Kreis Hildesheim

„Drei Monate voller Schmerzen“: Stute Arnika kämpft sich in Sarstedter Tierklinik ins Leben zurück

Sarstedt - Es beginnt mit einem unguten Gefühl auf der Autobahn, dann wird es laut im Anhänger: Nadine Elflein weiß sofort, dass mit ihrem Pferd Arnika etwas nicht stimmt. Und sie hatte Recht – seit Monaten kämpft sich ihre Stute nun in Sarstedt zurück ins Leben.

Seit drei Monaten kämpft sich Stute Arnika in der Sarstedter Pferdeklinik zurück ins Leben. Foto: privat

Sarstedt - Arnika ist es gewohnt, im Anhänger mitzufahren: die 18 Jahre alte Stute von Nadine Elflein aus Escherode, Kreis Göttingen, hat damit normalerweise keine Probleme. Bis eines Tages Ende April alles anders kommen sollte – und Arnika sich nun in Sarstedt zurück ins Leben kämpft.

Elflein hat in einem Gemeinschaftsstall in Staufenberg mehrere Pferde, insgesamt vier. Arnika ist aber etwas ganz Besonderes für die 43-Jährige, die Tiere als ihren Ausgleich zum Alltag als Informatikerin empfindet. Kein Wunder: Immerhin bewahrte Elflein die Stute vor einem schlimmen Schicksal, ihr voriger Besitzer kam nicht mit dem Tier zurecht, wollte sie schließlich sogar zum Schlachter bringen. Elflein bekam Wind davon und nahm sich der Stute vor sechs Jahren an. „Sie ist mein Seelenpferd, mein Halt, mein Herz“, sagt Elflein. „Ich kann mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen – und ich möchte es auch nicht.“ Wenn es ihr schlecht gehe, merke ihr Pferd das – und andersrum genauso. Und so wusste Elflein an dem verhängnisvollen Tag Ende April auch sofort, dass etwas nicht stimmte.

„Was ich sah, werde ich nie vergessen“

Mit drei Freundinnen ist Elflein mitsamt Anhänger und Stute auf dem Weg nach Celle unterwegs, um Arnika decken zu lassen. An diesem Tag sei die Autobahn sehr voll gewesen, sagt Elflein, besonders in den Baustellenbereichen sei es eng geworden, andere Autos fahren dicht auf. Dann wird es laut im Anhänger, das Fahrzeug wackelt. Elflein fährt sofort von der Autobahn im Kreis Hildesheim ab, hält an und rennt zu ihrer Stute. „Was ich sah, werde ich nie vergessen“, sagt sie. Arnika liegt eingeklemmt, blutüberströmt und mit einer offenen Fleischwunde am Oberschenkel in dem Anhänger; auf etwa 10 Zentimetern ist der Knochen des Pferdes sichtbar. Aufgefahren ist aber niemand auf den Anhänger – vermutlich hat das Tier Panik bekommen. „Es war alles voller Blut“, sagt Elflein. Eine fremde Autofahrerin wird auf die vier Frauen und das verletzte Pferd aufmerksam, hält an, sagt ihnen: Nur 20 Kilometer entfernt ist eine Pferdeklinik in Sarstedt.

Elflein zögert nicht und ruft bei der Klinik an – Mitarbeiter holen das Tier schließlich mit einem eigenen Anhänger ab, weil Elfleins nach dem Vorfall zerstört ist. Arnika kommt in die Klinik in der Wenderter Straße, wird noch nachts operiert – und überlebt. Bis heute ist Arnika in der Klinik in Behandlung. „Drei Monate voller Schmerzen, täglicher Verbandswechsel, kleiner Operationen und unendlich viel Geduld“, wie Elflein es zusammenfasst. Nun ist ein Happy-End in Sicht: Wenn alles glatt läuft, kann ihre Stute Ende Juli zurück nach Hause. „Die Klinik hat Großartiges geleistet.“

Unklar, was auf der Autobahn passierte

Was vor drei Monaten da auf der Autobahn genau passiert ist, das weiß Elflein nicht, wird es wohl nie erfahren. Nun fiebert sie der Rückkehr ihres Tieres nach Hause entgegen – und sorgt sich um die anfallenden Kosten. „Wir rechnen mit Kosten zwischen 10.000 bis 15.000 Euro“, sagt sie; die Versicherung übernimmt dabei wohl nur einen kleinen Teil. Auf der Plattform Gofundme hat sie deshalb eine Kampagne gestartet („Arnika go Home“), und hofft, dass sie dadurch zumindest einen Teil des Geldes zusammenbekommt. „Ich versuche alles, damit Arnika wieder gesund wird“, sagt Elflein. „Auch zu Hause wird sie weiterhin intensive Pflege brauchen.“ Ihren Spendenaufruf verbindet sie mit einem Appell für mehr Sicherheit im Straßenverkehr – denn Pferde seien im Hänger völlig ausgeliefert. „Sie vertrauen uns, und wir müssen sie schützen.“

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