Hildesheim - Endspurt: Lena Marie Ohlendorf und Christian Krupp sind mittlerweile 18 Jahre alt. Seit sie im Sommer 2012 eingeschult worden sind, geben die beiden jährlich ein Interview. Jetzt beginnt für sie das letzte Schuljahr. Die beiden machen ihr Abitur, Lena am Mariano-Josephinum, Christian an der Michelsenschule. Es wird also Zeit, noch einmal gemeinsam nach vorne und auch nach hinten zu schauen. Was hat sich im vergangenen Jahr verändert, was ist gleich geblieben?
Wie habt ihr eure Ferien verbracht?
Christian: Ganz entspannt. Ich habe zwei kurze Trips gemacht, einmal an die Ost- und einmal an die Nordsee. Sonst bin ich viel hiergeblieben, habe mich mit Freunden getroffen. Es sind ja meine letzten Schulferien.
Lena: Ich war viel unterwegs, kaum zu Hause. Ich war mit vier Freundinnen campen, gar nicht so weit weg, am Springhorstsee in Hannover. Danach war ich mit einer Freundin in Prag, da sind wir selbst hingefahren mit dem Auto. Das war ein Abenteuer, aber nur vier Tage lang. Ich war eine Woche lang mit einer Freundin in Genf. Und ich war mit meiner Mutter in Quedlinburg.
In diesem Schuljahr macht ihr Abitur – seid ihr nervös, bereitet ihr euch schon vor?
Christian: Ich denke mal, ich schaff’s. Aber mir geht es auch ein wenig um den Schnitt. Wahrscheinlich werde ich etwas ohne NC (Numerus clausus) studieren, aber man will ja auch gut sein, wenn man weiß, dass man etwas kann. Wirklich viel Stress mache ich mir noch nicht, das kommt wahrscheinlich erst, wenn die Schule losgeht. Das wird schnell stressig.
Lena: Ich lasse es auf mich zukommen, bisher bin ich ganz gut durchgekommen. Ich habe viele Lernzettel seit der 5. Klasse aufgehoben und in einem Ordner sortiert. Das hilft.
Seid ihr immer noch zufrieden mit euren Profilen?
Christian: Ja, schon. Für mich war es die richtige Wahl, das gesellschaftswissenschaftliche Profil. Das heißt Geschichte, Wirtschaft und Englisch. Das passt gut zu mir, und ich habe Spaß daran.
Lena: Ich habe das künstlerische Profil, Kunst, Mathe und Biologie. Das ist eine gute Mischung, man hat von allem etwas. Und gerade Biologie, da möchte ich auch beruflich hin. Da ist das sehr hilfreich als Leistungskurs.
Im letzten Jahr habt ihr beide erzählt, dass ihr euch einen Job oder ein Studium in Richtung Design vorstellen könnt – hat sich das verfestigt oder geändert?
Christian: Bei mir hat sich das verfestigt. Ich habe mich jetzt schon für ein duales Studium im Mediendesign beworben. Das dauert aber noch. Ich will in der Medienbranche Praxiserfahrung sammeln, aber auch etwas mit meinem Abi anfangen. Die Branche verändert sich gerade sehr durch KI (Künstliche Intelligenz), das höre ich von Freunden, die in Werbeagenturen arbeiten. Ich will auf Änderungen vorbereitet sein.
Lena: Ich bin tatsächlich ein wenig davon abgekommen, warum, weiß ich nicht genau. Der Kunst-Leistungskurs macht auf jeden Fall Spaß, aber wenn man etwas tun muss, Fristen hat, dann verfliegt ein wenig davon. In der Schule habe ich gemerkt, dass ich Biologie interessanter finde. Ich weiß noch nichts Genaues, aber ich will vielleicht in die medizinische, biologische Richtung.
Erinnert ihr euch daran, dass Kunst schon in der ersten Klasse euer Lieblingsfach war?
Christian: Ja, das stimmt. Da war Kunst noch toll.
Lena: Das kann gut sein.
Lest ihr eure alten Interviews manchmal?
Christian: Ich bin sie letztes Jahr alle noch einmal durchgegangen, das aktuelle lese ich dann natürlich auch.
Lena: Ja, ich bin die auch durchgegangen und habe mir die Fotos angeguckt, verglichen …
Christian: Die sind am witzigsten!
Lena: Der Verlauf ist ganz lustig.
Wie fühlt sich das an, wenn man sieht, wie schnell man sich selbst entwickelt?
