Altpapier

Achtumer machen aus Abfall viel Geld – und spenden es am Ende für einen guten Zweck

Hildesheim - In einem alten Kuhstall in Achtum stapelt sich über Monate Altpapier. Zweimal im Jahr bringen es Helfer zum ZAH – die Summe, die es dafür gibt, überrascht. (mit Video)

Hildesheim - Vincent steht in Achtum auf einem riesigen Berg Altpapier und hält die Arme unter das Ende eines Förderbands. Das Band befördert nach und nach alte Zeitungsstapel, Bücher, Kataloge und Pappreste aus einem alten Kuhstall ans Tageslicht. Das Papier ist eigentlich Abfall. Aber eine Gruppe um den Achtumer Uwe Adling macht aus dem Abfall noch Geld. Dieses wird am Ende komplett für einen guten Zweck gespendet.

Bei Altpapier handelt es sich um einen Wertstoff, für den der Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH) bezahlt. Für Einzelpersonen, die alte Zeitungsstapel bringen, würde sich das kaum lohnen. Außerdem leert der ZAH die blauen Altpapiertonnen ja auch regelmäßig. Aber die Altpapiersammler aus Achtum arbeiten in großem Stil. „Pro Sammlung kommen etwa 30 Tonnen zusammen“, sagt Adling, der die Gruppe 2017 gegründet hat.

Pro Sammlung kommen etwa 30 Tonnen zusammen

Uwe Adling, Organisator

20 Tonnen holen er und weitere Helfende nach und nach von Firmen oder Privatpersonen im gesamten Stadtgebiet. „Zehn weitere werden immer an einem Sammelwochenende von Bürgern aus der Umgebung gebracht“, berichtet er. Am Freitag und Samstag ist es so weit, nacheinander kommen zahlreiche Anwohner mit großen Behältern oder Fahrzeugen voller Altpapier auf den Hof.

Der gehört Henning Wittneben, und der Landwirt ist an allen Ecken und Enden gefragt. „Ich bin der Einzige, der die Fahrzeuge bedienen kann“, sagt er. Also schwingt er sich nacheinander ans Steuer der Trecker, kippt Berge Altpapier zusammen oder zieht Hänger ein paar Meter vor, damit sich das Papier besser verteilen kann.

Dutzende Hände packen mit an. Im alten Kuhstall werfen zahlreiche Erwachsene die alten Zeitungen und Bücher aufs Förderband, auf der anderen Hofseite sitzt der sechsjährige Hugo in einem kleinen Auto-Anhänger und entfernt Plastikfolien und Verschnürbänder von den Zeitungsstapeln.

Wie viel Geld es am Ende für das Papier gibt schwankt, weil sich der Preis am Rohstoffhandel orientiert. „Als wir anfingen, gab es 130 Euro pro Tonne“, sagt Adling. Das Wenigste seien bisher 50 Euro je Tonne gewesen. „Wir hoffen jetzt auf 60 Euro“, sagt der Achtumer. Zahle der ZAH diesen Betrag am Ende aus, kämen die Sammler bei 30 Tonnen auf 1800 Euro.

„Das Geld geht 1:1 an die Jugendarbeit des RSV Achtum“, sagt Adling, der früher für die Grünen im Ortsrat saß. Der Sportverein wurde schon mehrfach bedacht, genauso wie die Grundschule, der Kindergarten oder die Feuerwehr. Rund 325 Tonnen Altpapier haben die Helferinnen und Helfer seit ihrem Beginn 2017 gesammelt. Dabei kamen mehr als 30.000 Euro zusammen.

Die Sammlungen sind wie Dorffeste

Uwe Adling, hat die Altpapiersammlung 2017 auf den Weg gebracht

Aber es geht der Gruppe noch um etwas anderes. „Die Sammlungen sind wie Dorffeste“, sagt Adling. Viele Achtumer strömen zusammen, helfen entweder mit oder bleiben auf eine Bratwurst oder ein Bier auf Wittnebens Hof. Und wenn Adling sein Auto zu einem älteren Bürger steuert, der sein Altpapier gesammelt hat und spenden will, erfüllt der Besuch gleichzeitig einem sozialen Zweck. „Dann unterhalten wir uns noch eine Zeit lang.“

Nach und nach leert sich der alte Kuhstall, landen bei der Sammelaktion alte tfn-Programme, Bücher von Gotthold Ephraim Lessing und Samuel Beckett, Bo-Frost-Kataloge und Werbebroschüren von Reisebüros auf den Hängern. „Am Montag bringen wir alles nach Heinde“, sagt Adling. Dann wird sich herausstellen, wie viel Geld die RSV-Jugend demnächst verplanen kann.

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