Polizeibericht

Dreister Betrug: Falscher Richter lässt sich vor Elzer Amtsgericht Schmuck übergeben

Elze - Ihre Tochter habe eine junge Frau totgefahren, behauptete ein Unbekannter, der sich als Polizist ausgab, am Telefon gegenüber einem Ehepaar im Raum Elze. Nur eine Kaution könne sie vor der Inhaftierung bewahren. Es kam tatsächlich zu einer Übergabe – und zwar so.

Der Tatort: die Straße vor dem Elzer Amtsgericht. Foto: HAZ-Archiv

Elze - Ein Ehepaar ist Opfer eines Betruges geworden, die Tat spielte sich in Elze ab. Wie die Polizei berichtet, erhielt das Paar am vergangenen Freitag gegen 15.30 Uhr einen Anruf von einem Unbekannten. Der gab sich als Polizist aus und behauptete, die Tochter der Eheleute habe einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem eine junge Frau tödlich verletzt worden sei. Der vermeintliche Polizeibeamte verband die Angerufenen, die tatsächlich eine Tochter haben, im weiteren Verlauf des Gespräches mit einem angeblichen Staatsanwalt. Dieser erklärte, die Eltern könnten eine Inhaftierung ihrer Tochter verhindern, indem sie eine Kaution in fünfstelliger Höhe zahlten.

So viel Geld hatte das Ehepaar nicht im Haus – doch die Anrufer verboten ihnen, Kontakt zu ihrer Bank oder zu irgendjemand sonst aufzunehmen. Die beiden sollten stattdessen zu Hause Wertsachen zusammensuchen und diese vor dem Elzer Amtsgericht einem Richter übergeben.

Das Paar packte daher Münzen und Schmuck in eine Tasche. Eine Übergabe an einen Richter vor dem Gericht – das klang zunächst plausibel und unverdächtig. Außerdem wurde den beiden am Telefon auch ein Aktenzeichen genannt, das ließ die Sache ebenfalls offiziell erscheinen.

Konspiratives Treffen auf der Straße vor dem Gericht

Drei Stunden nach dem Anruf war das Ehepaar samt Wertsachen am vereinbarten Übergabeort, dem Elzer Amtsgericht in der Bahnhofstraße. Dort parkten sie direkt vor dem Gebäude. Dann trat ein Unbekannter von der Beifahrerseite an das Auto heran, nannte das angebliche Aktenzeichen und nahm die Tasche mit den Wertsachen entgegen. Dann ging er weg, nachdem er angekündigt hatte, gleich wiederzukommen – das tat er aber nicht. Nun schöpfte das Ehepaar Verdacht, rief die Tochter an und stellte fest, dass das Ganze ein Betrug war. Die Tochter hatte keinen Unfall und niemanden verletzt. So zeigten die Betrogenen den Fall bei der Polizei an. Den vermeintlichen Richter beschrieben sie so: Er soll zwischen 1,70 und 1,75 Meter groß sein und dunkle Haare haben. Bei der Übergabe trug er einen dunklen Hoody und die Kapuze über dem Kopf, außerdem eine dunkle Hose. Er sprach laut Aussage der Opfer akzentfreies Deutsch ohne Auffälligkeiten.

Die Ermittlungen hat das 3. Fachkommissariat der Hildesheimer Polizeiinspektion übernommen. Die Ermittler fragen: Wer hat am Freitagabend die Übergabe oder etwas anderes Verdächtiges im Bereich des Amtsgerichtes beobachtet? Wer kann Angaben zu dem Täter machen, der mit einer Tasche in den Farben Blau und Orange flüchtete? Zeuginnen oder Zeugen werden gebeten, sich unter 0 51 21 / 939-115 zu melden.

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