Cyclus 66 trifft Steinkunst

Ein Leerstand in der Fußgängerzone von Hildesheim verschwindet dank ehrenamtlichen Einsatzes für ein halbes Jahr

Hildesheim - Ab Samstag spielt Musik in der Innenstadt von Hildesheim. Der Cyclus 66 feiert Jubiläum und öffnet in einem Laden seine Jazztime-Schatzkisten. Dafür hat sich der Verein mit einem anderen beliebten Angebot zusammengetan.

Rolf Haase wuchtet eine der Skulpturen in den Leerstand mitten in Hildesheim. Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - Die Jahre haben den Musiker gezeichnet. Die Skulptur eines Gitarristen, die Rolf Haase auf einer Sackkarre in die Fußgängerzone hievt, hat Rost angesetzt. Trotzdem strahlt der Stahlmann noch Lässigkeit und Lebensfreude aus. Das Kunstwerk passt also perfekt in diese Pop-up-Galerie. Denn neben der Steinkunst von Rolf Haase präsentiert sich auch der Cyclus 66, der Verein hinter der Jazztime, in diesem Leerstand mitten in Hildesheim. Immerhin gibt es ein Jubiläum zu feiern.

„Das ist eine schöne Klammer“, findet Haase, nachdem er die Sackkarre abgestellt hat. Denn vor 60 Jahren sei die Bildhauerkunst in Simbabwe groß geworden, erklärt der ehemalige Entwicklungshelfer. In Hildesheim wiederum gründeten Musikbegeisterte vor 60 Jahren den Cyclus 66. Das feiern die heutigen Mitglieder dieses Jahr natürlich auf der Jazztime und „im Vorstand kam die Idee auf, im Jubiläumsjahr den Verein in Hildesheim sichtbarer zu machen“, erklärt Frauke Ludwig aus eben jenem Vorstand.

Afrikanische Kunst trifft die „Blues Brothers“

Deswegen richten Haase und Ludwig jetzt einen Leerstand in der Almsstraße 24, zwischen Tchibo und Kochlöffel, gegenüber von Eierund, ein. In Vitrinen stehen Steinköpfe, auf Podesten abstrakte Skulpturen aus Stein und Stahl. An einer anderen Wand wiederum reihen sich in einem Holzregal die Gästebücher der vergangenen Jazztimes. „Es gibt hier echte Schätze zu bestaunen“, sagt Waldemar Lorenz. Das langjährige Vorstandsmitglied im Cyclus 66 blättert durch eines der Bücher, dann greift er in eine Kiste und holt eine Rolle aus gelbem Papier hervor.

„Das habe ich damals noch von Hand gesetzt“, erklärt er, während er das Plakat entrollt. Matt „Guitar“ Murphy, den legendären Blues-Gitarristen, kündigt es an. 1988 kam er für die Jazztime nach Hildesheim. „Das war eine Sensation damals“, erinnert sich Lorenz. Anfang der 1980er-Jahre lief „Blues Brothers“ in den Kinos und entfachte einen Hype um Musik und Musiker. Solche Erinnerungsstücke aus der Vergangenheit des Vereins sollen in der Pop-up-Galerie zu sehen sein. „Aber wir wollen auch den Blick in die Zukunft richten“, betont Ludwig.

Mr. Jazztime tritt ab

Die Diplom-Kauffrau, sonst Prokuristin bei den Harzwasserwerken, ist jüngst in den Vorstand nachgerückt. Nach 36 Jahren hat sich Lorenz – „Mr. Jazztime“, wie ihn seine Freunde nennen – entschieden, kürzerzutreten. Etwa 300 Mitglieder zählt der Verein, etwa 20 davon sind die Aktiven, also Ehrenamtliche, die an den Abenden in der Bischofsmühle zum Beispiel hinter der Theke stehen. Der Altersschnitt sei „über 40“, meint Ludwig und lacht. Darum soll es in der Pop-up-Galerie auch gehen: den Leuten den Verein schmackhaft zu machen.

„Das ist zwar anstrengend“, gibt Achim Mennecke, 1. Vorsitzender des Cyclus 66, zu. „Aber es macht auch Spaß.“ Nach jedem Pfingsten stecke allen zwar die Jazztime in den Knochen – aber auch das Gefühl im Herzen: Wir haben es wieder geschafft. „Es ist ein super Gemeinschaftsgefühl“, bestätigt auch Neu-Vorständin Ludwig. Sie sagt: Andere gehen zum Sport, wir organisieren Konzerte, sowohl zur Jazztime als auch regelmäßig in der Bischofsmühle.

Zur Eröffnung gibt’s ein Konzert

Aber auch in der Pop-up-Galerie soll Musik spielen. Am Samstag, 4. April, öffnen Steinkunst und Cyclus 66 zum ersten Mal die Türen. Dann können Neugierige reinschauen, in Erinnerungen stöbern und mit Vereinsmitgliedern ins Gespräch kommen. Um 13 Uhr gibt Marius Labsch ein Konzert. Der Eintritt zu allem ist kostenfrei.

Geld hingegen kosten die Arbeiten, die Steinkunst anbietet. Rolf Haase und seine Partnerin Martina Bartels-Eberlein bleiben ihrem Konzept treu. Sie kaufen die Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern aus Simbabwe. Wenn sie die Werke hier weiterverkaufen, bekommen die Ersteller in dem südafrikanischen Land auch noch eine Gewinnbeteiligung. Mit diesem Angebot ist das Duo in Hildesheim schon so bekannt wie beliebt.

Dann ist geöffnet

Geöffnet ist die Pop-up-Galerie von Steinkunst von April bis Ende September und durch die Künstler jeweils von Mittwoch bis Samstag zwischen 11 und 18 Uhr besetzt. Der Cyclus 66 ist von April bis Mai und dann wieder vom 15. August bis 30. September dabei. Die Vereinsmitglieder begrüßen von Donnerstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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