Gerrit Hamann gründet Filmstudio

Von Cristiano Ronaldo bis Lewandowski – Hildesheimer dreht mit den Fußballstars

Hildesheim - Als Nike-Marketing-Manager hat der Hildesheimer Gerrit Hamann mit Fußballstars wie Cristiano Ronaldo, Robert Lewandowski und Mario Götze gearbeitet. Nun will er mit den Profis Doku-Filme drehen.

Hildesheim - Eigentlich wollte Gerrit Hamann in diesem Jahr richtig durchstarten. Doch dann stoppte die Corona-Krise vorerst seine großen Pläne. Der gebürtige Hildesheimer hat zusammen mit weiteren Partnern in Berlin ein eigenes Filmstudio gegründet. Am 30. Januar wurde die Signature Studios GmbH ins Handelsregister eingetragen. Die Geschäftsidee: Dokumentationen mit bekannten Fußball-Profis.

Das ist keine Schnapsidee, denn Gerrit Hamann kennt sie fast alle: die großen Stars der Fußballszene. „Ich habe unter anderem mit Cristiano Ronaldo, Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang und Mario Götze zusammengearbeitet“, erzählt der 29-Jährige. Zu manchen pflegt er sogar gute persönliche Kontakte.

Wie es dazu kam? Das ist eine etwas längere Geschichte. Fangen wir ganz vorne an. Mit vier Jahren trat Gerrit Hamann beim TuS Grün-Weiß Himmmelsthür zum ersten Mal gegen den Ball. Als Zwölfjähriger wechselte er zum VfV 06 Hildesheim. Der Junge hatte Talent. Etliche Junioren-Bundesligisten wollten ihn verpflichten, unter anderem Hannover 96 und Eintracht Braunschweig. Doch Hamann hatte andere Pläne. Er bewarb sich für ein Stipendium in den USA. Die Bethel University in Tennessee angelte sich den 19-Jährigen. Der Hildesheimer studierte Business Administration und Management und kickte im Collegeteam der Uni.

Vom VfV 06 in die USA

Nicht so mein Ding

Gerrit Hamann über das Leben im konservativen Tennessee

„Eine interessante und lehrreiche Zeit“, sagt Hamann. Aber das Leben im sehr konservativen Südosten der Staaten sei auf Dauer auch etwas langweilig geworden: „Nicht so mein Ding.“ 2012 ging es für ihn einmal quer durch die Vereinigten Staaten. Er wechselte an die Concordia-University Portland, im Nordwesten des Landes. „Eine wunderbare Gegend und eine erfolgreiche Zeit“, berichtet Hamann. Noch im selben Jahr wurde er Westküstenmeister, zudem absolvierte er ein Praktikum beim Sportartikel-Hersteller Nike. Sein Studium beendete er 2014 als Jahrgangsbester. Notendurchschnitt 1,2. „Meine Eltern waren stolz wie Bolle.“

Ruth und Stefan Hamann freuten sich auch, als ihr Sohn nach Deutschland zurückkehrte. NIKE bot ihm eine Stelle als Marketing-Manager in Frankfurt an. Hamann überlegte nicht lange und griff zu. Für ihn war es die Eintrittskarte in eine andere Welt – die schillernde Welt des Profi-Fußballs. Der Hildesheimer war unmittelbar an den Planungen und Vorbereitungen für Werbefilme und Foto-Shootings mit vielen Stars beteiligt.

Dreh und Plausch mit Ronaldo

Cristiano wollte alles über mich und meine Zeit in den USA wissen

Gerrit Hamann

Weltfußballer Cristiano Ronaldo kannte er bislang wie viele andere Fußballfans nur aus dem Fernsehen – als extravaganten, scheinbar etwas abgehobenen Superstar. In Lissabon lernte er Ronaldo persönlich kennen. Mit Security und Freundin erschien er zum vierstündigen Werbedreh. „Ronaldo kam überhaupt nicht arrogant rüber“, erinnert sich Hamann. „Im Gegenteil: Er gab sich völlig normal, war nett und zuvorkommend.“ Nach dem Dreh habe sich Ronaldo nicht gleich verabschiedet. „Wir haben noch ein paar Stunden zusammen gesessen und uns super unterhalten. Cristiano wollte alles über mich und meine Zeit in den USA wissen. Das fand ich schon sehr bemerkenswert.“

Ein ganz anderer Typ sei Robert Lewandowski. Persönliches gebe der Bayern-Star nicht gern preis. „Ich habe ihn beim Dreh in München getroffen“, erzählt Hamann. „Lewandowskis Berater ließ durchblicken, dass Robert nicht so gut drauf sei. ,Das kann ja heiter werden’, dachte ich.“ Aber dann habe Lewandowski das Ding absolut professionell durchgezogen. „Ob auf dem Fußballplatz oder beim Foto-Shooting – er ist wirklich ein Profi durch und durch“, sagt Hamann. „Lewandowski funktioniert quasi auf Knopfdruck.“

