Hildesheim - Es war ein mieser Tag mit grauem Himmel, Nieselregen und Wind, meine Stimmung war mau. So ein Tag, an dem ich am liebsten unsichtbar gewesen wäre. Du kennst dieses Gefühl bestimmt auch, oder Julia? Leider musste ich dann doch das Haus verlassen – für den bevorstehenden Urlaub musste eine Regenjacke her. Irgendwann bezwang ich an diesem Samstag also die Antriebslosigkeit und ging in die Stadt. Schwierig: Wohl an keinem anderen Tag ist die Stadt so voll wie am Wochenende, und auf Smalltalk hatte ich so gar keine Lust. Ich wählte daher die Undercover-Taktik der Stars und setzte mir eine Cap auf. Der Trick klappte ganz hervorragend, Julia! Bestimmt fünf Bekannte gingen an mir vorbei, keiner nahm Notiz von mir. Toll. Komischerweise war es dann mit der Unsichtbarkeit vorbei, als ich im Modehaus ankam. Erst sprach mich eine freundliche Dame an, die auf der Suche nach einem Spiegel war. Wir scherzten kurz – dann zog ich weiter durch die Gänge. Als ich dann am anderen Ende des Geschäfts die Jacke meiner Wahl anprobierte, sprach mich die nächste Kundin an. „Sieht gut aus!“, rief sie mir zu. Einfach so, aus dem Nichts. Wie nett! Nicht nur wegen des unerwarteten Kompliments – so half sie mir auch ganz ungefragt bei der Kaufentscheidung. Ganz ehrlich: Dieser Moment hat meine Laune deutlich nach oben gezogen, die freundliche Begegnung holte mich aus meinem Miesmuschel-Dasein heraus. Wir sollten wirklich viel öfter nette Dinge zueinander sagen, auch zu Fremden. Kleiner Satz, große Wirkung. Und außerdem zeigte mir dieser Samstag mal wieder, wieso das Shoppen vor Ort so toll sein kann. Denn zu Hause vor dem Pakethaufen hätte mir wohl niemand gesagt, dass mir die Jacke steht.
In der HAZ-Kolumne „Unter uns“ schreiben sich Katharina Brecht und Julia Haller zu Themen, die sie bewegen.
