Hildesheim - Es ist der 7. November, Halle 39: Der Peiner Darter Arno Merk wirft den entscheidenden Pfeil in die Doppel-16. „Game Shot and the Match, and the Winner of the PDC Europe Super League – Arno Merk“, schreit der Hallensprecher ins Mikrofon. Wie ein Echo geht der Spruch durch die Arena. Der Hildesheimer Darter Jarod Becker steht neben der Bühne. Er muss zugucken, wie sein Freund und Rivale sich für die Darts-WM in London qualifiziert.
Sechs Wochen später ist Arno Merk zu einem deutschen Darts-Star geworden. Er hat sein Spiel in der ersten Runde der WM im Ally Pally gewonnen, am Dienstag wartet nun Ex-Weltmeister Peter Wright auf ihn. Merk hat innerhalb weniger Tage 15.000 neue Instagram-Follower dazugewonnen.
Becker scheitert am deutschen WM-Star
Aber zurück in die Halle 39, zur Darts Super League Anfang November: Da hat der 22-jährige Jarod Becker im Halbfinale gegen besagten Merk verloren – zwei Siege entfernt vom ganz großen Wurf. Daraufhin fällt Becker in ein Formtief: „Mir hat am Board die Konzentration gefehlt. Der Average ist in den Keller gegangen.“ Average – das ist der Punkteschnitt nach drei geworfenen Pfeilen.
Das Turnier zu verarbeiten, ist nicht einfach für Becker. Nach dem Fast-Aus in der Gruppenphase des WM-Qualifikationsturniers in der Halle 39 wird der 22-Jährige am Finaltag gefeiert wie ein Star. Er gewinnt im Viertelfinale gegen den Deutschen Dragutin Horvat. Kein Darter wird so lautstark bejubelt wie er. Nach dem Spiel fallen ihm alle Fans in den ersten Reihen in der Halle in den Arm. „Das war ein komplett neues Gefühl für mich. Es war phänomenal“, erinnert sich Jarod Becker.
Die Emotionen kochen hoch
Zu früh gefreut? Wahrscheinlich. „Ich habe zu viel mit den Zuschauern nach dem Spiel interagiert.“ Vor so einem großen Publikum hatte er vorher nicht gespielt. Dann folgt das Halbfinale. Becker wirft gut, aber vergibt zu viele Pfeile auf die Doppelfelder. Und ohne die kann man kein Darts-Spiel gewinnen. Arno Merk dagegen behält die Nerven und kegelt den Hildesheimer aus dem Wettbewerb.
Becker geht von der Bühne, wird sofort von seinem Anhang aufgebaut – vor allem von seiner Freundin. Dann verschwindet er hinter den Kulissen – allein. „Ich habe zehn Minuten für mich gebraucht. Ich musste erst mal durchatmen.“ Er zieht sich um und kommt zurück in die Halle, um Merk zu unterstützen. „Wenn es jetzt einer holt, dann Arno“, denkt sich Becker. Mit dem Peiner verbindet ihn eine Freundschaft, aber auch eine gesunde Rivalität. Sie treffen oft in lokalen Wettbewerben aufeinander. Nachdem Merk in der Halle 39 den Siegerpokal und das Ticket für die WM hochhebt, ist Becker einer der ersten Gratulanten.
Becker glaubt, dass Arno Merk gegen Peter Wright gewinnt
Und auch jetzt drückt er vor dem Fernseher seinem Peiner Kollegen bei der WM die Daumen. Der spielt am Dienstag gegen Peter Wright. „Ich glaube, dass Arno das holt“, sagt Becker. Aber beim gelernten Erzieher kommt auch Wehmut auf: „Wenn ich das Niveau im Ally Pally sehe, das dieses Jahr gespielt wird, denke ich mir, dass ich da auch mithalten könnte.“
Nach seinem Loch in Folge der Super League läuft es für den Hildesheimer wieder besser an der Scheibe. Er will sich im kommenden Jahr mehr auf Darts konzentrieren. „Ich plane, siebenmal zu Turnieren nach England zu reisen.“ Dafür muss er in seinem normalen Job im Kindergarten die Arbeitsstunden reduzieren. „Ich hoffe, dass ich das finanziell hinkriege.“ Der 22-Jährige sucht nach Sponsoren und muss die Fahrten noch selbst finanzieren. Doch er will sich unbedingt nach oben kämpfen – und dann im nächsten Jahr vielleicht bei der WM dabei sein.

