Hochwasser-Situation

Pegelstände im Kreis Hildesheim sinken – aber neue Prognose: Überschwemmungen an Heiligabend

Kreis Hildesheim - Innerste und Leine haben in der Nacht zum Freitag ihre vorläufigen Höchststände erreicht, und ein weiterer Faktor macht Hoffnung für den Kreis Hildesheim. Doch aktuellen Prognosen zufolge verschärft sich die Lage über Weihnachten wieder – auch, weil der Deutsche Wetterdienst Dauerregen anklündigt.

Die Innerste nahe der Hildesheimer Dammstraße: Der Wasserstand dürfte bald wieder steigen. Foto: Julia Moras

Kreis Hildesheim - Die Wasserstände von Innerste und Leine im Landkreis Hildesheim haben in der Nacht zum Freitag zumindest vorläufig ihre Höhepunkte erreicht und gingen im Lauf des Tages kontinuierlich zurück. Zudem hat die Innerste-Talsperre im Vergleich zu anderen Stauseen im Harz noch relativ viel Kapazität, um Wasser aufzunehmen. Allerdings gibt es inzwischen neue Prognosen: Danach fallen die Pegelstände noch etwas, steigen dann aber wieder deutlich an. An Heiligabend drohen an Innerste und Leine neue Jahres-Höchststände und Überschwemmungen.

Platz im Stausee

Der Pegelstand der Innerste bei Heinde erreichte gegen 3.15 Uhr mit 4,80 Metern seinen vorläufigen Höchststand in der aktuellen Hochwasser-Situation. Um 21 Uhr waren es noch 4,23 Meter. Damit lag die Innerste dort bereits wieder unter der Meldestufe 2, die bei 4,30 Metern liegt, und weit unter der Meldestufe 3 (5,30 Meter), ab der mit größeren Überschwemmungen zu rechnen ist.

Ein Faktor dabei ist die Innerste-Talsperre. Die war am Abend nur zu 74,9 Prozent gefüllt – andere Stauseen im Harz sind mit über 90 Prozent weit stärker ausgelastet. Zwar geben die Harzwasserwerke dort aktuell zehn Kubikmeter Wasser pro Sekunde ab, eine erhebliche Menge – doch gleichzeitig nimmt die Talsperre knapp 14 Kubikmeter pro Sekunde auf, kann also Wasser zurückhalten. Am Vormittag war die Differenz sogar noch größer.

Wetterdienst warnt vor Dauerregen in Hildesheim

Der Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sagt noch einen weiteren leichten Rückgang voraus. Ab Samstag allerdings rechnet der NLWKN auf Basis aktueller Wettervorhersagen wieder mit einem deutlichen Anstieg und sagt voraus, dass die Meldestufe 3 überschritten wird. Dies bedeutet örtlich größere Überschwemmungen.

Inzwischen hat auch der Deutsche Wetterdienst eine amtliche Warnung vor Dauerregen für Hildesheim ausgesprochen. Von Samstagfrüh um 2 Uhr bis Heiligabend um 8 Uhr morgens soll es weitgehend kontinuierlich regnen.

Bald Meldestufe 3

Ein Problem kann zudem werden, dass die Innerste-Talsperre relativ klein ist und sich bei schweren Niederschlägen in ihrem Einzugsgebiet auch schnell füllen kann. Auch im Harz werden weitere Niederschläge erwartet, wenn auch nicht ganz so durchgehend wie in Hildesheim.

Am Pegel Poppenburg bei Burgstemmen erreichte die Leine um 3 Uhr ihren Höchststand mit 3,36 Metern. Die Meldestufe 3 mit 3,50 Metern ist dort deutlich weniger weit entfernt als an der Innerste bei Heinde. Bis zum Abend sank der Wasserspiegel der Leine im Westkreis allerdings um 18 Zentimeter. Aber auch für die Leine sagt der NLWKN nun voraus, dass an Heiligabend die Meldestufe 3 überschritten wird.

Böden gesättigt

Dass der Wasserspiegel zunächst leicht sinkt, liegt vor allem daran, dass der NLWKN begonnen hat, Wasser im Polder Salzderhelden bei Einbeck zurückzuhalten. Das riesige, meist ungenutzte Rückhaltebecken war am Freitag gegen 15 Uhr zu 15 Prozent gefüllt. Der Einstau hatte am Donnerstagvormittag begonnen.

Ein weiterer Grund für die Gefahr von Überschwemmungen: „Die Böden sind aufgrund der Niederschläge der vorgegangenen Wochen stark gesättigt, sodass der Niederschlag unmittelbar zu einer Verschärfung der Hochwassersituation führt“, erklärt Marlena Heunecke, Leiterin der Hochwasservorhersagezentrale des NLWKN.

Update:Innerste droht Anstieg um zwei Meter, Feuerwehren bereiten Sandsäcke vor

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