Alfeld - Mit hoher Geschwindigkeit soll ein E-Scooter-Fahrer in der Alfelder Leinstraße am Montag unterwegs gewesen und einen Unfall verursacht haben. Wie einem Eintrag aus den sozialen Medien zu entnehmen ist, übersah er in der Einkaufsstraße offenbar eine Hundeleine und brachte so die Hundehalterin zu Fall. Anstatt sich um sie zu kümmern, soll er seine Fahrt fortgesetzt haben. Gleiches gilt für den Fahrer oder die Fahrerin eines weißen Autos. Hilfe ist nicht geleistet worden.
Bei Vorfällen am besten Anzeige bei der Polizei erstatten
Ein Unding, zeigt sich der Alfelder Kontaktbeamte Robert Stein von der Unfallschilderung erstaunt und bestürzt zugleich. Er könne die betroffene Person nur dazu aufrufen, Anzeige zu erstatten. Denn hier handele es sich ganz offensichtlich um Verkehrsunfallflucht beziehungsweise unterlassene Hilfeleistung. Und das sind Straftatbestände. Solche Fälle sollten stets bei der Polizei gemeldet werden, nur dann erfahre das Kommissariat davon und könne tätig werden.
Es ist indes ein Dauerthema in Alfeld, dass Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer auf Gehwegen fahren. Und das zuweilen schnell und rücksichtslos. Stein will zukünftig verstärkt auf den Alfelder Straßen unterwegs sein, gezielt in der nur bedingt für den Kraftverkehr freigegebenen Leinstraße. Das hatte er bereits während des jüngsten „Alfelder Stadtgespräches“, bei dem es um das Thema Fahrradstraßen ging, angekündigt. Gegenüber dieser Zeitung erneuert er sein Vorhaben. Oft genug, so hat er beobachtet, komme es zu Beinahe-Unfällen, weil sich Zweiradfahrer nicht an die Straßenverkehrsordnung halten und – moralisch mindestens genauso schlimm – völlig rücksichtslos unterwegs sind.
Auch Ordnungsamt und ADFC wollen für Sicherheit sorgen
Sein Ziel: vor allem aufklärend wirken – aber wenn es sein muss, auch durchgreifen und Verstöße sanktionieren. Der Polizeibeamte will für die Aufklärungsarbeit erneut das hiesige Ordnungsamt und den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) ins Boot holen. Einen gemeinsamen Infostand auf dem Marktplatz hat es bereits gegeben, weitere Angebote dieser Art sollen folgen.
Ganz besonders im Fokus hat Stein auch die Alfelder Leinebrücke. Auf diesem städtischen Nadelöhr meiden viele Rad- und E-Scooter-Fahrer den auf der schmalen Fahrbahn eingezeichneten Fahrradweg und nutzen die Gehwege. Dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt, zeigt eine Kontrolle vor Ort: Am Dienstagmittag belehrte Stein innerhalb von nur 20 Minuten zehn Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer, die auf dem Gehweg fuhren.
E-Scooter-Fahrer haben auf Gehwegen nichts verloren
„Einige wissen es wirklich nicht besser. Aber Rad- und E-Scooter-Fahrer haben auf Gehwegen nichts verloren, die sind grundsätzlich Fußgängern vorbehalten“, betont Stein. Das Fahren auf dem Gehweg sei eine Ordnungswidrigkeit. „Deshalb will ich gerade an der Leinebrücke die Verkehrsteilnehmer erreichen und informieren“, sagt der Polizist. Da er nicht täglich stundenlang auf der Brücke stehen kann, würde er gerne ein Erklärschild an beiden Enden der Brücke aufstellen: leicht verständlich.
In diesen Tagen und der dunklen Jahreszeit geschuldet informiert Stein gezielt zum Thema Beleuchtung. „Denn die kann Leben retten“, betont er. Wenn er Radfahrer ohne Licht anhält, bekommt er oft die immer gleiche Ausrede zu hören: „Das Vorderlicht ist mir heute morgen geklaut worden.“ Vier von fünf Radfahrern würden ihm das versichern. „Komisch nur, dass das niemand zur Anzeige bringen will.“
Verkehrswacht involviert beim Thema Sicherheit auf der Straße
An der Ostseite der Leinebrücke befindet sich derzeit übrigens ein Transparent der Verkehrswacht, das auf die Notwendigkeit einer guten Beleuchtung aufmerksam macht. Stein lobt diesbezüglich die gute Zusammenarbeit mit der Verkehrswacht Alfeld und insbesondere das Engagement des Vorsitzenden Klaus Krumfuß.
Der Polizeibeamte sagt, dass im Straßenverkehr nach seiner Einschätzung der eine Angst vor dem anderen hat: „Die Fußgänger vor den Rad- und E-Scooter-Fahrern, die wiederum vor den Autofahrern und die Autofahrer vor den Lkw-Fahrern.“ Und alle zusammen, zieht er ein Fazit, „sind alles andere als erfreut, wenn sie mich sehen“. Zumindest dann, wenn ihnen bewusst ist, dass ihr Verhalten nicht den Regeln entspricht. Sein großes Anliegen sei es, Sicherheit herzustellen – und zwar für alle.


