In Alfeld

Drei Jahre nach dem Aus: Unternehmerin will Kino im Kreis Hildesheim wieder zum Leben erwecken

Alfeld - Fast dreieinhalb Jahre ist es her, seit das letzte Mal ein Film über die Leinwand der Alfelder Kinowelt flimmerte – die Lichter schienen endgültig erloschen zu sein. Doch nun tut sich etwas.

Sonja Maria Lehmann hat das Alfelder Kino gekauft und möchte es wieder in Betrieb nehmen. Foto: Madlin Trümper

Alfeld - Beinahe dreieinhalb Jahre ist es her, seit das letzte Mal ein Film über die Leinwand der Alfelder Kinowelt flimmerte. Aufgrund der Einschränkungen durch die Coronapandemie musste das Kino im März 2020 den Betrieb einstellen – „vorläufig“ hieß es zunächst. Kurze Zeit später verkündete die Betreiberfirma Kinowelt Filmtheaterbetriebe, dass das Kino nicht wieder öffne. Es folgten Jahre der Ungewissheit. Nun hat Unternehmerin und FDP-Ratsfrau Sonja Maria Lehmann das Gebäude gekauft und will ihm neues Leben einhauchen.

Die Idee sei im Zuge der Arbeit an einem Konzept entstanden, das Alfeld attraktiver und lebendiger machen soll. Dabei habe es Workshops mit Einwohnern gegeben. „Da kam immer wieder das Thema Kino auf“, berichtet Lehmann. Zu diesem Zeitpunkt habe die Situation noch so ausgesehen, dass es einen Interessenten für das Kino gegeben habe, der die dazugehörigen Wohnungen vermieten wollte. Ein Verein hätte dann die Räumlichkeiten des Kinos pachten und betreiben können, so der Plan.

Vor zehn Monaten war ein Verkauf noch geplatzt

Doch so sollte es nicht kommen – kurz vor Weihnachten 2022 stand fest: Der Verkauf war geplatzt. Nach einer, wie Lehmann berichtet, kurzen Überlegungsphase entschied sie sich, das Kino selbst zu kaufen. „Ich weiß noch nicht, ob das eine der besten oder eine der dümmsten Entscheidungen meines Lebens war“, sagt sie. Und lacht.

Aber das Kino aufzugeben, sei für sie keine Option gewesen. Denn zeitnah wäre der nächste Schritt des früheren Betreibers gewesen, die Technik zu entfernen, was eine Rückkehr zum Kinobetrieb ziemlich unrealistisch gemacht hätte – ein Nachfolger hätte diese neu anschaffen müssen.

Doch wann können die Alfelder ihr Kino wieder von innen sehen? „Ich will nicht zu viel versprechen, aber vielleicht schaffen wir es mit der Neueröffnung bis nächsten Sommer“, sagt Lehmann.

Bis dahin sei allerdings noch viel zu tun. Die Technik sei zwar noch komplett einsatzfähig und auf dem aktuellen Stand, aber in den Kinosälen selber sowie beim Dach über dem großen Saal gebe es Sanierungsbedarf. Auch bei den Sanitäranlagen müsse etwas passieren.

„Wir müssen mittelfristig überall die Bestuhlung austauschen“, berichtet Lehmann. Vor allem die Sessel der ersten Reihen im großen Kinosaal hätten über die Jahre stark gelitten, in einem der kleinen Säle seien sie sogar bereits komplett entfernt. Die Wandbehänge und Bodenbeläge der Säle seien ebenfalls ramponiert.

Doch Lehmann lässt sich von dem Investitionsstau nicht abschrecken. Die Sanierungsarbeiten sollen nun Stück für Stück erfolgen: „Wir werden in mehreren Phasen arbeiten müssen.“ Doch dafür müsse zunächst eine wichtige Frage geklärt werden: Wie soll das Kino zukünftig betrieben werden?

Betreiberfrage ist noch offen

Dafür gebe es mehrere Möglichkeiten: durch einen Verein, einen Pächter oder im Eigenbetrieb. Gegen den Betrieb durch einen Verein sprechen laut Lehmann vor allem zwei Gründe: Zum einen sei es schwierig, für ein Kino mit drei Sälen genügend Ehrenamtliche zu finden, außerdem sei die Option auf Fördermittel für den Kinobetrieb durch einen Verein begrenzt.

Generell sei es schwierig, für Kinos Zuschüsse zu kommen, berichtet Lehmann. Für gewerblich betriebene Kinos gebe es solche zwar, die Beantragung erfordere jedoch eine Inbetriebnahme. „Wir müssen das Kino erst eröffnen, bevor wir Fördermittel beantragen können“, erklärt die neue Hausherrin.

Sie will nun zunächst alle Möglichkeiten prüfen. Denkbar sei es, zunächst die beiden kleineren Säle herzurichten und in Betrieb zu nehmen. Für den großen Kinosaal könne sich Lehmann auch vorstellen, die ersten zwei bis drei Sitzreihen zu entfernen und die Bühne zu vergrößern, um dort mit Lesungen und Musikveranstaltungen das Angebot zu erweitern.

Sanierung wird sichüber Jahre ziehen

Und dann gibt es ja auch noch die Wohnungen über den Räumlichkeiten des Kinos. Einst lebten dort der Theaterleiter und die Betreiberfamilie. Der vorherige Besitzer habe mit dem Umbau begonnen, die Arbeiten aber nicht fertiggestellt. Auch so sei auch dort noch einiges zu tun, bis wieder jemand einziehen könne.

Die Sanierung des Gebäudes werde sich mehrere Jahre hinziehen, kündigt Lehmann an. „Wichtig ist aber, dass die Alfelder sehen: Das Kino wird wieder aufgemacht.“ Als einer der ersten Schritte stehe das Entfernen der Kinowelt-Schilder im Eingangsbereich an: Der Name des Kinos sei markenrechtlich geschützt, er müsse also weg. Lehmann kann sich gut vorstellen, die Einwohner in Form über einen Wettbewerb in die Suche nach einem neuen Namen einzubeziehen.

Von Madlin Trümper

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