Heinde - Es war nur ein Test. Nur mal ausprobieren wollte Markus Behme das Bierbrauen, damals vor knapp 30 Jahren. Aus dem Versuch ist ein ausgewachsenes Hobby geworden, an dem längst nicht mehr nur Behme sein Vergnügen hat. Inzwischen zusammen mit Schwiegersohn Marius Mende, Jonathan Klages und Jan Reichert braut Behme das Heinder Natürtrüb, ein Bier, das über die Dorfgrenzen hinaus seine Fans gefunden hat. In Heinde gibt es nun auch wieder eine Anlaufstelle für die Liebhaber: Der Offene Braukeller, der rund ein Jahr lang wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war, hat ab sofort zweimal im Monat geöffnet.
Mit einem Fass ging es mal los
In Keller und in der Garage hat Behme mit Freunden vor Jahren ganz klein angefangen. „Ab und zu mal ein 20-Liter-Fass für den Eigenbedarf“, erinnert er sich. Doch dabei blieb es nicht. Mit der Expertise des befreundeten Brauers und nach einigen Fortbildungen trauten sich die Männer daran, eigene Rezepturen auszuprobieren. „Das Interesse von Freunden und Bekannten daran wurde auch stets größer“, erzählt Behme. Aus der Brauertruppe wurde dann ganz offiziell das Heinder Naturtrüb, für das Behme, Mende, Klages und Reichert verantwortlich sind. Doch das im Keller Selbstgebraute durfte dennoch nicht mal eben verkauft und selbst in Flaschen abgefüllt werden. „Als wir uns entschieden haben, unser Bier verkaufen zu wollen, haben wir uns eine Brauerei gesucht, mit der wir seitdem zusammen arbeiten“, so Behme. Die Roben’s Brauerei in Eldgasen braut seitdem die Heinder Spezialitäten, füllt sie in Fässer und Flaschen ab. Pils, Märzen, Kellerbier gehören zum Standardprogramm. Allesamt nach eigenen Rezepturen und mit ausgesuchten Zutaten. „Wir wollen uns vom Industriebier deutlich absetzen. Unsere Biere sind grundsätzlich naturtrüb, also unfiltriert abgefüllt. Somit bleiben neben den sichtbaren, gesunden Trübstoffen auch jede Menge Vitamine und Spurenelemente im Bier erhalten“, erklärt Behme, der hauptberuflich als Ingenieur arbeitet.
Das Heinder Naturtrüb ist weiter ein Hobby des Quartetts. Und so soll es auch bleiben. „Wir haben vertraglich geregelt, dass wir uns selbst kein Geld auszahlen, sondern alles wieder reinvestieren“, so Behme. So konnten sich die Vier auch ihren Traum vom Offenen Braukeller erfüllen, einem Treffpunkt füs Dorf, für die Liebhaber ihrer Biere, für Freunde und Gäste. Sie haben ein Gebäude am Heinder Gutsgelände gemietet. Um den behördlichen Anforderungen für einen gastronomischen Betrieb zu erfüllen, haben die Männer mit vielen Helfern in den vergangenen Monaten dort ordentlich geschuftet. Inzwischen sind die meisten Arbeiten abgeschlossen, liegen alle Genehmigungen vor. Jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat hat der Braukeller ab 18 Uhr geöffnet. Dann gibt es die Heinder Biere – und dank Behmes Schwiegersohn auch einige Gerichte auf der Karte. Mende ist Koch und sorgt an den Abenden für Currywurst, Ei-Burger und andere Leckereien.
Biergarten nach bayrischer Art
Im Sommer soll zudem der Biergarten öffnen. Ganz nach bayrischem Vorbild dürfen die Gäste dann auch mit gepacktem Picknick-Korb anreisen, „aber die Getränke, die müssen bei uns gekauft werden“, sagt Behme.
Im gemütlichen Braukeller stehen neben Bänken und Tischen bereits große Edelstahlbehälter bereit, die auf das nächste Vorhaben der Biertruppe hinweisen. Die will nämlich in Kürze auch direkt im Braukeller brauen. „Die Genehmigungen haben wir bereits, es müssen nur noch einige Auflagen umgesetzt werden“, erklärt Behme. Zum Beispiel muss eine Waschküche eingerichtet werden. Ist alles erledigt, kann es losgehen. Zumindest die Spezialbiere, wie das Emmer Weizen, das es wieder für die Biergartensaison geben soll, werden dann unmittelbar vor Ort hergestellt. „Emmer ist das Urgetreide“, erklärt der Hobby-Brauer. Das Standardprogramm mit Pils, Märzen und Kellerbier werde aber sicherlich weiterhin in Eldagsen produziert. Das übersteige die Möglichkeiten der Hobby-Brauer. Denn deren Erzeugnisse sind schließlich das ganze Jahr über in mehreren Supermärkten zu kaufen (Edeka Woelke in Groß Düngen, Rewe Övüc in Wehrstedt und am Phönix-Gelände in Hildesheim) sowie im Lädchen von Anja Katz in Heinde. Wer’s lieber frisch gezapft mag, bekommt es zudem nicht nur im Offenen Braukeller sondern auch im Schärling und im Miara in Hildesheim sowie bei Ohms in Heinde. Und auf einigen Festen in der Region. Beim Lafferder Markt, der Mittsommernacht der Uni und bei Hopfen und Happen in Hildesheim rücken die Heinder mit ihrem Bierwagen an. „Wir haben da einfach großen Spaß dran“, schwärmt Behme.
Heinder Braugeschichte
Mit dem Heinder Natrüb wollen er, Mende, Klages und Reichert aber auch an eine alte Tradition im Dorf anknüpfen. „Hier gab es nämlich früher eine eigene Brauerei, unweit unseres Braukellers auf dem Gutsgelände“, erzählt Behme. Es sei davon auszugehen, dass neben den herrschaftlichen auch die einfachen Dorfbewohner von dort ihr Bier beziehen konnten. Bei Erdarbeiten auf dem Hof und in der näheren Umgebung wurden einst ausgehöhlte Baumstämme gefunden, die wohl als Holzröhren für die Wasserversorgung der Brauerei genutzt wurden. Das Heinder Brauereigebäude ist bei einem Brand 1928 vollständig zerstört und nie wieder aufgebaut worden. Noch heute klafft an dieser Stelle eine Lücke im Gebäudeensemble des Gutshofes. Es ist bekannt, dass der Betrieb der Brauerei aber schon sehr viel früher aufgegeben wurde. Vermutlich wurde seit über 100 Jahren kein Bier mehr in Heinde gebraut. Aber das soll sich ja nun bald ändern. Das handwerkliche Brauen soll in Heinde wieder zur Tradition werden, kündigen Behme, Mende, Klages und Reichert auf ihrer Webseite an.



