Sarstedt - Noch fährt regelmäßig ein Trecker über die Felder westlich der Bundesstraße 6 und südlich des Bürgerparks. Er bestellt die Felder, die im Süden an den Bruchgraben angrenzen. Doch damit soll bald Schluss sein, denn der Eigentümer benötigt die Fläche jetzt für einen anderen Zweck. Der Bundesforstbetrieb Niedersachsen will auf dem knapp 20 000 Quadratmeter großen Areal einen Wald aufforsten. Dabei agiert die Bundesforstbetrieb als Dienstleister für die Bundeswehr, die an anderer Stelle in der Region Hannover eigene Bauten in einem Waldstück errichtet und dafür eine Kompensationsfläche braucht.
Doch die Fläche liegt laut Landkreis Hildesheim in einem Vorbehaltsgebiet Landwirtschaft gemäß dem Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) des Landes Niedersachsen. Die Folge: „Naturschutzfachliche Kompensationsmaßnahmen“ sollen außerhalb dieser Flächen durchgeführt werden. Doch ein anderes Kapitel des RROP sieht vor vor, dass der Waldanteil in der Stadt Sarstedt erhöht werden soll. Für den Landkreis ist in der Abwägung klar: „Eine Aufforstung der Fläche ist aus raumordnerischer Sicht als positiv zu betrachten.“
Wald wird Pufferzone zwischen Bundesstraße und Wohngebiet
Alle Beteiligten sehen in der Umwandlung der Ackerfläche in einen Wald ausschließlich Vorteile. Da das Areal zwischen der vielbefahrenen Bundesstraße 6 zwischen Hildesheim und Hannover sowie dem Wohngebiet mit den Straßen Am Bruchgraben und Am Bürgerpark liegt, bietet der Wald eine willkommene Puffer- und Schutzfunktion. „Schadstoffe und und Feinstaub werden genau da gebunden, wo die schädlichen Abgase entstehen“, heißt es in einem Schreiben des Bundesforstbetriebs an die Stadt Sarstedt.
Für die Stadt Sarstedt hat der ganze Vorgang mehrere Vorteile. Der größte: Die Stadt könnte die Waldfläche in ihrem Gebiet kostenfrei vergrößern, da der Bundesforstbetrieb sowohl das Aufforsten des Areals als auch die Verkehrssicherheit gewährleistet. „Das Areal wird von uns entwickelt und gepflegt“, sagte Dirk Drewes von Bundesforstbetrieb Niedersachsen im Gespräch mit dieser Zeitung. Anfangs könnten Bereiche des Aufforstungsgebiets nach Bedarf zum Schutz vor Schwarz- und Rotwild eingezäunt werden. Sobald sich die Bäume ausreichend entwickelt haben, bekommt Sarstedt ein Naherholungsgebiet für Spaziergänger, Hundehalter und Jogger.
Bundesforst übernimmt Aufforstung
Auch mit dem Landwirt, der als Pächter die Fläche bewirtschaftet, geht der Bundesbetrieb in Gespräche. „Wir schließen Risikopachtverträge, die vorzeitig kündbar sind“, erklärt Dirk Drewes. Dabei überprüft der Bundesbetrieb immer, wie betrieblich relevant die Fläche, ob eine Kündigung eventuell existenzbedrohend wäre und bietet dem Landwirt gegebenenfalls Ersatzflächen an.
Betroffen sind von der Umwidmung auch Nachbarflurstücke, die dann möglicherweise nur noch eingeschränkt wirtschaftlich zu nutzen wären. Hier steht die Möglichkeit im Raum, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Oberbehörde des Bundesforstbetrieb die Flächen kauft und ebenfalls aufforstet. Die erste Hürde hat der geänderte Bebauungsplan bereits im Stadtentwicklungsausschuss genommen. Das Aufforsten beginnt auf jeden Fall in einem Herbst. Offen ist noch in welchem Jahr.
