Klimaschutz

Eignet sich mein Dach zum Bepflanzen? Großes Kataster für den Kreis Hildesheim online

Kreis Hildesheim - Ein Internetportal erfasst jedes einzelne Dach, auch Teilflächen wie Garagen – und gibt Hinweise auf Statik, Regenrückhaltung, CO2-Einsparung und die Kombination mit Photovoltaik.

Auf vielen Gebäuden ist eine Dachbegrünung möglich - auch im Landkreis Hildesheim. Foto: HAZ-Archiv

Kreis Hildesheim - Wer sein Dach begrünt, tut etwas gegen den Klimawandel und für den Artenschutz – zumindest im ganz kleinen privaten Maßstab. Pflanzen absorbieren CO2 und bieten zugleich Insekten Lebensraum, zudem kann sich die Hitze-Abstrahlung reduzieren. Die Klimaschutzagentur des Landkreises Hildesheim hat nun ein sogenanntes Gründach-Kataster veröffentlicht. Für alle Dachflächen – von Privathäusern, Firmen- und Behördengebäuden – in Stadt und Landkreis ist darauf angegeben, wie gut sie für eine Bepflanzung geeignet wären.

Garage als Beispiel

Dächer mit einer Neigung von bis zu fünf Grad sind demnach „sehr gut geeignet“, bis zehn Grad gelten sie als „gut“, bis 15 Grad als „noch“ und bis 20 Grad Neigung als „bedingt geeignet“. Besonders gut schneiden demnach Zehntausende Garagendächer ab, aber auch jedwede Flachdächer – von Industriehallen über Schulgebäude bis hin zu den Dachflächen von Mehrfamilienhaus-Blöcken oder von Bungalows.

Die Eignung orientiert sich dabei allerdings ausschließlich an der Dachneigung. Weitere wesentliche Faktoren wie die Stärke des Unterbaus oder auch die Höhe des Gebäudes spielen in diesem Schritt keine Rolle. Gleichwohl bietet das Informationsportal Hausbesitzern neue Erkenntnisse. Ein Beispiel: Dass er eine Garage mit einem 18 Quadratmeter großen Flachdach hat, das er bepflanzen könnte – das weiß der Besitzer der betreffenden Immobilie vermutlich. Dass er bei einer zehn Zentimeter dicken Substratschicht bei Starkregen rund 360 Liter Niederschlag pro Stunde zurückhalten oder mit der Bepflanzung rund 14 Kilogramm CO2 pro Jahr binden kann, dürfte ihm hingegen in der Regel neu sein. Bei 20 Zentimetern Substratschicht wären es in diesem konkreten Fall demnach 468 Liter Niederschlag pro Stunde und 16 Kilogramm CO2. Hinzu sollen noch 25 Gramm Feinstaub pro Jahr kommen, die gebunden werden können.

Hinweis auf Photovoltaik

Um ein Vielfaches höher sind diese Werte natürlich bei großen Industriehallen. Ein 2000 Quadratmeter großes Dach im Bavenstedter Gewerbegebiet etwa könnte demnach, wäre es komplett begrünt, knapp 380 Kubikmeter Regenwasser pro Stunde aufnehmen. Die Crux dabei ist allerdings, wie auch bei jeder privaten Garage, die Statik. Deshalb soll das Gründach-Kataster auch darüber Auskunft geben, welches Gewicht bei welcher Substrat-Dicke auf dem jeweiligen Dach lasten würde – eine Angabe, mit deren Hilfe ein Statiker dann ermessen könnte, ob das fragliche Gebäude das angedachte Gründach tragen könnte oder nicht. Im Fall des eingangs beispielhaft erwähnten 18-Quadratmeter-Garagendachs würden bei zehn Zentimetern Substratdicke knapp 2000 Kilogramm auf der Garage lasten, bei 20 Zentimetern gut das Doppelte.

Parallel – und auf der gleichen Internetseite zu finden – unterhält die Klimaschutzagentur auch ihr Kataster für das Photovoltaik-Potenzial auf allen Dächern in Stadt und Landkreis. Hier schneiden Dächer mit höherer Neigung besser ab, doch auch große Flachdächer eignen sich zum Aufstellen von Solarmodulen, betont die Klimaschutz-Agentur – und wirbt für eine Kombination. Pflanzen auf einem Dach könnten davon profitieren, dass die Module zeitweise Schatten spenden – die Module wiederum könnten effizienter arbeiten, weil die Vegetation eine kühlende Wirkung entfalte.

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