Hildesheimer Ditib-Gemeinde

Ehemaliger Elektronik-Markt in Hildesheim soll zu Moschee umgebaut werden

Hildesheim - Die türkisch-islamische Moschee-Gemeinde in Hildesheim will den verwaisten Medimax-Markt am Kennedydamm zu einer Moschee ausbauen. Die Immobilie hat sie bereits erworben.

So oder so ähnlich wie in diesem Entwurf wünscht sich die Hildesheimer Selimiye-Gemeinde ihre neue Moschee. Foto: privat

Hildesheim - Seit Monaten steht die Gewerbe-Immobilie am Kennedydamm 33 leer, nachdem der Elektronik-Markt Medimax aufgegeben und sein Geschäft geschlossen hat. Nun soll aus dem Gebäude eine Moschee werden: Der türkisch-islamische Dachverband Ditib mit Sitz in Köln hat das Haus gekauft und per Urkunde an seinen Hildesheimer Moschee-Verein übertragen.

„Mit großer Freude“ reagierte die türkisch-islamische Gemeinde auf die Überlassung. „Unsere Gemeinde ist stetig am Wachsen. Und für Hildesheim ist es schon lange an der Zeit, eine Moschee zu präsentieren, wie man sie aus unseren Heimatländern kennt“, erklären der Vorstandsvorsitzende Osman Demirtaş und dessen Stellvertreter, Fatih Gündüz.

Seit 1992 am Bischofskamp

Seit 1992 unterhält die türkisch-islamische Gemeinde am Bischofskamp die Selimiye-Moschee. Ihr Name lehnt sich an die Selimiye Moschee in Edirne (Adrianopel) an, die als Höhepunkt der osmanischen Architektur gilt. Damals habe die Religionsgemeinschaft nur aus etwa 60 Mitgliedern bestanden, das Haus zum Kaufpreis von 450 000 Euro war für die Gemeinschaft ein ziemlicher Kraftakt.

Inzwischen, sagt Melanie Gündüz als Mitglied des sechsköpfigen Gemeindevorstandes, sei der Kreis auf 272 Mitglieder aus Hildesheim und den umliegenden Nachbargemeinden gewachsen – und schon vor Corona sei die Moschee am Bischofskamp eigentlich viel zu klein gewesen.

Weg vom Hinterhof-Image

Nun soll das neue Gebäude auch mit tatkräftiger Hilfe derMitglieder zügig umgebaut und im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres bezogen werden. Die Gemeinde wolle mit einer Moschee an dieser Stelle auch sichtbarer werden, weg kommen vom Hinterhof-Image, sagt Gündüz. Die Bauvoranfrage bei der Stadt sei bereits erledigt, nun bereite die Gemeinde mit Unterstützung ihrer Architektin den Bauantrag vor.

Erste Pläne zeigen eine Reihe orientalischer Zwiebeltürmchen auf dem Flachdach, dazu neben dem Haupteingang ein schlankes Minarett. Ob das das tatsächliche Bild wird, stehe aber noch nicht fest. Die ehemalige Verkaufsfläche soll der Gebetsraum werden, nach Männern und Frauen getrennt. Im hinteren Teil und im oberen Stockwerk gibt es noch Büros und zwei Wohnungen, die für die Jugend- und andere Gemeindearbeit genutzt werden sollen. „Wir arbeiten ja viel mit der Caritas zusammen, bieten zum Beispiel Sport und eine Hausaufgabenhilfe an“, so Gündüz.

Alte Moschee soll geschlossen werden

Im Internet war die Immobilie im Sommer für 1,25 Millionen Euro angeboten worden, ein Interessent sei kurzfristig abgesprungen, so dass die Ditib das Objekt samt dem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück nun „etwas günstiger“ habe erwerben können, so Gündüz. Sobald die neue Moschee fertig ist, soll die alte geschlossen werden. Neben dieser Moschee gibt es noch eine zweite, kleinere, in der Leunisstraße, die aber einer anderen Dachorganisation gehört.

Die Türkisch-Islamische Union Ditib ist mit mehr als 900 Moschee-Vereinen die größte sunnitisch-islamische Organisation in Deutschland. Sie untersteht dem staatlichen Präsidium für religiöse Angelegenheiten der Türkei, das wiederum dem Präsidenten direkt unterstellt ist. Vielen gilt Ditib daher als verlängerter Arm Erdogans. Die Imame sind de facto Angestellte des türkischen Staats und werden auch von ihm bezahlt. Hildesheimer Imam (Vorbeter) ist Abdulkerim Dogan.

Sozialer Treffpunkt

„Für Hildesheim wünsche ich mir eine Moschee, die nicht nur Ort des gemeinschaftlichen islamischen Gebets ist, sondern einen sozialen Treffpunkt darstellt. Hier können rechtliche und auch soziale Werte im Sinne des Islams diskutiert und ausgetauscht werden. Darüber hinaus sollte unsere Moschee Raum für Veranstaltungen, Feiern und gesellschaftliche Anlässe der islamischen Gemeinde bieten, für die Zeit nach Corona“, sagt Vorstandsmitglied Ihsan Tatar.

In früheren Jahren seien viele Moscheen in Deutschland nur als Provisorien errichtet worden, da die meisten Muslime annahmen, dass sie wieder in die Heimat zurückkehren würden, sagt Melanie Gündüz. Tatsächlich hätten viele ehemalige Gastarbeiter in Deutschland aber eine neue Heimat gefunden, ihre Kinder und Enkel seien hier geboren worden und aufgewachsen. Vor diesem Hintergrund seien Muslime in den 1990-er Jahren zu der Erkenntnis gelangt, dass für viele eine Rückkehr unrealistisch geworden war. Damit sei auch der Wunsch nach „würdigen Gotteshäusern“ gewachsen.

„Heutzutage haben wir sehr viele sehenswürdige Moscheen in Deutschland, seien es klassische Moscheen mit Minarett und Kuppel, aber auch solche Gebetsräume, die in Kulturzentren integriert und von außen nicht als ’klassische Moschee’ zu erkennen sind. Die Moschee“, sagt Melanie Gündüz, „gehört in Deutschland mittlerweile zum Stadtbild“.

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