Einweihung

Eine bunte Fassade der Freundschaft am Hildesheimer Angoulême-Platz

Hildesheim - Eine Künstlerin aus Hildesheims französischer Partnerstadt Angoulême hat das Puls-Gebäude optisch aufgehübscht. Aber das ist noch nicht alles.

Geschwungene Pinselstriche: Das Puls-Gebäude am Hildesheimer Angoulême-Platz hat die einstige Tristesse hinter sich gelassen. Foto: Björn Stöckemann

Hildesheim - Kaboum! So stellen sich die Studierenden am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim also die Enthüllung der Fassadengestaltung am Puls vor. Diese Lautmalerei haben sie zumindest als Titel ihres deutsch-französischen Freundschaftsfests gewählt, mit dem der Verein sein Kunstwerk am Angoulêmeplatz einweiht.

Zufriedene Geschäftsführerin

Tatsächlich knallt es bei dieser Gelegenheit nicht, dafür gibt es aber Chansons mit Akkustikgitarre. Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis aus der Skizze ein Gemälde an der Fassade geworden ist. Ist Puls-Geschäftsführerin Sabine Zimmermann zufrieden mit dem Ergebnis? „Ja“, bestätigt sie. „Mit drei A und drei Ausrufezeichen“, fügt sie, passend comichaft, hinzu.

Julie Gore, aus Hildesheims Partnerstadt Angoulême, welche dem Platz, an dem der Puls liegt, auch seinen Namen gibt, hat sich in einem Wettbewerb durchgesetzt. Nach ihrem Entwurf winden sich jetzt dicke Pinselstriche in Blau-, Rot- und Gelbtönen über Fenster und Fassaden zum Platz hin. Dass dazwischen immer noch die Steinplatten zu sehen sind, war ein Wunsch der Jury.

Wetterbeständige Folie

„Eine sehr gute Entscheidung“, findet Zimmermann. „Dadurch verbindet sich Altes mit Neuem und das Haus bleibt sichtbar, statt verklebt zu sein.“ Denn die Verzierung ist keine Farbe, sondern eine Folie. Mindestens fünf Jahre soll sie bleiben. Wetterbeständig ist das Material. Das hat der Puls schon 18 Monate lang mit einer anderen Arbeit – einem Auge über der Tür – ausprobiert. Die Fensterfront zur Jan-Pallach-Straße soll begrünt werden. Die ersten Drähte sind schon in den Fensterrahmen gespannt, die Pflanzen brauchen jetzt Zeit. Dann sollen sich unter anderem Waldreben dort ranken, um für gutes Klima zu sorgen.

Zuschuss von EU-Geld

56500 Euro hat das Projekt gekostet. 6000 Euro gibt die Stadt, 50500 Euro fließen über die N-Bank von der EU. Vorerst hat die Stadt allerdings die ganze Summe finanziert. Denn die EU-Gelder kommen erst nach Abschluss und Prüfung des Projektes. So lange musste die Stadt dem Verein einen zinslosen Kredit gewähren. „Es steht aber außer Frage, dass wir die 50500 Euro zurückzahlen“, betont Zimmermann. Wann kann sie aber noch nicht sagen.

Kurzlebige Kunstwerke

Weniger kostspielig, aber auch kurzlebiger sind die Kunstwerke auf dem Platz. Dienstagvormittag haben Schulklassen sich dort mit Kreide ausgetobt. Die Workshops gehören zum „Kaboum!“-Festival. Damit feiern Studierenden sowohl das 60. Jubiläum des Élysée-Vertrags als auch das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen der Uni Hildesheim und der Les Beaux-Arts de Marseille. Solange besteht die Möglichkeit, einen Master in Kulturvermittlung ein Jahr dort und ein Jahr hier zu studieren.

Hochburg der Comic-Kultur

Eine Ausstellung, die noch bis Donnerstag zu sehen ist, gehört auch zu dem Festival. Die Kooperation freut auch Oliver Rösner, bei der Stadt für Städtepartnerschaften zuständig. „Angoulême ist eine Hochburg der Comic-Kultur“, weiß er. Gestaltete Häuser, wie jetzt in Hildesheim, gehören dort zum Stadtbild. Selbst manche Straßenschilder sehen dort so aus, es gibt ein Comic-Museum und ein internationales Festival.

Auch das Fest in Hildesheim stößt auf Interesse. Kinder schauen den Studierenden beim Zeichnen über die Schulter, Gäste schmökern in Sessel in Comics, eine ältere Dame erzählt einer Puls-Mitarbeiterin, dass Comics in ihrer Kindheit kaum zu bekommen waren. Für Gregor Pellacini wiederum zeigt sich die Buntheit des Quartiers jetzt am Puls. Der 34-Jährige fungiert dort ab sofort als Quartiersmanager. Vorher hat der studierte Kulturvermittler in der Servicestelle Kultur des Landkreis Peine gearbeitet. „Ich finde spannend, dass die Fassade keine Gesichter, sondern Hände zeigt“, erklärt er. „Da will man sofort die Hand geben – und anpacken.“

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