Hildesheim - Christoph Biemann hat nicht nur rund 20 Jahre in Hildesheim gelebt und am Gymnasium Andreanum sein Abitur gemacht. Er ist auch seit 1975 Regisseur, Autor und Moderator der „Sendung mit der Maus“. Zum 50. Geburtstag der beliebten Kindershow ist er im Interview mit der HAZ.
Wie haben Sie die Maus
kennengelernt?
Ich war Student in München an der Filmhochschule. Da gab es einen Studienkreis: Kinder- und Jugendfernsehen. Dort durften wir alle Leute einladen, die in Deutschland im Kinder- und Jugendfernsehen Rang und Namen hatten. Einer von denen war Gert Müntefering – der Vater der Maus. Der hat uns ganz stolz die ersten Maus-Sendungen auf Videokassette gezeigt. Aber wir haben gesagt: Das ist nicht so toll, ihr zeigt da nur Maschinen – wo sind denn die Menschen? Daraufhin hat uns Gert Müntefering Geld gegeben und gesagt: Ihr macht das jetzt so, wie ihr euch das vorstellt. Wir haben dann eine Geschichte über Briefträger gemacht. Danach war ich für ein Praktikum beim WDR, habe für die Maus Filme gemacht – und dann ging’s los.
Was ist Ihre liebste Maus-Folge?
Stolz bin ich auf die Atom-Maus. Wir haben erklärt, wie Atomkraft funktioniert, was schwierig war. Denn Atome kann man nicht sehen, Strom auch nicht. Um die Kettenreaktion in einem Atomreaktor darzustellen haben wir 250 Mausefallen genommen, die aufgespannt, in jede Falle zwei Tischtennisbälle gelegt. Das war furchtbarer Stress, weil die Mausefallen zwischendurch auch mal losgegangen sind.
Hat sich bei der „Sendung mit der Maus“ etwas verändert, seit Sie dabei sind?
Natürlich. Wenn man die Folgen von vor 50 Jahren anguckt, ist der Unterschied schon groß. Es war damals langsam. Die Sehgewohnheiten haben sich eben geändert. Heute schneiden wir die Filme schneller, weil man es viel mehr gewohnt ist, Filme zu schauen als früher.
Naja, den trage ich aber erst seit 1980 oder so. Denn eigentlich bin ich nur Regisseur und Autor, stehe hinter der Kamera. Es war irgendwann aber praktisch, mich zu nehmen, statt einen Schauspieler zu buchen (lacht). Das sind mittlerweile also schon mehr Pullover.
Wen mögen Sie am liebsten, die Maus, den Elefanten oder die Ente?
Der Elefant ist mir näher. Am Anfang jedes Films stehe ich meistens vor einem Problem und muss das lösen. Ich muss etwas erfahren, was ich nicht weiß. Da bin ich dem Elefanten ein bisschen ähnlich (lacht).
Wie lange wollen Sie bei der „Sendung mit der Maus“ noch dabei sein?
Ich bin zwar schon im Rentenalter, aber ich denke noch lange nicht daran, aufzuhören. Ich bin jetzt ins Großvater-Alter reingewachsen und ich weiß, dass Großeltern bei Kindern unheimlich beliebt sind. Mit denen kann man Spaß haben, was erleben, die zwingen einen nicht zum Zähneputzen. Und ich habe einen Beruf, der mir unheimlich viel Spaß macht. Ich hab’ neulich einen tollen Spruch gehört: Mach einfach das, was dir Spaß macht, dann musst du nie wieder arbeiten. Ich arbeite also sozusagen nie (lacht).
Was wünschen Sie der Maus zum Geburtstag?
Ich wünsche ihr ein langes Leben, zufriedene, beglückte Zuschauer und dass es noch lange den WDR und die ARD gibt, die es ermöglichen, dass die Maus auf dem Bildschirm ist.
