Hildesheim - Die Zahl „34“ war am Samstag allgegenwärtig in der Sparkassen-Arena. Es ist die Rückennummer von Lothar von Hermanni, der ein Stück Hildesheimer Handballgeschichte mitgeschrieben hat. 20 Jahre spielte er mit einer kurzen Unterbrechung für Eintracht, nun sagte er „Adieu!“
Alle tragen die Nummer 34
Zu seinem Abschiedsspiel hatte er viele einstige Weggefährten eingeladen. Fast alle kamen – und alle im „Team Lothar“ trugen ein Trikot mit der Nummer 34, darunter unter anderem Niko Tzoufras, Leif Anton, Kay Behnke, Maurice Herbold, Georgi Nikolov, Pascal Kinzel und Jakub Stryz. Sie traten gegen das aktuelle Drittliga-Team des HC Eintracht an.
„Es ist eine Ehre für mich, hier dabei zu sein“, sagte Ex-Eintracht-Kreisläufer Niko Tzoufras. Und Leif Anton, einst ebenfalls ein treffsicherer Kreisläufer, erzählte: „Ich komme gerade aus dem Urlaub. Bei Lothars Abschied wollte ich unbedingt da sein. Er ist in jeder Hinsicht ein toller Typ.“ Und seit Samstag sozusagen eine lebende Eintracht-Legende. Womit wir wieder bei der Zahl 34 wären.
Für immer gegenwärtig
Denn in der 34. Minute gab es eine „technische Auszeit“. Auf der Gegentribüne wurde ein Banner gehisst. Darauf das Konterfei von Lothar von Hermanni – und natürlich die Nummer 34. Die wird in der Arena nun immer gegenwärtig sein und soll fortan bei den Eintracht-Handballern nicht mehr vergeben werden.
Zwischendurch spielte eine andere Zahl eine besondere Rolle. Auch in der 25. Minute war die Partie unterbrochen worden – und zwar für den Fanklub „Hölle 39“, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. Vor der Halle war aus diesem Anlass vor dem Abschiedsspiel ein kleines Sommerfest gefeiert worden – und in der Halle feierten sich der Fanklub und die Spieler gegenseitig. „Dass er nun nicht mehr für uns auflaufen wird, können wir uns noch gar nicht richtig vorstellen“, meinten einige Hölle 39-Fans.
705 Zuschauer feiern ihren Liebling
Fast war das Wetter zu schön für Hallen-Handball, trotzdem kamen 705 Zuschauer, um ihrem Publikumsliebling einen gebührenden Abschied zu bereiten. Und auf der Trainerbank von „Lothars Team“ saß jener Mann, der den Handball in Hildesheim geprägt hat wie kein anderer: Gerald Oberbeck. Er hatte von Hermanni einst entdeckt und formte ihn zu einem Spieler, der sogar in der ersten und zweiten Bundesliga seinen Mann stand und immer Vollgas gab. „Gerald verdanke ich eigentlich alles. Er hat mich auf das Handball-Internat und später in den Bundesliga-Kader geholt“, erklärte der Linksaußen.
Ach ja, Handball gespielt wurde natürlich auch noch. Es war ein nicht ganz ernstzunehmendes, mitunter kurioses Spektakel, in dem der Drittligist von vornherein chancenlos war. So begann die Partie bereits mit einem 2:0-Vorsprung für das „Team Lothar“. Zwischendurch gab es äußerst fragwürdige Entscheidungen der sehr einseitig pfeifenden Schiedsrichter gegen das Drittliga-Team.
Eine merkwürdige Sonderregel
„Das war vorher so abgesprochen worden“, verriet Referee Sönke Hümpel augenzwinkernd. Zudem gab es eine merkwürdige Sonderregel. Immer wenn das Lied „Lotusblume“ von den Flippers (Lothar von Hermannis Tor-Hymne) durch die Arena hallte, mussten die Einträchtler dem Star des Tages freies Geleit zum Torwurf gewähren. Als Tjark Jonas dies einmal versäumte, kassierte er prompt – und natürlich völlig zu recht – eine Zwei-Minuten-Strafe.
Zudem agierte der Drittligist im Abwehrverhalten ohnehin äußerst lasch – und vorn wurden etliche Chancen leichtfertig vergeben. Aus gegebenem Anlass nahm es Trainer Daniel Deutsch diesmal ausnahmsweise mit Humor.
Henning von Hermanni trifft
Auch die regelwidrige Ausführung eines Siebenmeters ließen die Schiedsrichter großzügig durchgehen. Lothar von Hermanni täuschte einen Wurf an, passte den Ball aber auf seinen Bruder Henning, der den verdutzten Torwart Leon Krka überlistete. „Dass mein Bruder dabei war, war mir sehr wichtig“, sagte Lothar von Hermanni später.
Als in besagter 34. Minute sein Banner gehisst wurde, packten ihn die Emotionen. Mit feuchten Augen verneigte er sich vor den Zuschauern, die stehend applaudierten. Selbstverständlich durfte Lothar von Hermanni auch das letzte Tor erzielen – es war natürlich Treffer Nummer 34 zum 34:24-Sieg seines Teams. Aber angesichts der besonderen und sehr kuriosen Umstände spielte das Resultat diesmal wirklich überhaupt keine Rolle.
Innige Umarmungen
Und dann war Schluss, war Lothar von Hermannis letzter Auftritt in der Sparkassen-Arena zu Ende – und damit eine Ära. Die Spieler beider Teams standen Spalier, von Hermanni verabschiedete sich von jedem einzelnen mit einer innigen Umarmung. Nicht nur viele Eintracht-Fans, sondern auch die Spieler wollten ein letztes Autogramm eines ganz besonderen Handballers.
„Ich konnte mich ja lange auf diesen Tag vorbereiten“, sagte von Hermanni. „Trotzdem war es ein komisches Gefühl, hier zum letzten Mal zu spielen – aber auch ein ganz besonderes und schönes. Danke an alle, die mich immer unterstützt und begleitet haben.“
Zurück zu den Wurzeln
Der 33-Jährige will nun mehr Zeit mit seiner Frau Leona und Tochter Ylvie verbringen. Beruflich steht nun sein Job als Projektmanager bei der Firma „Pro Licht“ an erster Stelle. Aber ganz ohne Handball kann er nicht, er spielt beim Oberligisten SG Börde weiter, dem Nachfolgeklub seines Heimatvereins TV Eiche Dingelbe.
Wer Lothar von Hermanni beim Handball zuschauen möchte, muss also künftig in die Schellerter Sporthalle kommen.






