Orangery-Erfindung

Digital im Restaurant registrieren: Hildesheimer verkaufen Startup nach Köln

Hildesheim/Köln - Viele Restaurants in der Region nutzen „Checkyn“ – jetzt haben die Gründer aus der Orangery das System verkauft. Bei dem Deal spielte auch Bosch in Hildesheim indirekt eine Rolle.

Mit dem System Checkyn landete das Startup-Zentrum Orangery in Hildesheim einen Treffer zu Beginn der Corona-Krise. Foto: HAZ-Archiv

Hildesheim/Köln - Sich im Restaurant oder anderswo als Besucher registrieren zu können, ohne dabei Zettel ausfüllen zu müssen – dafür erfand eine Gruppe von Hildesheimern das System „Checkyn“. Jetzt haben die Macher ihre Lösung an einen Wettbewerber aus Köln verkauft. Für Dominik Groenen, Chef des Gründerzentrums Orangery, der Beweis, dass Hildesheimer Startups und ihre Ideen nicht nur funktionieren, sondern auch für größere Investoren interessant und damit für die Entwickler lukrativ sind.

Käufer ist das Kölner Unternehmen Recover, das ein ganz ähnliches System entwickelt hat. Über den Preis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. „Es ist aber mehr, als wir erwartet haben“, sagt Groenen, der selbst auch Anteilseigner von Checkyn war.

Alle Daten verschlüsselt

Das System war im Frühjahr in der Orangery entstanden, zu den treibenden Kräften gehörte vor allem der frühere Bosch-SoftTec-Mitarbeiter Dietmar Meister. In Restaurants, deren Betreiber „Checkyn“ nutzen, können Kunden einfach einen QR-Code auf dem Tisch scannen und ihre Kontaktdaten sowie die aller Begleitpersonen eingeben, ebenso die Zeit des Aufenthalts.

Die Daten werden dann verschlüsselt, der Restaurant-Betreiber bekommt sie gar nicht zu Gesicht. Sie werden nur dann an das zuständige Gesundheitsamt geschickt, wenn sich in der fraglichen Zeit tatsächlich jemand in unmittelbarer Nähe aufgehalten hatte, der sich kurz nach mit dem Coronavirus infiziert hat.

Hackathon bei Bosch SoftTec

Mehrere Restaurants und Bistros, aber auch andere Firmen in und um Hildesheim, aber auch in anderen Bundesländern kauften gegen eine zweistellige Monatsgebühr Checkyn, um sich die ansonsten notwendige Zettelwirtschaft mit den Kontaktdaten ihrer Gäste zu ersparen.

Dass die Kölner Firma Recover und die Hildesheimer Gründer zusammenfanden, hat seinen Ursprung im Jahr 2015. Damals nahm Jan Kus, im Frühjahr Mitgründer von Recover, an einem sogenannten „Hackathon“, einer Art Ideenwettbewerb für Informatiker, bei Bosch SoftTec in Hildesheim teil, den Dietmar Meister maßgeblich organisiert hatte.

Investieren oder verkaufen?

Fünf Jahre später war Meister schon lange nicht mehr bei Bosch. Er pendelt zwischen Kalifornien und Hildesheim, führt im Silicon Valley ein Startup für Autonomes Fahren, ist aber auch noch in seiner alten Heimat aktiv. Und stellt fest: „Bei vielen deutschen Digital-Unternehmen wurde durch Corona der Geist des Silicon Valley geweckt.“ Die technologische Kompetenz der Entwickler sei in Deutschland häufig höher als in den USA. „Was hier oft fehlt, ist die Kompetenz bei der Vermarktung und bei der Förderung durch Investoren“, stellt Meister aber fest.

Das Interesse aus Köln kam ihm gelegen: „Wir sind mit Checkyn an einem Punkt angekommen, an dem wir uns entscheiden mussten, ob wir in die nächste Investitionsrunde gehen oder uns einem Partner anschließen, um unsere Corona-Lösung weiter wachsen zu lassen.“

Verbindung zur Warn-App?

Jan Kus hat mit „Checkyn“ und seinem eigenen System noch große Pläne: Er will mit den Entwicklern der Corona-Warn-App zusammenarbeiten und beide Systeme verknüpfen. Angesichts der aktuell hohen Infektionszahlen seien die Gesundheitsämter überfordert. Ziel müsse es sein, mithilfe digitaler Instrumente Infektionsketten „möglichst in Echtzeit und nicht mit zwei oder drei Tagen Verzögerung“ zu durchbrechen.

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