Unterstützer protestieren

Eigenbedarf – ist das das Ende der Nutztierarche Swinsgaarn in Capellenhagen?

Capellenhagen - Obwohl die Betreiber der Nutztierarche in Capellenhagen eine mündliche Pacht-Zusage hatten, sollen sie nun bis 2024 den Hof räumen. Die Unterstützer appellieren an den Eigentümer, den Eigenbedarf nicht geltend zu machen.

Im Freigehege fühlen sich die Schweine der Nutztierarche in Capellenhagen sichtlich wohl. Foto: Christian Göke

Capellenhagen - Seit 16 Jahren wohnen Heike Haubrok und Heinrich Thielke auf einem Bauernhof in Capellenhagen. Das Paar lebt dort seinen Traum von einer Nutztierarche mit Namen Swiensgaarn (Schweinegarten). Der Schlachtermeister und die Landwirtin halten 125 Sattelschweine in den Ställen und auf den Freiflächen in der Nutztierarche. Doch mit dieser Idylle und auch mit der Existenzgrundlage soll nun Schluss sein. Der Bauernhof wurde verkauft und der neue Eigentümer möchte den Hof jetzt selbst nutzen. Obwohl etwas anderes vereinbart war.

Der einstige Eigentümer hat den Bauernhof vor wenigen Jahren an Jens-Werner Gülke aus Weenzen verkauft. Der Landwirt stand dann mit Haubrok und Thielke sowie deren Unterstützern der Nutztierarche in Kontakt und signalisierte die Möglichkeit einer weiteren Nutzung. Im Juni kam es in Gegenwart einer Anwältin und dem Kaierder Pastor Michael Pfau zwischen Haubrok und Thiele auf der einen und Gülke sowie seinem ältesten Sohn auf der anderen Seite zu einer mündlichen Einigung über einen neuen Pachtvertrag über 15 Jahre. Laut Pfau soll der mit einem Handschlag besiegelt worden sein.

Entsetzen über Kündigung

Umso größer war schließlich das Entsetzen, als Ende September die Kündigung für den Betrieb zu 2024 und die Kündigung der Wohnung mit neunmonatiger Frist per Post zugestellt wurden. „Wir hatten stundenlange Sitzungen mit allen Beteiligten und haben zwei Jahre um den Pachtvertrag gekämpft. Herr Gülke hatte uns noch zugesagt, dass alles kein Problem sein“, sagt Haubrok.

Bei Familie Gülke hat sich die Sachlage aber geändert, wie sie auf Nachfrage erklären. „Mein Sohn möchte den Hof jetzt selber nutzen und sich da verwirklichen“, erklärt Jens-Werner Gülke. Zudem sei die Verpachtung in den zurückliegenden zwei Jahren nicht reibungslos verlaufen, weshalb er an einer längerfristigen Zusammenarbeit nicht mehr interessiert sei. „Ich finde das Engagement für die Tiere toll und hoffe, dass die Arbeit auf einem anderen Hof fortgesetzt werden kann“, sagt Gülke.

Unterstützer wollen helfen

Um auf das Problem der Kündigung aufmerksam zu machen, trafen sich jetzt weit über 50 Unterstützer auf dem Bauernhof und brachten dabei sogar Plakate mit. „Wir stünden nicht hier, wenn der Bauer aus unserer Sicht den Hof brauchen würde, wirtschaftliche Not sehen wir aber nicht“, so die Unterstützerin Diana Kohrs aus Kaierde. Die Frau bemängelt, dass Haubrok und Thielke immer wieder hingehalten wurden.

Bedeutung als Züchter

Von dem Rotbunten Husumer Schwein gibt es weltweit nur noch ungefähr 130 Zuchttiere. Gegenwärtig stehen auf dem Bauernhof in Capellenhagen drei Zuchteber aus drei Linien sowie elf Zuchtsauen, was laut dem Hybridschweinezuchtverband Nord/Ost der größte Zuchtbestand in einem Betrieb weltweit für diese Rasse darstellt. Im Jahr 2014 wurde der Verein für die Erhaltungs- und Herdbuchzucht des Sattelschweins gegründet, dessen Vorsitzende Heike Haubrok ist. Etliche neue Züchter konnten seit der Gründung hinzugewonnen werden, wodurch der Bestand verbessert wurde. Grundlage waren dabei nicht selten Zuchttiere aus dem Bestand der Nutztierarche.

Die Betreiber der Nutztierarche passen auf, dass die verschiedenen Zuchtlinien und Genpoole erhalten bleiben. Einer der drei Zuchteber ist Odo, der bei der Geburt mit 500 Gramm Gewicht nur geringe Überlebenschancen hatte. Das Tier wurde mit der Flasche im Haus großgezogen, da die Mutter das Ferkel nicht annahm. Mittlerweile wiegt der vierjährige Eber stolze 400 Kilogramm und sorgte schon für einige Nachkommen. Das Rote Husumer ist in der konventionellen Zucht nicht sehr beliebt, da es nur langsam wächst. Während die Schweine in Capellenhagen für die Verwertung erst nach 15 oder 16 Monaten geschlachtet werden, wachsen Hybridschweine in Maststationen nur sechs Monate bis zur Schlachtung heran. In Capellenhagen bleiben die Ferkel acht Wochen bei dem Muttertier, während das in konventionellen Betrieben nur vier Wochen der Fall ist.

Nachfolger stehen schon bereit

Für eine Nachfolge in der Nutztierarche hatten Haubrok und Thielke schon gesorgt. Tim Himmich und Fredy Moreno würden als Nachfolger bereitstehen, die die Arbeit der in die Jahre gekommenen Landwirte fortsetzen wollen. Doch ob das nun noch etwas wird, steht in den Sternen.

Pastor Pfau wandte sich an die Unterstützer. Er hoffe, dass Jens-Werner Gülke seine Entscheidung nochmal überdenkt und zu seinem gegebenen Wort steht. „Ich fordere den Besitzer auf, hier Menschlichkeit zu zeigen. Vielleicht ist die Kündigung juristisch in Ordnung, menschlich aber verwerflich. Ich dachte immer, dass ein Wort ein Wort ist“, so Pfau.

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