Recycling

E-Bike-Akku alt oder defekt – und jetzt? So entsorgen Hildesheimer Radfahrer ihn richtig

Kreis Hildesheim - Tausende Menschen sind in der Region Hildesheim mit Pedelecs unterwegs. Die motorgestützten Räder stehen weiter hoch im Trend. Aber was ist eigentlich, wenn der Akku seinen Geist aufgibt? Wie wird der entsorgt? Lässt er sich recyclen? Das sollten E-Bike-Besitzer wissen.

Tut sich da ein großes Entsorgungsproblem auf? Wohin mit ausrangierten Akkus von E-Bikes? Das sollten E-Bike-Besitzer im Kreis Hildesheim wissen. Foto: Julia Moras

Kreis Hildesheim - Der Trend hält unvermindert an: Immer mehr Menschen steigen aufs Pedelec um. Laut Statistischem Bundesamt fahren auf Deutschlands Straßen inzwischen mehr als sieben Millionen E-Bikes. Schon 2021 hatten mehr als 63 Prozent der Haushalte mindestens ein Elektrobike, und seitdem dürften noch einige hinzu gekommen sein. Auch im Landkreis Hildesheim sind tausende Menschen mit den Rädern unterwegs. Weil der Trend recht neu ist, sind es auch die Räder. Doch was ist, wenn die in die Jahre kommen, ihre Technik versagt? Wie lässt sich ein E-Bike-Akku entsorgen?

Unterstützung für bis zu 50.000 Kilometer

In der Regel hat ein hochwertiger E-Bike-Akku eine Lebensdauer von bis zu 1000 Ladezyklen, meldet der „Pressedienst Fahrrad“. Rund 40.000 bis 50.000 Kilometer könne er seinem Besitzer das Radfahren erleichtern und sei auch danach meist nicht defekt, bringe nur nicht mehr die volle Leistung. Wie bei Handy oder Laptop alterten auch die Zellen des E-Bike-Akkus. Dann müsse er häufiger geladen werden, könne nur noch einen Teil der Ladung halten. In den meisten Fällen lässt sich ein Akku am Rad tauschen. Doch das ausrangierte Gerät zu entsorgen, gestaltet sich da schon schwieriger.

Verboten ist es, Lithium-Ionen-Akkus im Hausmüll zu entsorgen. Das gilt nicht nur für alte E-Bike-Akkus, sondern grundsätzlich für alle Akkus. Sie müssen immer gesondert abgegeben werden. Allerdings: Industriebatterien (ab 500 Gramm), sind generell von der Annahme an den Wertstoffhöfen in Lamspringe, Hildesheim, Elze, Alfeld und Sarstedt ausgeschlossen, so der Zweckverband Abfallwirtschaft Hildesheim (ZAH). Einzig die Zentraldeponie Heinde nimmt die gegen Gebühr an. Ausnahme sind die E-Bike-Akkus, die nimmt der ZAH gar nicht an. Stefan Grampe, stellvertretender Verbandschef verweist darauf, dass das auch nicht vorgesehen ist. Denn das Rücknahmesystem der Bike-Akkus ist privatwirtschaftlich organisiert, auf ein paralleles Angebot verzichte der ZAH. „Die Kosten der Annahme für Personal, Lager und Sachkosten müssten sonst über die Abfallgebühren finanziert werden“, so Grampe.

Es gilt das Batteriegesetz

Geregelt ist die Rücknahme der Akkus im Batteriegesetz. So müssen alle Pedelec-Händler E-Bike-Akkus zurücknehmen, auch Baumärkte und Supermärkte, die E-Bikes verkaufen. Das kann Christian Fricke vom Hildesheimer Fahrrad-Fachhandel Dynamo nur bestätigen. „Es werden bislang aber nur vereinzelt Akkus abgegeben“, sagt er. Die nehme er grundsätzlich an – auch wenn das entsprechende Rad nicht bei Dynamo verkauft wurde. „Ich sehe uns Händler da in der Pflicht“, sagt Fricke. Denn die Entsorgung der Akkus sei bereits bezahlt. Die Hersteller zahlten dafür in die Stiftung GRS (Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien) ein, GRS wiederum sorge für die Abholung der Akkus und die Weiterleitung ins Recyclingsystem. Räder Emmel ist ebenfalls bei GRS registriert, hat aber noch einen Plan B: „Für die Marken Akkus interessieren sich auch Wiederverwerter“, so Magnus Fischer, Assistent der Geschäftsleitung bei Emmel.

Bei allen Händlern werden die Akkus in speziellen Tonnen bis zur Abholung sicher gelagert. Ganz unbedenklich sei die Annahme aber dennoch nicht, erklärt Mathias Michalik, Werkstattleiter von Fahrrad Ritzel. Ein alter Akku sei immer ein Risiko. „Ich weiß ja nicht, was wir uns da für eine Bombe hinlegen“, sagt er. Deshalb hätten inzwischen auch die Berufsgenossenschaften das Thema im Blick, sagt Magnus Fischer. Mit Blick auf Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter in den Läden seien Handlungsempfehlungen in Arbeit.

Rücklauf wird noch zunehmen

Bei Ritzel, Emmel und Dynamo sind die Abgaben aber selten. „Vielleicht so fünf im Jahr“, schätzt Michalik. Doch Fricke, Fischer und er gehen davon aus, dass sich das in den kommenden Jahren ändern wird. Denn der E-Bike-Boom habe schließlich erst in den zurückliegenden zehn Jahren an Fahrt aufgenommen. Und zehn Jahre würde ein guter und ordnungsgemäß behandelter Akku durchaus halten.

Lässt sich ein E-Bike-Akku recyceln? Nach Angaben des Akku-Spezialisten Liofit in Kamenz werden alle E-Bike- Akkus durch ein thermisches Verfahren verwertet. Dabei wird der Akku in einem Hochofen verbrannt. Bei Lithium-Ionen-Akkus bilde sich neben der Schlacke ein fester Stein, der aus Kupfer, Kobalt und Nickel besteht. Die Materialien des Kunststoffgehäuses und der Elektronik sowie das Lithium, Aluminium, Eisen, Mangan, Graphit und Elektrolyt aus dem Zellpaket verbrennen oder sind in der Schlacke enthalten und können nicht wieder in der Akkuproduktion eingesetzt werden. Die Schlacke findet unter anderem im Straßenbau Verwendung.

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