Christian: Das ist ganz schön krass, ich verstehe deswegen auch Leute, die sagen: „Ach, du bist so groß geworden.“ Wenn man einmal im Jahr ein Foto von sich hat, in guter Qualität, dann sieht man, dass man älter wird. Tag für Tag nimmt man sich nicht so wahr.
Lena: Ich finde auch die Ansichten interessant, dass ich letztes Jahr noch Design machen wollte und jetzt doch etwas ganz anderes. Wie sich Sichtweisen und Meinungen ändern.
Es gab auch zwei Corona-Interviews. Habt ihr das Gefühl, dass euch dadurch ein bisschen Zeit weggenommen wurde?
Lena: Ja, schon. Gefühlt sind die Jahre wie im Flug vergangen. Als wäre 2021 nur ein Jahr her. Aber ich bin in der Zeit sehr kreativ geworden, mit Freunden. Wir haben viel telefoniert, Online-Spiele gespielt, wie Schiffe versenken. Es war auch eine lustige Zeit, und sie fühlt sich im Nachhinein kürzer an, als sie tatsächlich war.
Christian: Ein bisschen ist da auf jeden Fall verloren gegangen. Mein Zeitgefühl für diese Jahre ist kaputt. Es war immer alles gleich. Das wäre die Zeit gewesen, in der die ersten Partys losgegangen wären, das wurde alles verlagert. Aber wie Lena schon sagte, es hat auch neue Dimensionen in Freundschaften gebracht. Dadurch, dass man sich online getroffen hat. Wenn die Zeit knapp wird, treffe ich mich heute noch online mit meinen Freunden, wir telefonieren oder spielen etwas. Daraus ist also auch Gutes entstanden.
Jetzt seid ihr beide 18. Habt ihr einen Führerschein?
Beide: Ja.
Lena: Fast genau ein Jahr.
Christian: Ich seit letztem Oktober.
Wo seid ihr als erstes hingefahren?
Christian: Das erste Mal bin ich alleine gefahren, als ich meinen Geburtstag im Vereinsheim gefeiert habe. Da habe ich Sachen hingebracht und vorher, an dem Tag, als ich ihn bestanden habe, bin ich mit meiner Mutter in ein Restaurant gefahren.
Lena: Das habe ich auch so gemacht, erstmal essen gehen. Und direkt an meinem Geburtstag, ich hatte nur vier Stunden Schule, habe ich Kuchen eingepackt und bin mit dem Auto zu einem Picknick gefahren.
Und was läuft bei euch im Auto?
Lena: Sehr gemischt.
Christian: Bei mir auch. Ich höre viel Rock und Metal, aber beim Autofahren auch entspannten Pop und Lofi. Kommt auf die Uhrzeit an, nachts eher ruhige und bei Stau aggressivere Musik. (lacht)
Lena: Ich höre manchmal Hörbücher, drei Fragezeichen zum Beispiel. Das haben wir schon als Kinder bei Autofahrten gemacht. Sonst Pop und Country, gerade im Sommer, schön bei offenem Fenster.
Was macht ihr nach dem Abitur?
Christian: Ich habe mich an der IU-Internationalen Hochschule beworben. Aber das geht erst nach dem Abi los. Zwei oder drei Monate werde ich zur Überbrückung jobben. Ein bisschen Gastronomie-Erfahrung habe ich schon, dann würde ich gerne etwas machen, das später vielleicht nicht mehr passt, wie Nachtschichten als Barkeeper.
Lena: Ich will mit einer Freundin ins Ausland. Wir haben uns an einem Internat in England beworben, da würden wir auf Kinder aufpassen, aber noch haben wir keine Zusage. Also schauen wir uns noch um. Neuseeland wäre auch cool. Wahrscheinlich will ich für ein halbes Jahr ins Ausland. Dann entscheide ich, was ich studiere.
Und vorher ist noch Abiball – freut ihr euch schon? Stehen die Outfits fest?
Lena: Ich freue mich auf ein schönes Kleid. Mit den Freunden ein letztes Mal zu feiern, die Nacht durchzumachen und am nächsten Tag in die Schule zu gehen, das ist etwas Besonderes.
Christian: Ja, das stimmt. Da trägt man mal etwas Schickeres. Und so einen Abschluss macht man nur einmal im Leben. Außer, man hat später Kinder und geht da noch mit hin, aber das ist dann etwas anderes.

