Standortdebatte

Akuter Sanierungsbedarf: Die Lage zweier Hildesheimer Berufsschulen spitzt sich zu

Hildesheim - Dass das gemeinsame Gebäude von Herman-Nohl- und Walter-Gropius-Schule erheblichen Sanierungsbedarf hat, ist bekannt. Um die Schulen ist eine Standortdebatte entbrannt, die weiter anhält. Doch die Situation spitzt sich zu. Die Heizungsanlage ist kaputt, das könnte eine hohe Investition bedeuten. Kommt jetzt Bewegung in das Thema? (mit Kommentar)

Rund 1200 Schüler und Schülerinnen besuchen die Herman-Nohl-Schule an der Steuerwalder Straße. Wie auch die beiden anderen Berufsbildenden Schulen Walter-Gropius und Werner-von-Siemens wartet die Herman-Nohl-Schule vor entscheidenden Veränderungen, die dringend nötig sind. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Sie schweben im Ungewissen. Immer noch. Die Berufsbildenden Schulen Herman-Nohl, Walter Gropius und Werner-von-Siemens haben keine Ahnung, wo ihr Standort in ein paar Jahren sein wird. Die Diskussion um die Schulen hält weiter an. Sie haben Raumnot, müssen dringend saniert und modernisiert werden. Und ihre Situation wird nicht besser. Wie sich in der Herman-Nohl-Schule mit aller Deutlichkeit zeigt: Die Heizungsanlage ist mitten im Winter ausgefallen, jetzt steht eine mobile Ölheizung vor der Tür. Auf den Landkreis kommen als Schulträger immense Kosten zu. Bringt das jetzt Bewegung in die Angelegenheit?

Eine Reparatur der alten Gasheizung sei technisch möglich. „In Prüfung ist jedoch, ob dies bei einer Anlage von 2006 wirtschaftlich ist“, sagt Lena Kubat, Pressesprecherin des Landkreises. Nach erster Einschätzung seien Beschaffung und Einbau der Ersatzteile aufwändiger als ein Komplettaustausch. Und: Die Reparaturkosten für den aktuellen Defekt beliefen sich auf etwa 70.000 Euro, fraglich sei die Restlebensdauer der anderen Kesselbestandteile. Die Miete für die Notheizung wird rund 16.000 Euro betragen. Dagegen steht: Eine Kostenschätzung für eine gesamte Wärmeversorgungsanlage beläuft sich auf rund 350.000 Euro.

Es geht mindestens um Kernsanierung

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere: Es ist noch gar nicht entschieden, welche Berufsbildende Schule an dem Standort eine Zukunft hat und in welchem Gebäude. „Es wird mindestens um eine Kernsanierung der bestehenden Gebäude gehen“, sagt Martina Reinhardt, Schulleiterin der Herman-Nohl-Schule – die, wenn es nach der Kreisverwaltung geht, dort aber nicht bleiben, sondern in ein neu zu bauendes Gebäude in der Oststadt ziehen soll. An der dortigen von-Thünen-Straße hat bereits die Werner-von-Siemens eine Außenstelle. Doch die soll sich, so die Pläne, in der Zukunft den Standort Steuerwalder Straße mit der Walter-Gropius-Schule teilen, die dort bereits das bestehende Gebäude mit der Herman-Nohl-Schule nutzt. Die technischen Schulen würden also zusammen gezogen, die Herman-Nohl-Schule mit ihrem sozialpädagogischen und pflegerischen Schwerpunkt davon getrennt.

Reinhardt ist von dem neuem Standort nicht begeistert, „aber Hauptsache wir bekommen endlich ein anderes Gebäude“, sagt sie. Ihre Stellvertreterin Astrid Lutha kann ihr da nur beipflichten. Denn neben der kaputten Heizung, ausfallenden Toiletten, defekten Rohren und anderen kleineren Baustellen, die sich quasi nahezu täglich in dem alten Gebäude ergeben, hätten sie ein noch viel größeres Problem: „Wir brauchen händeringend Räume“, so Lutha. Die bräuchte es schon für den regulären Unterricht, für Besprechungen und freies Lernen, aber auch, um die Schule für die Zukunft weiterzuentwickeln. „Wir wären gerne eine Begegnungsstätte. Würden eine Kita anschließen und einen Seniorentreff integrieren wollen“, schildert Reinhardt. Beides würde gebraucht und die Schüler und Schülerinnen könnten praktische Erfahrungen sammeln. Ob das am neuen Standort möglich wäre, weiß sie nicht.

