Nach Sommerferien

Corona-Abstand: Wie läuft es zum Schulstart in Bussen und Bahnen?

Kreis Hildesheim - Donnerstag geht die Schule in Stadt und Kreis Hildesheim los – dann besuchen wieder alle Schüler jeden Tag den Unterricht. In Bus und Bahn wird es voll. Corona-Abstand? Fehlanzeige. Eltern sind besorgt.

Ab Donnerstag wird es wieder voll in den Bussen: Die Schule beginnt. Zusätzliche Busse werden nicht eingesetzt. Foto: Michael Bornemann

Kreis Hildesheim - Einbahnstraßen in den Schulfluren, versetzte Pausenzeiten, Abstandsregeln und Maskenpflicht dort, wo die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können – Hildesheims Schulen sind auf den Neustart zu Coronazeiten vorbereitet. Eine Mammutaufgabe. Die aber erforderlich ist, um Kinder, Jugendliche und ihre Lehrer vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen – und damit einen weiteren Schritt in Richtung Eindämmen der Pandemie zu gehen.

Doch was nützen die aufwendigen Hygienekonzepte der Schulen, wenn die Schüler auf dem Weg zum Unterricht dicht gedrängt in Bus und Bahn stehen? Tausende von Mädchen und Jungen sind morgens in Stadt und Landkreis Hildesheim unterwegs. Sie fahren mit den Bussen von SVHi und RVHi, mit den Zügen der Nordwestbahn, der Deutschen Bahn und von Erixx. Was unternehmen die Verkehrsbetriebe, um in den Fahrzeugen größtmögliche Sicherheit zu bieten. Was sagt der Landkreis als Träger der Schülerbeförderung dazu?

Eng an eng im Bus

Alle Sitzplätze im Bus sind voll, in den Gängen stehen die Schüler Schulter an Schulter – schon seit Jahrzehnten ist das ein ganz normales Bild in den frühen Morgenstunden. Bis Corona kam und Mitte März die Schulen stilllegte. Damit wurde es auch in Bus und Bahn leer. Die Unternehmen stellten zeitweise sogar einige Routen ein, weil schlicht keiner mehr damit fuhr. Dann wurde der Präsenzunterricht zugelassen: Die Schüler besuchten abwechselnd den Unterricht, fuhren also auch wieder mit den Verkehrsmitteln – mit Mund-Nasen-Masken, die auch in Niedersachsen Pflicht waren und es weiter sind, wenn man den Öffentlichen Nahverkehr nutzt. Doch es waren eben nur jeweils rund die Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit Bus und Bahn unterwegs, die deshalb noch nicht annähernd so voll besetzt wie zu Vor-Corona-Zeiten.



Doch am Donnerstag beginnt der Schulalltag mit dem sogenannten eingeschränkten Regelbetrieb – und das heißt, alle Schüler gehen wieder jeden Tag zur Schule. Es wird also wieder voll. Die Einhaltung der Mindestabstände von anderthalb Metern wird da wohl ein frommer Wunsch der Schüler und von deren Eltern bleiben.

Wenig Beschwerden

Vor den Ferien scheint die Schülerbeförderung mit Blick auf die Coronaregeln gut funktioniert zu haben. „Die Zahl der Beschwerden war sehr übersichtlich“, sagt Landkreis-Sprecherin Birgit Wilken. In begründeten Fällen sei umgehend Abhilfe geschaffen worden. Und wie geht der Landkreis nun mit der Situation um, dass plötzlich wieder alle Schüler zeitgleich morgens in die Busse und Züge steigen? „Wir müssen die Entscheidung des niedersächsischen Kultusministeriums umsetzen und die erforderlichen Kapazitäten für die Schülerbeförderung vorhalten“, stellt Wilken zunächst fest. Dabei greife der Landkreis im Linienverkehr auf den RVHI und im Schienenverkehr auf die Bahnunternehmen zurück. Die Zahl der Busse und Bahnen wird nach Angaben der Sprecherin aber im Vergleich zur Zeit vor Corona nicht erhöht. Heißt also: Alles bleibt wie es ist, jeder Fahrschüler kommt zwar mit Bus und Bahn von A nach B, hat dabei aber genauso wenig Platz wie vorher.

Gefragt nach den aktuellen Regeln in den Fahrzeugen verweist Wilken auf die aktuelle niedersächsische Corona-Verordnung, wonach das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung vorgeschrieben ist. Beim Sicherheitsabstand von anderthalb Metern werde es dann allerdings schwammig. Der sei nämlich gemäß dieser Verordnung nur „soweit möglich“ einzuhalten. Die zuständigen Behörden und die Polizei sollen die Bestimmung der Verordnung durchsetzen und Verstöße ahnden.

