Hildesheim - Ein schillernder Flugkapitän will Ende des Monats am Flugplatz Hildesheim eine Zweigstelle seiner Aerowest Flugschule Charter GmbH eröffnen. Roman Niedworok hat schon an Steuerknüppeln vieler Doppeldecker gesessen und vor einigen Jahren öffentlichkeitswirksam eine historische Beechcraft Modell 18 aus den USA nach Deutschland überführt.
Hierfür hat er bereits ein Ausbildungsflugzeug gekauft, das demnächst nach Hildesheim überführt werden soll. Außerdem hat er ein kleines Gebäude unweit des Towers gepachtet. Vom April an kann man sich hier zum Piloten ausbilden lassen. Die Corona-Pandemie ist offenbar kein großes Problem. „Unsere Schule ist offen, weil sie ein Hygiene-Konzept hat und befolgt“, sagt Niedworok. Der Klassenunterricht funktioniere digital. „Hier arbeiten wir ohnehin eng mit einer Fernschule zusammen.“ Viele Flugschüler hätten ihre Ausbildung auch unterbrochen und wollen sie erst fortsetzen, wenn sie geimpft sind.
Fast zwei Jahrzehnte
Tui-Flugzeuge geflogen
Die GmbH ist Niedworoks zweites Standbein. Im ersten Hauptberuf transportiert er Luftfracht rund um die Welt. „Ich bin fast zwei Jahrzehnte für die Tui geflogen“, erzählt der 47-Jährige. Vor drei Jahren verließ er den Touristikkonzern, übernahm Aerowest und flog gleichzeitig Frachten um den Globus. Beim Gespräch mit der HAZ über seine Pläne befindet er sich gerade in Schweden. Als Cargo-Flugkapitän hat er einen systemrelevanten Beruf und darf viele Länder trotz Corona ansteuern. „Aber es ist momentan sehr gruselig, über die leeren Flughäfen zu gehen“, erzählt er.
Mit Hildesheim verbindet den Piloten, der rund 22 000 Flugstunden angesammelt hat, eine Menge. „Meine beiden Kinder sind im St.-Bernward-Krankenhaus geboren worden“, sagt er. Heute lebt er in Lehrte, ist aber mit seinen Flugzeugen seit drei Jahren regelmäßiger Gast auf dem Hildesheimer Flugplatz. „In Hildesheim hat man hervorragende Möglichkeiten, und der Treibstoff ist sehr günstig“, sagt er.
„Wir würden gern zügig expandieren“
Von April an wird er wohl noch öfter hier anzutreffen sein – natürlich erst, wenn Corona es wieder uneingeschränkt erlaubt. Die kleine Holzbaracke, die zunächst als Standort dienen soll, wird derzeit renoviert. Hier soll schon bald immer mittwochs eine Mitarbeiterin das Büro öffnen. „Wir würden das Ganze dann gern zügig ausbauen und expandieren“, sagt der Geschäftsführer. Er geht davon aus, dass er in den kommenden drei Jahren bis zu 1 Million in den neuen Standort investieren wird. „Das hängt auch daran, wie es mit den Stellplätzen in den Hallen aussieht.“ Derzeit sei der Flugplatz in dieser Hinsicht voll ausgelastet.
Das Flugzeug, das in Hildesheim zunächst zum Einsatz kommen soll, ist eine Aquila A210. Niedworok hat die Maschine für 120 000 Euro von der RWL German Flight Academy in Mönchengladbach gekauft. Und demnächst soll sie von Hildesheim aus abheben.
Als Konkurrenz zur UL-Flugschule am Flugplatz will sich Niedworok auf keinen Fall verstanden wissen. Dort beantwortet man eine Anfrage der HAZ zum neuen Mitbewerber eher indirekt. „Bei uns ist alles in Ordnung, wir sind zufrieden“, sagt Mitinhaber Hans-Albert Rickert.


