Rathaus

Die Stadt Hildesheim bekommt viele Gastgeschenke – ein seltener Blick in einen großen Fundus

Hildesheim - Von der bemalten Raketenhülse bis zum gravierten Wandteller – im Dachgeschoss des Hildesheimer Rathauses sind Kisten und Taschen voller Gastgeschenke untergebracht. Jetzt gibt es eine Idee, wie sich damit vielleicht noch Gutes tun lässt.

Gute Gäste bringen stets Geschenke mit – doch wohin nur mit all den Wappentellern und Wimpeln, die Hildesheims Oberbürgermeister im Laufe der Jahre so erhalten haben? Kristina Bootsmann und Pressesprecherin Jasmin Weprik (links) zeigen einige der Präsente, die im Rathaus gelagert werden. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Mit einer meterhohen Raketenhülse unterm Arm kehrt Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer von seinem offiziellen Besuch zurück. Ein Gastgeschenk aus der Ukraine. Er hat es allerdings bei einem Besuch in der Patenstadt Neisse erhalten – der heutigen Stadt Nysa in Polen.

Liebevoll ist die graue Sprengstoffhülle bemalt: Auf dem vormals grauen Untergrund leuchtet jetzt eine Art Heiligenbild in hellblau samt Kreuz und Friedenstaube. Was für ein symbolisches Präsent. Das Hildesheimer Stadtoberhaupt hat es vor wenigen Monaten erhalten – so wie viele andere auch bei jenem Freundschaftstreffen im November 2023 in der Stadt Nysa. Jeder Gast durfte so eine verzierte Raketenhülle mit nach Hause nehmen – als eine unmissverständliche Mahnung zum Frieden in diesen Zeiten.

„Eine sehr berührende Idee“, sagt Jasmin Weprik über das doch sehr ungewöhnliche Gastgeschenk. Sie muss es wissen. Die Pressesprecherin der Stadt Hildesheim hat über all die Jahre schon viele Präsente gesehen, die bei offiziellen Besuchen einfach dazugehören. Das hat Tradition: Die komprimierten Erinnerungen werden überreicht, um gegenseitige Verbundenheit und Wertschätzung auszudrücken.

Sieben Partnerstädte

Und ja, so ein bisschen ist es natürlich auch Pflicht, bei Besuchen nicht mit leeren Händen in eine Partnerstadt zu kommen. Hildesheim hat gleich sieben davon: Angoulême (Frankreich), Weston-super-Mare (England), Pavia (Italien), El Minia (Ägypten), Padang (Indonesien), Halle (Deutschland), Gelendjik (Russland). Dazu kommen Freundschaften zu North Somerset (England) und Neisse (Polen). So ist es kein Wunder, dass die Vitrinen im Rathaus längst nicht mehr ausreichen. Zwar steht schon auf vielen Fensterbänken und auch so manchen Schreibtischen im Rathaus Gastgeschenke – aber dieser Platz wäre insgesamt einfach viel zu wenig.

„Wir haben mittlerweile einen ganzen Raum unterm Dach“, verrät die Pressesprecherin. Dafür muss man im Rathaus hinauf in den vierten Stock. Eigentlich hat hier Oliver Rösler das Sagen – er ist der Mann für Städtepartnerschaften und internationale Beziehungen im Rathaus. Aber er hat gerade Sommerurlaub. So manches Geheimnis oder manche Kuriosität kennen auch Sprecherin Weprik und Kristina Bootsmann, Referentin des Oberbürgermeisters.

Kisten und Samtboxen

Gleich ganz am Anfang der meterlangen Regale steht die bemalte Raketenhülse, die auf den ersten Blick fast wie ein Schirmständer ausschaut. Noch ist kein bestimmter Platz im Rathaus für sie gefunden. Dahinter stapeln sich in Kisten, Kästen, Tüten, Taschen und Samtboxen die vielen, oft sehr unterschiedlichen Gastgeschenke.

