Hildesheim - Sachen groß zu denken, damit tun wir uns in Hildesheim ja gelegentlich etwas schwer, weshalb ich diese Kolumne gerne für einen frühzeitigen Aufruf nutzen möchte. Es geht um den guten, alten Bismarckturm, den viele Hildesheimerinnen und Hildesheimer über Ostern endlich mal wieder erklommen haben. Zwei, die maßgeblich dafür gesorgt haben, ließen den Osterkaffee ausfallen und standen für ein paar Stunden gut gelaunt im Wald: Bauingenieur Heiko Kollien und der unermüdliche Spendensammler Vincenzo „Enzo“ Calvanico. Letzterer hatte sich am Ostermontag sogar ein schönes Sofa vor den Turm gestellt. Standesgemäß, keine Frage! Sehr wohl stellt sich hingegen die Frage, ob das alte Aussichtsgemäuer auch nach der zweiten Sanierungsphase vornehmlich vom ehrenamtlichen Engagement aufrechterhalten werden soll.
Da fehlen Kühlung, Toiletten und Bürotrakt
Calvanico ließ verlauten, dass er sich im Eingangsbereich nicht nur eine Marmorbüste seiner selbst, sondern auch einen Kaffeeausschank vorstellen könnte. Grandiose Idee, schreibe ich da, und weiß doch, dass just in diesem Augenblick jemand im Gewerbeaufsichtsamt ein Formblatt aus der Schublade zieht, um den guten Enzo darauf hinzuweisen, dass er neben seiner Espressomaschine auch eine Kühlkammer, einen Toilettentrakt, separate Umkleideräume für die Servicekräfte, einen Ruheraum und einen Bürotrakt in Richtung Turm bugsieren müsste. Schöner Mist. Man bräuchte also ein niedrigschwelliges Geschäftsmodell für den Bismarckturm. Eheschließungen gegen Bares? Verleih von Rapunzelzöpfen für schicke Insta-Stories? Romantic-Slots mit 30-minütiger Ungestörtheit in 20 Metern Höhe? Ich glaube, da fällt uns noch was ein. Hildesheim, der Ideenwettbewerb ist eröffnet. Nur der Turm, der ist erst mal wieder zu.
