Hildesheim - Bislang hielt ich ja die Geschichte mit der Nusstorte für die allertraurigste im Zusammenhang mit Hinrichtungen. Kennen Sie die? Sie trug sich 1992 in Arkansas zu. Dort sollte Ricky Ray Rector hingerichtet werden, verurteilt dafür, dass er 1981 einen Mann in einem Restaurant erschoss und später den Polizisten, dem er sich eigentlich hatte stellen wollen.
Na jedenfalls: Der Tag der Hinrichtung kam, und der Insasse durfte sich zu essen aussuchen, was immer er wollte – die berühmte Henkersmahlzeit. Er bestellte dies und das und als Nachtisch ein Stück Nusstorte. Als er aber dies und das aufgegessen hatte, passte die Nusstorte einfach nicht mehr rein, und er sagte den Wärtern, das sei ja nicht schlimm, er würde die Torte für morgen aufheben. Der Mann hatte nachweislich einen IQ von etwa 70, er verstand beim besten Willen nicht, was um ihn herum vorging. Hingerichtet wurde er dennoch. So wie 1682 weitere Menschen in den USA seit der Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1976. Weltweit waren es laut Amnesty International allein im vergangenen Jahr mindestens 2707 Menschen, die in 17 Ländern der Welt zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden.
Christa Pike überlebt ihre Hinrichtung
Nun hat Christa Pike in Tennessee ihre geplante Hinrichtung überlebt, Ärzte kämpfen derzeit um ihr Leben – möglicherweise, damit sie dann tatsächlich hingerichtet werden kann. Wie irre und unmenschlich kann ein System sein? Irre und unmenschlich ist natürlich auch jeder der Morde, für die die Todeskandidaten zumeist verurteilt wurden. Aber so viel ich weiß, hat die Todesstrafe noch nie ein Opfer wieder lebendig gemacht. Sie hat immer nur neue gefordert.
Christa Pike war übrigens klar, was ihr bevorsteht. Ein letzte Mahlzeit lehnte sie ab. Sie wollte, dass stattdessen Obdachlose eine Pizza spendiert bekommen.
