Hildesheim - „Wenn Sie aufs Festgeld für ein Jahr 4,2 Prozent Zinsen bekommen können oder 4,1 Prozent auf zehn Jahre – was nehmen sie dann?“ Thomas Bartels lehnt sich kurz in seinem Stuhl zurück, ein leises Schmunzeln um die Mundwinkel. Dann gibt er selbst die Antwort: „Ich würde die 4,1 Prozent auf zehn Jahre nehmen“, sagt er. Ein kleiner Satz, der viel aussagt über die Denkweise des Hildesheimer Unternehmens Consulting-Team. Und Hinweise darauf liefert, wie die Firma vom Zwei-Mann-Betrieb zu einer der größten Vermögensverwaltungen in Niedersachsen aufsteigen konnte, die rund 650 Millionen Euro an Kundengeldern verwaltet. Tendenz steigend.
„Missionare“ vor 25 Jahren
Bartels – in Hildesheim auch als langjähriger Stadtbrandmeister bekannt – und seine Mitstreiter sind nicht auf den schnellen Erfolg aus. Sie wollen Vermögen langfristig vergrößern. Danach – und nach ihren eigenen Prognosen zur Entwicklung von Wirtschaft, Aktien- und Anleihemärkten – treffen sie auch die Anlageentscheidungen für ihre Kundinnen und Kunden. „Wir rechnen damit, dass die Zinsen mittel- und langfristig wieder sinken“, sagt Thomas Bartels. „Deshalb halten wir den genannten Zehn-Jahres-Zins für attraktiver als einen kurzfristig etwas Höheren. Und Anleihen mit langen Laufzeiten für sehr interessant.“
Als Bartels und sein Kompagnon Stephan Theuer sich vor 25 Jahren selbstständig machen, müssen sie erst einmal „missionarische Arbeit leisten“, wie sich Bartels erinnert. Das Duo hatte zuvor für eine Bank gearbeitet, dort aber gekündigt, „weil es vor allem um Verkaufsprovisionen ging und nicht unbedingt um die beste Anlage für den Kunden“, blickt Theuer zurück. Vermögensberater, große wie kleine, gibt es damals wie Sand am Meer. Und viele haben nicht den besten Ruf. Es ist die Zeit, der der AWD des Hildesheimers Carsten Maschmeyer oder die Deutsche Vermögensberatung Schlagzeilen machen.
Zugriff auf mehr Anleihen
Bartels und Theuer genießen auf der einen Seite das Vertrauen vieler Kunden, die sie schon als Bankberater länger betreut haben. Aber sie müssen auch gegen eine gewisse Skepsis anargumentieren. „Wir sind keine Vermögensberatung“, ist ein Satz, den Thomas Bartels damals wie heute regelmäßig ausspricht. Vielmehr gehören die Hildesheimer zu den wenigen auf dem Markt, die nach einer Gesetzesreform, die deutlich strengere Regularien und Kontrollen mit sich bringt, im Geschäft bleiben dürfen. Als „Wertpapier-Institut“, wie es amtlich heißt.
Damit nimmt das Consulting-Team auch eine Funktion ein, die in den Börsennachrichten immer wieder auftaucht. Die eines „institutionellen Anlegers“. Diese haben Zugriff auf weitaus mehr Wertpapiere, als Privatleute sie handeln können. Gerade auf dem Anleihemarkt sei das extrem, sagt René Laux. Der 43-Jährige ist seit kurzem neu im Vorstand. Immer weniger Unternehmen brächten Anleihen auf den für alle zugänglichen Markt, sondern beschränkten den Handel auf eben solche institutionellen Anleger.
Inzwischen fünf Standorte
„Für den Privatmann entsteht so bei Anleihen inzwischen ein regelrechtes Klumpenrisiko, weil nur noch eher wenige Papiere zur Auswahl stehen“, erklärt Laux. Und Thomas Bartels nennt ein Beispiel: VW habe im Sommer eine Anleihe mit 7,785 Prozent Zinsen herausgebracht. Ein sehr hoher Satz für einen solchen Weltkonzern. „Als Privatperson kommen Sie da gar nicht ran, aber wir können die für Sie ins Depot nehmen.“
Die Depots vieler Kunden verwalten die Hildesheimer seit Jahrzehnten, mit einem stetig wachsenden Team. inzwischen gibt es Filialen in Hannover, Göttingen, Braunschweig und Nordhausen, die Zahl der Beschäftigten ist auf mehr als 30 gestiegen. Viele von ihnen sind als Aktionäre selbst am Unternehmen und damit auch an dessen Erfolg beteiligt. Und managen die Anlagen ihrer Kunden aktiv: „Wir nutzen da keine Software, die im Hintergrund die ganze Zeit kauft und verkauft“, betont Laux. „Sondern wir nutzen Software zur Unterstützung der Daten- und Marktanalyse.“
Fachblatt lobt Rentenfonds
Wobei die Aktivität auch gar nicht immer so groß sein muss. „Am besten für uns ist es, wenn wir ein Depot gar nicht groß anfassen müssen, in Einzelfällen machen wir auch mal ein Jahr lang nichts“, berichtet Thomas Bartels. „Wer zocken will, ist hier falsch“, drückt es René Laux plastisch aus. Da mit den Kunden Pauschalen vereinbart würden, lohne sich das auch – wer selbst mit Aktien handelt, zahlt oft pro Kauf oder Verkauf Gebühren, so dass viele Institute umso besser verdienen, je aktiver ihre Kunden handeln.