Die Kommunikation ist ausbaufähig

Wie sie auch nicht wisse, was generell der Stand der Dinge sei. In den vergangenen Monaten sei es ruhig um das Thema Berufsschule geworden, bedauert Lutha. „Die Kommunikation mit dem Schulträger ist ausbaufähig“, ergänzt Reinhardt.

Doch einmal ploppte im vergangenen Jahr einen kurzen Moment ein Fünkchen Hoffnung bei den Frauen auf und noch heute reden sie begeistert davon: Als nämlich die FDP das Gebäude von Galeria Kaufhof als möglichen Schulstandort ins Gespräch brachte. „Das hätten wir sofort genommen“, schwärmt Lutha. Parkhaus, viel Platz, mitten in der Stadt – das wäre optimal gewesen. „Und wir hätten ein Kulturzentrum anschließen können“, so Reinhardt. Doch die Idee ist vom Tisch.

Jetzt hoffen Reinhardt und Lutha, dass es endlich eine Standortentscheidung geben wird. Danach würde die eigentliche Planung beginnen und bis zum Umzug ohnehin noch viel, viel Zeit vergehen. Die unter den jetzigen Bedingungen zu verbringen, schreckt die Schulleitung nicht wirklich. „Wir leisten gute Arbeit, damit überzeugen wir, und die Alltagsprobleme bewältigen wir“, sagt Reinhardt. Ihre größte Sorge: Dass bis dahin nicht mehr oder zu wenig in die Schule investiert würde. „Wir brauchen Fachräume, Praxisräume für die angehenden Ergotherapeuten und Werkstätten für die Sozialpädagogen“, schildert sie. Die Schüler und Schülerinnen der Pflegeberufe bräuchten programmierbare Puppen, anhand derer für medizinische Notfälle geprobt werden könnte. Ohne diese Investitionen würde die Schule abgehängt. „Und wir bilden hier Fachleute aus, die dringend gebraucht werden“, erinnert Reinhardt.

Wie geht es nun weiter? „Die gesamte Gebäudetechnik ist überaltert und hat ein sehr hohes Ausfallrisiko. Das Gebäude hat auch noch andere schwerwiegende Mängel, die den Schulbetrieb ganz oder in Teilen in Frage stellen können“, sagt Kubat. Die Kreisverwaltung habe deshalb immer wieder darauf hingewiesen, dass der zeitliche Spielraum für eine geordnete Planung schwindet und die Gefahr besteht, dass durch äußere Zwänge teure Notlösungen gefunden werden müssen. Die Gespräche mit Vertretenden der Stadt entwickelten sich aber positiv. „Die politischen Entscheidungsträger sollen in Kürze umfassend informiert werden, damit ein positiver Abschluss im Konsens gefunden werden kann“, stellt sie in Aussicht.


Kommentar: Hildesheimer Berufsschulen – Entscheidungen müssen her und zwar ganz schnell

Hildesheim. Es wird eine millionenschwere Entscheidung. Das ist Fakt. Und die muss gut überlegt sein. Auch das ist völlig einleuchtend. Doch bei allem Verständnis dafür: Dass drei Berufsbildende Schulen in Hildesheim seit Jahren in der Schwebe hängen, ist nicht mehr hinnehmbar. Lehrende und Lernende wissen nicht, ob und wohin sie umziehen werden, müssen ihren Alltag unter zumindest problematischen Bedingungen absolvieren und die Schulleitungen trotzdem ihren Lehrauftrag auf Höhe der Zeit erfüllen – das geht nicht.

Zumal: In Deutschland fehlen Fachkräfte. Da macht die Region Hildesheim keine Ausnahme. Es fehlt an Personal in Kitas und Pflegeeinrichtungen, auch die Sanitärbranche macht immer wieder deutlich, dass sie die Herausforderungen der Zukunft nur mit entsprechend ausgebildetem Personal stemmen kann. Unter anderem in genau in diesen Bereichen bilden diese drei Hildesheimer Berufsschulen aus. Da muss es doch ein gemeinsames und sehr ernst genommenes Anliegen sein, ihnen dafür die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen.

Nun lässt sich das Rad nicht zurückdrehen. Doch jetzt müssen Schulträger und Politik ganz dringend aufs Gaspedal treten. Die längst überfällige Standortentscheidung muss schleunigst fallen. Denn erst dann kann die eigentliche Planung für Sanierungen und Umzüge losgehen.

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