„Es war für mich sehr aufschlussreich, zu sehen, wie die Profis wirklich sind.“ Manche mögen das Rampenlicht und bestätigen das Bild, dass die Medien und die Öffentlichkeit von ihnen zeichnen. Wie Pierre-Emerick-Aubameyang. „Er kam in seinem roten Ferrari zum Werbedreh“, berichtet Hamann. „Er ist ein cooler, lässiger und witziger Typ.“ Auch etwas oberflächlich? „Schon möglich.“ Leroy Sané, den er in Manchester traf, sei dagegen sehr zurückhaltend, fast schüchtern.

Gut befreundet mit Mario Götze

Der erkennt sämtliche Kaffeesorten am Geschmack

Gerrit Hamann über Mario Götze

Ein sehr gutes und persönliches Verhältnis pflegt Hamann zu Mario Götze, dem WM-Helden, der Deutschland 2014 zum Titel schoss und dennoch nie den ganz großen Durchbruch schaffte. Mario Götze könne man nicht mit wenigen Worten beschreiben, erklärt Hamann. Sein Bild in der Öffentlichkeit entspreche kaum seinem wahren Ich. „Mario ist ein sensibler und selbstkritischer Mensch, der sich oft hinterfragt. Er weiß, dass er nicht alles richtig gemacht hat, und dass er manchmal falsch beraten wurde.“ Hamann hat oft mit Götze gesprochen. „Wenn Mario jemanden näher kennt und ihm vertraut, dann öffnet er sich.“

In der Doku-Serie „Being Mario Götze“ hat der BVB-Profi zumindest einen Teil seines Privatlebens publik gemacht. „Und wer weiß schon, dass Götze ein absoluter Kaffee-Experte ist?“, lacht Hamann. „Der erkennt sämtliche Kaffeesorten am Geschmack. Wenn es „Wetten dass“ noch gäbe, wäre Mario ein heißer Kandidat.“

Nächstes Ziel: Dokus über Fußballer

Hinter die Kulissen blicken, und darzustellen wie sie wirklich sein, ihre Besonderheiten herausarbeiten – das reizt mich ungemein“, berichtet Hamann, der 2018 sogar zum Senior-Manager bei Nike aufstieg. Alles erreicht, könnte man meinen. Und dennoch schlug der Hildesheimer noch einmal einen anderen Weg ein. „Je höher man bei Nike steigt, um so bürokratischer, organisatorischer und politischer wird die Arbeit“, sagt er. „Ich will aber nah an den Menschen sein, ihre Persönlichkeiten ergründen und dies in Filmen kreativ darstellen.“

In Berlin lernte er den Geschäftsführer eines großen Filmproduzenten kennen. „Den Namen darf ich noch nicht verraten“, so Hamann. „Wir waren uns schnell einig, dass Dokumentationen mit Fußball-Profis sehr gefragt sind. Netflix, DAZN und Amazon Prime sind potenzielle Abnehmer.“ Der Markt sei heiß umkämpft. „Jeder will die Nase vorn haben. Und wir als Anbieter können ihnen dazu verhelfen.“

Mit seinen Partnern gründete er die „Signature Studios“. „Erste Verträge standen kurz vor der Unterzeichnung“, berichtet Hamann. „Zum Beispiel mit Leverkusen-Profi Leon Bailey.“ Die Geschichte des Jamaicaners sei fast unglaublich. Auch einen Film mit Kai Havertz kann sich Hamann gut vorstellen. „Ein sehr interessanter Mensch. Wussten Sie schon, dass Havertz ein ganz hervorragender Klavierspieler ist?“ Solche Geschichten sind es, die Gerrit Hamann erzählen will. Doch die Corona-Krise hat seine Pläne vorerst durchkreuzt. „Aber ich pflege meine Kontakte, die gehen ja nicht verloren“, sagt er. „Das ist eine stabile Währung. Dann legen wir eben später los.“

Mal wieder in Himmelsthür

Etwas Gutes hat die allgemein schwierige Situation für Hamann dann doch: „Ich war in den vergangenen Jahren immer auf Reisen. Jetzt bin ich mal wieder für längere Zeit bei meinen Eltern in Himmelsthür. Das ist auch mal ganz schön.“ Die Osterzeit genießen sie zusammen im heimischen Haus mit Garten.

Doch irgendwann wird er wieder aufbrechen – in die große weite Fußballwelt. Auch in der Krise schmiedet Hamann Pläne: „Wir haben einen großen europäischen Verein für eine Doku-Serie an der Angel. Am liebsten würden wir sofort loslegen.“ Aber die große Fußballwelt muss leider noch ein bisschen warten.

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