Keine Frage: Nicht alles, was repräsentativ überreicht wird, ist auch später dekorativ und begehrt. So zeigt Jasmin Weprik im großen Fundus der Stadt jede Menge Wandteller, beschriftete Becher, gravierte Vasen und Tassen, die wohl ihren Status „eingepackt“ noch länger behalten werden. Allein mit allem, was so unter der Funktion Briefbeschwerer läuft, könnte man Hildesheim wohl flächendeckend ausstatten. „Und bunte Wimpel und Fahnen haben wir auch jede Menge“, ergänzt Kristina Bootsmann.

Stattlicher Bärenfell-Umhang

Offiziell sind alle Gastgeschenke Eigentum der Stadt. So bleibt selbst ein langes, schweres Schwert im Besitz des Rathauses. „Das hat der frühere Oberbürgermeister Kurt Machens mal aus Gelenjik überreicht bekommen“, erinnert sich Jasmin Weprik. Eigentlich gehörte dazu auch noch ein stattlicher Bärenfell-Umhang. Der sei aber inzwischen längst dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen.

Das lässt sich nach all den Jahren nicht wirklich verhindern. So ist mancher Teller mittlerweile schon etwas angelaufen, Werke auf Papier sind leicht rissig geworden. Stücken, die Karriere auf einer Fensterbank oder einem Schreibtisch im Rathaus gemacht haben, denen bleibt solch ein Schicksal sicherlich erspart. Da ist die Vitrine am Gang der Empore, die derzeit mit Gastgeschenken aus England ausgestattet ist. Oder gegenüber vom Rats-Sitzungssaal: Hier lassen sich verschiedene Mitbringsel aus Fernost entdecken.

Ein Tempel aus Pandang

Wer sich beispielsweise im Zimmer des Oberbürgermeisters umschaut, wundert sich vielleicht über das zart gewebte Luftschloss hinter Glas, das dekorativ auf der Fensterbank im ersten Obergeschoss steht. Dahinter verbirgt sich natürlich ein Tempel aus Pandang, der einst den Weg nach Hildesheim gefunden hat. Auch ein Kaffeeset aus der Türkei findet sich dort, ebenso ein dunkles Batik-Hemd, das noch in Folie verpackt ist. Ob das Hildesheimer Stadtoberhaupt es wohl je tragen wird?

„Wohl eher nicht“, sagt die Stadtsprecherin und lacht. Weil die Präsente mittlerweile ein immer größeres Ausmaß annehmen, ist im Rathaus die Idee zu einer Versteigerung entstanden. „Wir könnten doch vielleicht noch Menschen erfreuen – und zudem Geld für einen guten Zweck einsammeln“, schlägt Jasmin Weprik vor. Vielleicht bekäme dann nicht nur die bemalte Raketenhülse aus der Ukraine einen angemessenen neuen Platz, sondern möglichst viele andere Gastgeschenke auch.

Und was verschenkt Hildesheim?

Was hat eigentlich eine Hildesheimer Delegation im Gepäck, wenn es um Gastgeschenke geht? Fest steht: Die Präsente seien heute längst nicht mehr so aufwändig wie noch in früheren Jahren. Da haben alle noch gut gefüllte Give-away-Taschen erhalten. „Wir verschenken seit einigen Jahren bewusst Dinge, die eben nicht in irgendeinem Fundus verschwinden“, sagt Sprecherin Jasmin Weprik. Bemalte Teller oder klobige Briefbeschwerer – da sei alles nicht mehr aktuell.

Hildesheim setzt gern auf Mitbringsel, die durch den Magen gehen. Dazu gehört zum Beispiel Rosentee, denn Hildesheim trägt ja den Beinamen Rosenstadt. „Oder auch Hildesheimer Trüffel aus der Stadt, die immer gut ankommen.“ Und es müsse ja nicht immer gleich enorm die Stadtkasse belasten. Im Gepäck sind mitunter auch Bücher oder Bildbände über die Domstadt. Dabei wird genau aufgelistet, was in welcher Stadt schon mal verschenkt worden ist. Es soll ja keine Doppelungen geben.

Seit Jahrzehnten sehr beliebt ist und bleibt das kleine Hildesheimer Guckästchen aus Papier zum Aufklappen: Es zeigt dreidimensional die Highlights rund um den historisch rekonstruierten Marktplatz. „Das stellt sich doch jeder gern hin.“ Und so bleibe Hildesheim einfach gut und originell in Erinnerung, betont die Stadtsprecherin.

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