Eine Analyse

Düren-Spiele als Spiegelbild der Grizzlys-Saison: „Es war mehr drin“

Hildesheim/Giesen - Nach zwei dritten Plätzen ist in dieser Saison für die Giesener Erstliga-Volleyballer bereits im Viertelfinale Schluss – dafür gibt es Gründe.

Grizzlys-Geschäftsführer Sascha Kucera ist nicht vollkommen unzufrieden mit der Saison 2025/26, sagt aber auch: "Es war mehr drin." Foto: Werner Kaiser

Hildesheim/Giesen - Endstation Viertelfinale hieß es am Samstagabend für die Erstliga-Volleyballer der Helios Grizzlys Giesen. Das 2:3 bedeutete die zweite Niederlage in der Play-off-Serie gegen die Powervolleys Düren. Anders als noch im Vorjahr schafften die Grizzlys dieses Mal nicht das sogenannte Upset (Anm. d. Red., als Fünftplatzierter den Viertplatzierten auszuschalten). Damit bleibt von der Saison 2025/26 Platz fünf, nachdem es in den beiden Vorjahren jeweils die Bronzemedaille gab. „Das Spiel gegen Düren war ein Spiegelbild der Saison, es war mehr drin“, sagte Grizzlys-Geschäftsführer Sascha Kucera anschließend.

Es gibt durchaus Gründe, warum die Grizzlys in dieser Spielzeit erstmals seit 2022/23 kein einziges Halbfinale erreichten. Da wäre zum einen eine erneut unglückliche Kaderzusammenstellung. Zum zweiten Mal in Folge klappten wichtige Transfers nicht. Der polnische Diagonalmann Mateusz Borkowski fand nie wirklich den Anschluss, verließ den Klub bereits mitten in der Saison, ebenso wie der spanische Außenangreifer Juan Gonzalez. Ein Hoffnungsträger wie Zuspieler Ilja Ivanov spielte zu inkonstant, Libero JT Hatch konnte die Erwartungen nicht erfüllen, und Mark Rura wurde einmal mehr auf den Positionen umhergereicht. Die Abgänge von Leistungsträgern wie Michiel Ahyi, Noah Baxpöhler, Jori Mantha oder Hauke Wagner konnten nicht eins zu eins kompensiert werden.

„Im Pokal war sicher nicht mehr drin“

Schon in der Saison 2024/25 hatten die Giesener Verantwortlichen bei den Transfers des Diagonalangreifers Radoslav Parapunov und des Außenangreifers Samuel Cooper danebengegriffen. Weil in der Rückserie mit Michiel Ahyi und Arash Dosanjh zwei Leistungsträger verpflichtet wurden, gab es einen zwischenzeitlichen Aufschwung und am Saisonende immerhin Bronze. Die Transfers in der aktuellen Spielzeit von Cody Kessel und Mark Olsen reichten nicht mehr, um das große Ganze in Richtung Halbfinals zu lenken.

Dazu kam: Im Pokal ging es schon früh gegen die SVG Lüneburg, das aktuelle Top-Team der Liga und den späteren Pokalsieger. „Im Pokal war sicher nicht mehr drin, weil wir mit Lüneburg einen harten Gegner hatten“, erklärte Kucera. 0:3 hieß es damals, ebenso wie in beiden Liga-Duellen. „Ich glaube, die SVG wird auch Meister“, so Kucera weiter. Der niedersächsische Rivale hat einen großen Schritt nach vorn gemacht und sich damit auch von den Grizzlys abgesetzt.

Der bevorstehende Abschied von Trainer Itamar Stein

Neben den Transferthemen und schwankenden Leistungen gab es noch ein weiteres großes Ding, das zum letztlichen Abschneiden der Giesener seinen Teil beigetragen hat: die Nachricht von Itamar Steins Abschied zum Saisonende. Anfang Dezember verkündeten die Grizzlys, dass der langjährige Trainer sein Amt am Saisonende niederlegen würde. Geschäftsführer Sascha Kucera gab damals gegenüber dieser Zeitung zu, er sei von Steins Entscheidung überrascht gewesen. „Dass auch Itamar dann noch seinen Abschied verkündet, hatten wir nicht eingeplant“, gab der Grizzlys-Boss am Samstagabend zu. „Wir wussten, dass es mit den Abgängen der Führungsspieler zu einem Umbruchjahr kommen könnte. Einige Transfers und gedachte Positionswechsel sind nicht so aufgegangen.“ Trotzdem wollte der Geschäftsführer nicht alles schlechtreden. „Ich bin nicht vollkommen unzufrieden“, sagte Kucera. Der Zuschauerschnitt sei wieder gestiegen, von den Sponsoren habe er positive Rückmeldungen bekommen. Dennoch: „Insgesamt war mehr drin.“

Auch wenn es am Samstagabend wahrscheinlich noch nicht tröstete, die Aussichten stehen allerdings nicht schlecht. Der zukünftige Cheftrainer Markus Steuerwald konnte schnell gefunden werden und zeigte sich im Interview mit dieser Zeitung voller Vorfreude auf seine Aufgabe und die Grizzlys – dazu sind die Giesener mit ihrer Kaderplanung bereits weit fortgeschritten. Die Vertragsverlängerungen von Mittelblocker Jakob Günthör, den Außenangreifern Lars Migge, Cody Kessel und JT Hatch sowie Zuspieler Jan Röling und Diagonalangreifer Inaki Ramos sind klar. Mit Nationalmannschafts-Libero Julian Zenger und Mittelblocker Jannis Wehry stehen die ersten Neuzugänge fest. Nach Informationen dieser Zeitung sollen neben Zenger und Wehry auch Diagonalmann Kyle Hobus (VfB Friedrichshafen) und Carl Möller (Netzhoppers) zu den Grizzlys wechseln – heißt im Umkehrschluss: Der große Teil des Kaders 2026/27 steht bereits. Dann unternehmen die Grizzlys einen neuen Anlauf. Kucera dazu: „Ich gehe davon aus, dass wir nächstes Jahr eine richtig gute Mannschaft haben werden.“

„Unter dem Strich nicht weit weg von Platz vier“

Und so endete am Samstag eine „schwierige Spielzeit“ für die Grizzlys, wie es Kucera nannte. „Wir hatten Höhen und Tiefen, waren unter dem Strich aber nicht weit weg von Platz vier, unserem Ziel“, so Kucera.

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