Dementsprechend verkaufe das Consulting-Team nicht bestimmte Produkte, sondern spreche mit dem Kunden über dessen Ziele und Anlagementalität – und entwickle daraus eine individuelle Depotstruktur. Darin können auch selbst aufgelegte Fonds auftauchen, die „Wirtschaftswoche“ hat einen Rentenfonds der Hildesheimer erst im Sommer mit „sehr gut“ bewertet. Auch an einem auf inzwischen rund 200 Millionen Euro großen Immobilienvermögen können Anleger sich beteiligen. Auch hier denken Thomas Bartels und seine Mitstreiter eher langfristig: „Natürlich steht der Immobilienmarkt gerade nicht gut da, aber das bietet auch Gelegenheiten. Langfristig werden Nachfrage und Werte wieder steigen, weil der Bedarf da sein wird“, ist er überzeugt.
Den DAX durchaus im Blick
Was nicht heißt, dass die Hildesheimer nicht auch mal kurzfristig reagieren. Die Jahresend-Rally im Deutschen Aktienindex (DAX) habe man im Oktober erwartet – und die Aktienquote in vielen Depots erhöht, berichtet René Laux. Es gehe aber immer um Annahmen, die sich etwa aus dem Studium vieler Marktanalysen ergeben. „Ich will gar nicht sagen, dass wir alles richtig gemacht haben – aber wir haben wenig falsch gemacht in den vergangenen, ja oft auch schwierigen Jahren“, sagt Stephan Theuer. Und René Laux stellt fest: „Wer sich hinstellt und die DAX-Entwicklung fürs nächste Jahr oder auch nur für die nächsten Monate möglichst präzise vorhersagt – Entschuldigung, das kann man nicht.“
Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung geben die Hildesheimer gleichwohl ab. Dass die Zinsen wieder sinken werden, ist so eine Annahme – die das Consulting-Team natürlich nicht exklusiv hat. Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland rechnet Thomas Bartels nicht mit einem Absturz, sondern eher mit einer sanften Abwärtskurve – und dann auch wieder einem sanften Aufstieg, aber keiner plötzlichen Erholung. „Grundsätzlich sehen wir gerade den Mittelstand, wo wir durch unsere Kunden einige Einblicke haben, nach wie vor sehr gut aufgestellt“, sagt er. Die politischen Rahmenbedingungen seien aber zum Beispiel mit Blick auf den Fachkräftemangel nicht optimal: „Es bräuchte einen größeren Abstand zwischen Bürgergeld und dem, was man in Vollzeit mindestens verdient“, findet Bartels.
Laux für die zweite Generation
Einen eventuellen Fachkräftemangel an der Spitze des eigenen Unternehmens haben Bartels und Theuer frühzeitig abgewendet. „Nach 25 Jahren war es an der Zeit, sich mit der langfristigen Zukunft des Unternehmens zu beschäftigen“, sagt Bartels. Was nicht heißt, dass das Gründer-Duo sich sofort zurückzieht. Eher über die nächsten Jahre, um einen möglichst fließenden Übergang hinzubekommen. an dessen Ende soll René Laux das Unternehmen führen – „für die nächsten 25 Jahre“, wie Stephan Theuer nur halb im Spaß sagt. Der 43-jährige Laux selbst nimmt das nach eigenem Bekunden jedenfalls sehr ernst: „Hier finde ich vor, was ich gesucht habe und was zu mir passt. dieses weitsichtige Vorgehen, das ist auch mein Ziel.“
Gut möglich also, dass sich in 25 Jahren ein etwas ergrauter René Laux in seinem Stuhl zurücklehnt und fragt: „Wenn Sie aufs Festgeld für ein Jahr 4,2 Prozent Zinsen bekommen können oder 4,1 Prozent auf zehn Jahre – was nehmen sie dann?“
Auch Kredite, Versicherungen und Stiftungen
Weitere Bestandteile des Geschäftsmodells bei Consulting-Team ist eine Kreditvermittlung. „Viele Online-Kreditvergleiche bieten nur einen Teil der Wahrheit, weil gute Angebote oft völlig überlaufen sind und man dann lange auf Entscheidungen wartet“, sagt Stephan Theuer. Das schließe sein Unternehmen aus. Außerdem gibt es ein Versicherungsmakler-Angebot. An Bedeutung deutlich gewonnen haben in den vergangenen Jahren die Gründung und Verwaltung von Stiftungen. „Immer mehr Kunden interessieren sich dafür, wie sie durch eine Stiftung über ihren Tod hinaus etwas bewirken können“, berichtet René Laux.
