Kolumne Gefundenes Fressen

Ein Millionen-Gewinn im Lotto? Nein, danke!

Hildesheim - Glück haben und glücklich sein ist zweierlei. Die einen räumen Millionen im Lotto ab, die anderen leben mit der Familie in gewöhnlichen Verhältnissen und haben dennoch alles, was sie brauchen. So wie eine Hildesheimerin, die jetzt der Redaktion schrieb.

Die Kolumne Gefundenes Fresen erscheint jeden Montag in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Foto: HAZ

Hildesheim - Irgendwo im Landkreis gibt es einen neuen Lotto-Millionär, wir berichteten in den vergangenen Tagen darüber. Die Redaktion erreichte zu dem Artikel der Brief einer Leserin, in dem sinngemäß stand: Was denn, ein Millionengewinn im Lotto?! Na schönen Dank auch, sowas fehlte ihr gerade noch! Das Geld würde sie sofort verschenken, das könnte ihr gestohlen bleiben, überhaupt der Traum von einem neuen Leben, pffft! Sie will ihr Leben lieber so weiterleben, wie es jetzt ist, schließlich hat sie alles, was sie braucht: eine Familie, Gesundheit, ein schönes Zuhause. Was will man mehr?

Erst das Hamsterrad anwerfen, dann wieder rauswollen

Wie hinreißend, von solcher Zufriedenheit zu lesen. Eigentlich ist dem Menschen ja das Streben nach Veränderung eingeschrieben. Nach positiver, klar, ich kenne zumindest keinen, der nach Armut strebt oder irgendeiner Art von Verlust. Selbst wenn es gut ist, ginge es immer noch besser. Dass wir damit ein Hamsterrad anschmeißen, weiß jedes Kind, und wenn das endlich wie geschmiert läuft, dann träumen wir davon, ihm zu entkommen. Naja, irgendwie muss man sein Leben ja rumkriegen.

Und selbst am Ende hören die Wünsche nicht auf. „Ich möchte nicht durch meine Arbeit unsterblich werden. Ich will dadurch unsterblich werden, dass ich nicht sterbe“, sagte einst Woody Allen. „Ich will auch nicht in den Herzen meiner Landsleute weiterleben. Ich will lieber in meinem Apartment weiterleben.“ So mag es auch jener Leserin gehen. Obwohl ja nichts leichter ist, als nicht im Lotto zu gewinnen: einfach nicht spielen.

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