Hildesheim - Ja, die Veränderungen im Leben – die kennen wir alle. Früher war dieses oder jenes so, heute ist es ganz anders. Wie ich darauf komme? Halloween steht vor der Tür. Und ich verrate wohl kein Geheimnis, wenn ich schreibe: Früher, da war hier kein Halloween. Als ich Kind war, da gab es genau eine Gelegenheit zum Verkleiden – Rosenmontag. Hartgesottene kamen auch am Folgedienstag noch verkleidet in Kita oder Grundschule, dann allerdings war Schicht fürs Jahr.
Erst Astronaut, nun Sensenmann
Heutzutage sehen sich Eltern gezwungen, ein zweites Mal Kostüme zu ordern, nämlich zu Halloween. Mein Neunjähriger war im Februar Astronaut, nun möchte er als Sensenmann zur Halloweenparty gehen. Der sechsjährige Bruder hat diese Order mitbekommen, steht zwar nicht auf der Gästeliste, will sich nun aber auch verkleiden, vielleicht als Geist. Für in der Produktion wohl billigste Ramsch-Polyesterstoffe zahlt man gerne 40 Euro oder mehr, nur weil Gruselkostüm draufsteht und Leuchteaugen mitgeliefert werden. Halloween, eigentlich ja ein Brauch aus Irland, wird in Deutschland längst akribisch geplant und vorbereitet, Häuser werden geschmückt und riesige Partys geschmissen.
Süßes an der Haustür
Und Halloween ist mittlerweile auch der Tag, an dem Kinder von Haus zu Haus ziehen und Süßes wollen. Vor zwei Jahren kam mein Sohn nach einer solchen Tour durch Holle mit einem Zuckervorrat heim, der fürs ganze Jahr reichte. Gibt es außer mir noch jemanden, der als Kind an Rosenmontag „Ich bin ein kleiner König, gebt mir nicht zu wenig“ gesungen hat und teils Mandarinen oder Äpfel bekam? Egal. Was mich vor allem umtreibt: Brauchen wir in unserer derzeitigen Realität, die Stoff für jeden Horrorschocker liefert, wirklich einen Extratag zum Gruseln? Oder brauchen wir ihn vielleicht gerade deshalb?

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