Eltern gefordert

Im Übrigen müssten laut Wilken auch die Verkehrsbetriebe einen in dieser Hinsicht ordnungsgemäßen Betrieb sicherstellen. „Es ist aber weiterhin außerordentlich wichtig, dass alle Beteiligten verantwortungsvoll zusammenwirken“, betont sie. „Bus- und Bahnpersonal alleine können die durchgängige Einhaltung von Abstandsregeln und Maskenpflicht nicht sicherstellen“ fügt sie hinzu. Zudem seien auch die Eltern weiterhin gefordert, ihre Kinder auf alle Notwendigkeiten hinzuweisen.

Auch in der Stadt Hildesheim werden keine zusätzlichen Busse für den Schülerverkehr eingesetzt. „Wie vor der Pandemie werden aber alle beim SVHI verfügbaren Fahrzeuge zur Schülerbeförderung eingesetzt“, verweist Stadtsprecher Helge Miethe auf eine Auskunft des SVHI. Darüber hinausgehende Kapazitäten seien ihm nicht bekannt. Er weist darauf hin, dass auch im Wartebereich der Haltestellen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorgeschrieben ist. Die Einhaltung des Mindestabstandes könne in Fahrzeugen des Öffentlichen Personennahverkehres jedoch nicht gewährleistet werden. Eine Verpflichtung für die Unternehmen zur Einhaltung des Mindestabstandes bestehe somit nicht.

Das bestätigt auch Christoph Ricking, Sprecher des niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung. Die Abstandspflicht in den Fahrzeugen des ÖPNV von 1,50 Meter gelte nur „soweit möglich“. Soweit diese in Fahrzeugen nicht umgesetzt werden kann, seien die Fahrgäste aufgerufen, soweit wie möglich Abstand von anderen Fahrgästen zu nehmen. Die Verkehrsunternehmen seien zudem auch nicht verpflichtet, dafür zu sorgen, dass dieser Abstand von den Fahrgästen eingehalten wird.

Nicht mehr Bahnen im Einsatz

Um mehr Platz in den Bahnen zu schaffen, müssten die Züge mehr Wagen anhängen. Die Nordwestbahn beispielsweise ist morgens in der Regel mit zwei Wagen im Lammetal unterwegs. Und das wird offenbar auch so bleiben. Nach Angaben von Karin Punghorst, Sprecherin der Nordwestbahn, kommen zusätzliche Waggons auch bei der Nordwestbahn nicht zum Einsatz. „Das würde auch gar nicht gehen, weil dies die Bahnsteige von der Länge gar nicht hergeben“, erklärt die Sprecherin.

Die Mitarbeiter des Service-Personals weisen nach Angaben von Punghorst die Fahrgäste regelmäßig darauf hin, dass sie einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen haben. „Diese Maskenpflicht besteht aber schon mit Betreten des Bahnhofsgeländes“, betont sie.

Bei der Deutschen Bahn wird bei Verstößen gegen die Maskenpflicht auch schon mal die Bundespolizei hinzugeholt. „Der Schutz der Gesundheit von Mitarbeitern und Fahrgästen hat für uns oberste Priorität“, unterstreicht eine Bahn-Sprecherin. Nach wie vor halte sich aber die große Mehrheit der Reisenden an die Maskenpflicht.

Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) stellt klar, dass die Verkehrsbetriebe in Niedersachsen auch nicht verpflichtet sind, Fahrgäste mitzunehmen, die keinen Mund-Nase-Schutz tragen. Verstöße gegen die aktuelle Corona-Verordnung seien Ordnungswidrigkeiten und mit Bußgeld belegt. Die gesetzlichen Beförderungspflichten des Personenbeförderungsgesetzes änderten daran nichts.

Durchsagen im Zug

Der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn des Regionalverbandes Braunschweig-Hildesheim, Holger Klages, plädiert derweil dafür, dass die Bahnunternehmen während der Fahrt regelmäßig (zum Beispiel mittels Durchsagen) auf die Verhaltens- und Abstandsregeln hinweisen. „So könnte man die Schüler zusätzlich sensibilisieren“, meint er.

„Ferner sollten die Unternehmen alles daran setzen, die planmäßigen Fahrzeugkapazitäten für den Schülerverkehr einsetzen zu können“, fügt er hinzu. Verminderte Fahrzeuglängen sollten tunlichst vermieden werden. Das kam bei der Nordwestbahn in der Vergangenheit immer mal wieder vor. Aufgrund technischer Probleme stand dann nur ein Wagen zur Verfügung, statt wie üblich zwei. „Zusätzliche Bahnen wären sicherlich wünschenswert, sind jedoch mangels ausreichender Fahrzeug- und insbesondere Bahnsteigkapazitäten aus unsere Sicht nicht realisierbar“, so Klages.

Von Michael Bornemann und Ulrike Kohrs

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