Angebunden und ausgesetzt

Ein Hund ausgesetzt an der A7, einer in einem Hildesheimer Mehrfamilienhaus: Nala und Fussel suchen ein neues Zuhause

Hildesheim - Wohl die einstigen Halter banden Hündin Nala am Treppengeländer in der Oststadt fest und ließen sie dort zurück. So erging es auch Fussel an der Autobahn 7. Die Hunde warten nun im Hildesheimer Tierheim auf neue Besitzer.

Nala ist in einem Treppenhaus in der Oststadt ausgesetzt worden. Foto: Andrea Hempen

Hildesheim - Wenn Nala sich freut, dann fliegen 25 Kilogramm Hund auf den Menschen zu. Genug Wucht, dass der Zweibeiner Mühe hat, auf den Beinen zu bleiben. Vielleicht überforderten Größe und Temperament Nalas Besitzer? Die unbekannten Eigentümer banden die junge, dünne Hündin am Montag vergangener Woche an einem Geländer in einem Treppenhaus in der Hildesheimer Orleansstraße fest und gingen fort. Nun ist Nala im Tierheim und wartet auf eine neue Familie.

Großer Hund ist noch nicht ausgewachsen

Nala ist vor Freude ganz aus dem Häuschen, als Tierheimleiterin Sabine Witte zu ihr in den Freilauf kommt. Auch die Zeitungsreporterin wird stürmisch begrüßt. Nala hopst, hüpft, dreht sich, wirft sich mit voller Wucht gegen den Menschen, damit sie gestreichelt werden kann. Dabei fehlt ihr vor lauter Freude allerdings die Ruhe. „Wenn man die Füße ansieht, weiß man, dass da noch was kommt“, sagt Sabine Witte und meint damit, dass Nala noch nicht ausgewachsen ist. Die Hündin, ihr Alter wird auf höchstens ein halbes Jahr geschätzt, ist groß und wird noch etwas größer. „Wahrscheinlich ist Dogge mit drin“, sagt Witte und lacht, als sie ihr Gleichgewicht zu halten versucht. „Du bist einfach umwerfend“, sagt sie zu Nala. Klare Sache: Für eine Familie mit kleinen Kindern ist Nala keine Kandidatin.

Hundeschule ist ein Muss für Nala

Die Tierheim-Chefin erklärt, dass Nala auf jeden Fall zur Hundeschule muss. Körper und Geist der Hündin müssen im neuen Zuhause ausgelastet werden. Theoretisch hat der Eigentümer der Hündin, die ihren Namen im Tierheim bekommen hat, noch ein halbes Jahr die Gelegenheit, sie zurückzunehmen. „Doch das passiert mit diesen Hunden, die praktisch vom Himmel gefallen sind, nie“, sagt Witte.

Und so wird auch der kleine Fussel nicht wieder in sein altes Zuhause heimkehren. Fussel ist ein kleiner männlicher Pudel-Malteser-Mix, der auf der A7 zwischen Wendhausen und Hildesheim ausgesetzt wurde. Ein Paar entdeckte das Tier am 14. Juni bei einer Zigarettenpause und brachte es ins Tierheim.

Fussel ein weißes Wölkchen

„Fussel ist freundlich, aber er mag nicht jeden“, erklärt Sabine Witte. Die Hundefrisörin, die ihm sein weißes verfilztes Fell abrasiert hat, die mochte er zum Beispiel nicht so. Deshalb musste der auf etwa drei bis fünf Jahre geschätzte Hund beim Frisör einen Maulkorb tragen. Tierfreunde, die sich für Nala oder Fussel interessieren, sollten sich zunächst telefonisch melden und einen Termin vereinbaren. Denn aufgrund akuten Personalmangels, ist das Hildesheimer Tierheim für Besucher vorübergehend geschlossen. Termine gibt es nach Absprache.

Gute Chancen

Die beiden Fundtiere dürften gute Chancen haben, schnell wieder eine Familie zu finden. Andere Bewohner dagegen warten schon seit Jahren auf eine zweite, dritte oder vierte Chance. Da ist etwa Rudi, der Heideterrier. Im Februar 2023 kam er zunächst als Pensionshund ins Heim, weil sein Mensch ins Krankenhaus musste. Der Halter wurde nicht wieder gesund und so blieb Rudi im Heim. Denn der Terrier hat keine weiße Weste. Sein ausgeprägter Jagdtrieb hat ihn dazu gebracht, einen Fahrradfahrer zu Fall zu bringen. Deshalb gilt Rudi als gefährlicher Hund. Er muss Maulkorb tragen, darf im Freien nur an der Leine von Menschen geführt werden, die eine entsprechende Prüfung abgelegt haben. Rudi ist sechs Jahre alt und macht einen sehr fröhlichen Eindruck.

Langzeitinsassen warten

Shiva, eine neunjährige Pitbull-Hündin, lebt seit 2018 im Tierheim. Dort geht es ihr um ein vielfaches besser, als in ihrem einstigen Zuhause, wo sie vernachlässigt und kurz vorm Verhungern gerettet wurde. Shiva mag nicht alle Menschen. Ganz im Gegensatz zu Bärbel und Klausi. Die beiden lieben Menschen, wollen ein Grundstück zum Bewachen und ein Sofa, auf denen man mit ihnen kuschelt. Seit 2021 leben Mutter (zehn Jahre) und Sohn (sieben Jahre) im Heim. Sie sind schwarz und groß, bringen 50 Kilogramm auf die Waage und gehören zur Rasse Cane Corso.

Mutter und Sohn seit vier Jahren im Heim

Haben Hunde, die schon besonders lange im Tierheim sind und schwer vermittelbar sind, noch eine Chance, ein Zuhause zu finden? „Ja, doch“, sagt Sabine Witte. Manchmal kommt der richtige Mensch, sucht genau diesen einen Hund und es passt. Bei Hunden wie Rudi, Shiva, Klausi und Bärbel aber mache der Tierschutz Hildesheim keine Kompromisse. Da müsse wirklich alles passen und die neuen Halter den Anforderungen gewachsen sein.

So lange bleibt das Tierheim an der Mastbergstraße das Zuhause für diese Hunde, denen das Leben dort so schön wie möglich gemacht wird. Dafür sorgen auch speziell geprüfte Gassigänger. „Grundsätzlich versuchen wir natürlich, allen Tierheimbewohnern hier das Leben so schön wie möglich zu machen“, ergänzt Sabine Witte. Aktuell zählen dazu übrigens auch 20 Katzenwelpen.

Das Tierheim Hildesheim ist unter der Rufnummer 0 51 21 / 9 57 57 –0 erreichbar.

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