Kolumne Zweitstimme

Dürftige Listenplätze: Haben Hildesheimer Bundestagskandidaten in ihren Parteien keine Lobby?

Hildesheim - So gut wie kein Bundestagskandidat im Wahlkreis Hildesheim hat einen aussichtsreichen Listenplatz – warum ist das so, fragt sich HAZ-Redakteur Rainer Breda in seiner Kolumne Zweitstimme.

HAZ-Redakteur Rainer Breda befasst sich in seiner Kolumne Zweitstimme mit dem politischen Geschehen in Stadt und Landkreis Hildesheim. Foto: HAZ-Archiv

Hildesheim - Die Zeiten, in denen ein Bundestagsabgeordneter aus Hildesheim als Staatsminister im Kanzleramt die Fäden zog, sind lange vorbei: Inzwischen ist es elf Jahre her, dass der Christdemokrat Eckart von Klaeden als Lobbyist zur Daimler AG wechselte. „Ecki“, wie ihn Parteifreunde nannten, hat es zwar nie vermocht, der SPD das Direktmandat im Wahlkreis Hildesheim abzujagen. Doch seine Partei brachte ihn stets so weit oben auf der Landesliste unter, dass es dennoch über 19 Jahre für einen Platz im Parlament reichte.

Davon kann der aktuelle CDU-Bewerber Justus Lüder nur träumen. Doch auch die Listenplätze von SPD-Politikerin Daniela Rump und fast aller anderen Hildesheimer Wahlkreiskandidaten sind eher dürftig. Und so unterschiedlich die Gründe dafür auch sein mögen, drängt sich eine Interpretationsmöglichkeit auf, die für das gesamte hiesige Personalangebot zur Bundestagswahl gelten könnte: Die Hildesheimer Bewerber scheinen in ihren Parteien keine besonders große Lobby zu haben. Denn sonst wären sie wohl weiter oben auf den Listen gelandet.

Wie gehen die Grünen nur mit Ottmar von Holtz um?

Besonders seltsam mutet der Fall des Grünen-Vertreters Ottmar von Holtz an: Wie man einen solch parlamentserfahrenen Mann so weit nach hinten durchreichen kann, bleibt das Geheimnis seiner Partei. Dass ausgerechnet AfD-Frau Angela Rudzka die besten Aussichten auf ein Listenmandat hat, ist fast bizarr: Sie ist politisch in der Region nicht in Erscheinung getreten, ihr Einfluss in Berlin wird sich im Falle ihres Einzugs in den Bundestag sehr in Grenzen halten.


Anmerkung: In der ursprünglichen Fassung des Artikels hatte die AfD-Kandidatin einen falschen Vornamen (Agnes statt Angela), der Autor bedauert den Fehler und bittet um Entschuldigung.

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