Weniger Lärm am Himmel

E-Mobilität in der Luft: Beendet dieses Flugzeug den ewigen Streit um Fluglärm in und um Hildesheim?

Hildesheim - Erstmals überhaupt war am Wochenende ein Elektroflugzeug auf dem Hildesheimer Flugplatz zu Gast. Viele Aeroclub-Mitglieder erhoffen sich eine Wende in Sachen Krach und Emissionen. Was können die elektrischen Flieger? Und was (noch) nicht? (mit Video)

Pilot Björn Frey lädt das E-Flugzeug - 45 Minuten braucht ein Ladevorgang im Moment, bald soll sich die Zeit halbieren. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Der Pilot lässt den Motor an. Der Propeller des Kleinflugzeugs beginnt sich zu drehen, der Motor knattert. Mehrere Minuten lang steht der kleine Flieger auf dem Hildesheimer Flugplatz einfach dort, rollt dann weiterhin knatternd in Richtung Startbahn, um schließlich unter einigem Motorengetöse in Richtung Bavenstedt abzuheben.

Motor kaum zu hören

Fünf Minuten später: Der Pilot des nächsten Kleinflugzeugs lässt den Motor an. Mit einem vernehmlichen, aber deutlich leiseren Rauschen beginnt der Propeller zu rotieren, fast umgehend steuert der Pilot den Zweisitzer in Richtung Startbahn. Auch dieser Flieger hebt in Richtung Bavenstedt ab, doch auch in der Luft ist der Motor deutlich leiser zu hören. Wobei – der Motor? „Man hört vor allem den Propeller“, sagt Marcus Weber.

Der große Unterschied: Das zweite Flugzeug hat einen Elektroantrieb. Es ist wahrscheinlich das erste Mal, dass ein E-Flieger auf dem Hildesheimer Flugplatz startet. Mitglieder des Aeroclubs haben Vertreter des „Green Aviation Hub“ aus Mannheim eingeladen. Gegründet von Hobby-Piloten und einem Flugschulbetreiber, wollen sie die Elektromobilität in der Luft voranbringen. Marcus Weber ist Geschäftsführer der jungen Firma und zusammen mit Pilot Björn Frey nach Hildesheim gekommen, um den Hildesheimer Hobbyfliegern die Maschine vorzustellen und ihnen Testflüge zu ermöglichen.

„Wir müssen uns bewegen“

Die Verantwortlichen vom Aeroclub Hildesheim setzen große Hoffnungen in die neue Technik. Zum einen, „weil wir unser Hobby weiter ausüben wollen, aber ohne dabei die Umwelt mit Abgasen zu verschmutzen“, wie Hobbyflieger Dirk Blume versichert. Vor allem aber auch, weil viele Mitglieder hoffen, langfristig eine jahrzehntealte Diskussion in Hildesheim und dem nördlichen Landkreis zu befrieden. Nämlich die über den Lärm der Flugzeuge, der manche Anwohnerinnen und Anwohner schon lange nervt und der immer wieder zu Protesten führt. „Wir müssen bei beiden Themen was machen, und wir wollen uns bewegen – deshalb diese Initiative“, betont Dirk Blume. Er hat extra einige Mitglieder seiner „Skygirls“-AG vom Gymnasium Andreanum auf den Flugplatz geholt – die physikinteressierten Schülerinnen studieren am Sonntagvormittag emsig die neue Technik.

Dabei ist klar: Momentan können Elektroflugzeuge Benzinmaschinen nicht einfach ersetzen. 50 Minuten beträgt die maximale Flugdauer bei einem Modell wie dem Velis Electro aus französischer Produktion. Das reicht allerdings für die wohl häufigste Anwendung, die durch die ständigen Starts und Landungen auch am meisten Lärm verursacht: zehnminütige sogenannte Platzrunden über dem Nordkreis im Rahmen der Pilotenausbildung.

Problem: Ladeinfrastruktur

Das größte Hemmnis ist die Ladeinfrastruktur. Nur wenige Flugplätze bieten die Möglichkeit an, die Elektroflieger schnell wieder aufzuladen. Marcus Weber und Björn Frey haben eine eigene Anlage dafür mit nach Hildesheim gebracht. „Wir stehen da, wo die Elektromobilität für Autos vor 15 Jahren stand“, glaubt Marcus Weber, der mit diesem Thema in ganz Deutschland unterwegs ist. „Das ist so ein bisschen das Henne-Ei-Problem: Ohne Infrastruktur kauft man sich nicht so einen E-Flieger – und wenn nicht genug E-Flieger unterwegs sind, baut keiner die Ladeinfrastruktur aus.“

Doch er sieht viele Vorteile – und ist zuversichtlich, dass sich solche Hürden deshalb überwinden lassen, vielleicht auch mit staatlicher Förderung. So dürfe die Flugschule in Mannheim inzwischen auch sonntags Lernflüge anbieten, weil die Geräuschkulisse durch die Elektroflieger aus Sicht von Anwohnern akzeptabel ist. Das Reichweitenproblem könne wie bei Autos langfristig technisch gelöst werden.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.