Vinzenzpforte

Diese Frauen treffen sich in Hildesheim zum Stricken – vor allem, um danach andere zu beschenken

Hildesheim - Im Strickcafé der Vinzenzpforte in Hildesheim treffen sich regelmäßig Frauen, um gemeinsam zu stricken. Was sie antreibt – und wer all das Geschaffene bekommt.

Aufribbeln, aufwickeln und wieder verstricken: Gabi Flassig, Günay Werner und Elisabeth Brückner bei der Teamarbeit im Strickcafé der Vinzenzpforte. Foto: Wiebke Barth

Hildesheim - Den selbst gestrickten Mützen, Schals, Socken oder Umschlagtüchern dieser Frauen begegnet man in Hildesheim vermutlich häufig, ohne es zu wissen. Denn die Damen im Strickcafé der Vinzenzpforte lassen die Nadeln wirbeln wie die Weltmeisterinnen – und verschenken ihre Produkte. Natürlich bestricken sie die Familie, darüber hinaus fertigen sie die warmen Accessoires aber auch für die Gäste des Sozialcafés der Vinzentinerinnen oder der Bahnhofsmission, für den Sozialen Mittagstisch Guter Hirt, für Mitarbeitende des Paulus-Pflegeheims oder zugunsten des Michaelis-Hospizes. Die Frauen gehen ihrem Hobby nach, genießen die Geselligkeit bei Kaffee und Kuchen und tun gleichzeitig Gutes für andere.

Einmal im Monat treffen sie sich in der Vinzenzpforte, besetzen zwei große Tische mit ihren Handarbeitsrunden. Die aktuellen Arbeiten werden gegenseitig begutachtet, Reihe um Reihe weiter gestrickt und gehäkelt, aber für Kuchen und Klönen ist auch Zeit. Lieselotte Graw zeigt ihrer Nachbarin den Schal, den sie in Arbeit hat, der soll so lang werden, dass man ihn mehrmals um den Hals wickeln kann. Das Stricken hat sie schon als Kind von der Oma gelernt.

„Zu Hause schafft man mehr“, sagt Gabi Flassig. Aber sie kommt auch deshalb zusammen mit Elisabeth Brückner aus Bodenburg nach Hildesheim, um neue Bekanntschaften zu schließen. Brückner fühlte sich in dem Strickkreis gleich gut aufgenommen: „Wenn man hier reinkommt, strahlen schon alle. Es ist eine Gemeinschaft. Und für Spenden gibt es auch ein Danke.“ Die meisten Handarbeiterinnen sind auf Einladung von Marie Hilgenfeld, der Leiterin der Vinenzpforte, im Strickcafé. Sie hat Frauen, die mit Spenden vorbeikamen, darauf angesprochen – denn das Café ist auch als Dankeschön für deren Einsatz gedacht.

Socken gehen am besten

An diesem Tag hat Günay Werner einen Beutel mit übrig gebliebenem Garn mitgebracht. Gemeinsam schauen die Frauen die Knäuel durch – was passt zusammen? Was kann noch einen schönen Schal ergeben? Spenden von Wolle gebe es zwar öfter, sagt Maximilian Balzer, Pressesprecher der Vinzentinerinnen. Aber meist bezahlen die Handarbeiterinnen selbst für die Wolle, die sie verarbeiten. Besonders beliebt seien Socken, meint Elke Hoppe, die früher in Bockenem ein Handarbeitsgeschäft betrieben hat. Therese König, die nebenan im Paulus-Heim wohnt, fertigt sogar Mini-Versionen, die sie mit einem netten Spruch bestückt und als Dankeschön verschenkt. „Nur Babysocken stricke ich nicht mehr“, sagt König. Denn die hätten irgendwie nie die richtige Größe.

Gabi Krüger ist zum ersten Mal dabei, sie hatte von dem Strickcafé gelesen. „Ich stricke jede freie Minute“, erklärt Krüger, „für mich ist das Entspannung.“ Und mit den Spenden lasse sich auch noch Gutes tun. Schwester M. Benitia fertigt schon seit mehr als vier Jahrzehnten Handarbeiten und Basteleien, die für einen guten Zweck verkauft werden. Mit einem Lächeln erinnert sie sich an eine Aktion zum 1200-jährigen Jubiläum des Bistums 2014: Die Kuppel der St.-Clemens-Basilika in Hannover wurde als Kunstaktion mit gestrickten Bahnen dekoriert, an denen mehr als 100 Handarbeitende mitgewirkt hatten – auch Schwester Benitia und Schwester Andrea, die heute zusammen in der Vinzenzpforte stricken.

Das Strickcafé findet dort, Neue Straße 16, immer am vierten Donnerstag im Monat statt, von 15 bis 17 Uhr. Die nächsten Termine sind am 27. März, 24. April, 22. Mai und 26. Juni.

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