiner mehr denken – alle wollten einfach nur genießen.
Von Rainer Fricke




