Hildesheim - Tanzvorführungen, Kostümführungen, Musik – live gespielt oder vom DJ-Pult, Ausstellungen von klassisch bis skurril, Museumsbesuche von überraschend bis lustig, mit oder ohne Führung, Theaterstücke oder Workshops: Die Liste der Möglichkeiten in der Langen Nacht der KulturWelten ist lang. Und das alles bei freiem Eintritt. Der Kulturkonsum geht dabei häppchenweise oder herkömmlich: Kurzfassungen und Ausschnitte eigentlich abendfüllender Produktionen stehen neben dem langen, genauen Betrachten eines Bildes oder – beispielsweise – einer ägyptischen Skulptur. Die Musikschule lädt zur Jam-Session von Mozart bis zu den Beatles. All das bietet die Lange Nacht der Kulturwelten. Es geht um Gewohntes, irgendwie Erwartbares, aber auch um Überraschendes: Was macht zum Beispiel die „Brücke der Kulturen“ im „Haus der Vielfalt“? Beim Durchblättern des 32-seitigen Programmhefts fragen sich Leserinnen und Leser: Was weiß ich eigentlich von Hildesheim? Es gibt viel zu entdecken zu später Stunde.
Nicht ohne Programmheft
Dabei hilft die offizielle Broschüre, in der alle rund 150 Angebote aufgeführt sind. Schön gestaltet, sinnvoll gegliedert und mit Texten versehen, die Lust auf die Acts und Events machen. Inklusive einer Karte, auf der sich die Nachtschwärmer einen groben Überblick verschaffen können. Die Macherinnen und Macher haben viel bedacht: Zum Beispiel ist den Veranstaltungsorten immer die nächstgelegene Haltestelle vorangestellt. Auch Hinweise zur Barrierefreiheit sind immer mit dabei – die Hildesheimer Initiativen „Impuls Inklusion“ und „kulturINKLUSIV“ haben beraten. Für alle, die sich einen Plan für die Lange Nacht machen wollen, ist wichtig zu wissen: Aufführungen wie „Beyond Gravity“ – Tanz, Akrobatik und Luftartistik mit Ars Saltandi – dauern jeweils 30 Minuten und finden in mehreren Durchläufen statt. Ausstellungen wie „Ein künstlerischer Blick auf die Welt“ beim Verein „KulturLeben“ Hildesheim in der Osterstraße, zusammengestellt von der Kunst-Oberstufe des Goethegymnasiums, können über den gesamten Zeitraum des Abends besucht werden. Insgesamt sind 21 Anbieter dabei: die Dance & Drama School Ars Saltandi, die Hildesheimer Kostümführer, die Kulturfabrik Löseke, der Verein „KulturLeben“ Hildesheim, der Kunstverein Hildesheim im Kehrwiederturm, das Literaturhaus St. Jakobi, die Martin-Luther-Kirche, die Musikschule, das RPM, das Schulmuseum der Universität, das Theater für Niedersachsen, das Theaterpädagogische Zentrum, die freie Theatergruppe TDT, die Interessengemeinschaft Kultur Hildesheim (IQ) und die Volkshochschule.
Das sind noch nicht alle. In einer Straße haben sich Gleichgesinnte zu den „Kulturwelten Bischofskamp“ zusammengefunden: der Verein Brücke der Kulturen Hildesheim, die Maschke Hausgeräte-Sammlung, die Museumswohnung Hildesheim, das „WortSchatzMuseum“ (MUTZ) mit seiner Teestube, der Ausstellungsort Rasselmania und der Kampfkunstverein „Ta WingTsun“ Hildesheim. „Der Gedanke eines Gemeinschaftsprojekts und zur Vernetzung anzuregen, ist hier schon mal geglückt“, sagt Meret Meret Buchholz vom tfn. „Ein gemeinsames Projekt ist toll“, findet auch Stefan Kühn von Rasselmania. Direkt gegenüber der als Galerie in einer alten Werkhalle befindet sich die Museumswohnung. „Wir kannten uns schon untereinander und haben uns im Rahmen der Vorbereitungen für die Langen Nacht der KulturWelten vernetzt“, sagt die Leiterin Maren Weniger. Sie hat Marita Riedlinger vom mobilen Pop up-Museum MUTZ eingeladen: „Wenn sich Menschen einfach begegnen und in Interaktion gehen, fände ich das schön“, sagt sie und sie wünscht sich auch, dass die Lange Nacht die Grenzen von Milieus überwindet. Angesprochen sind alle Altersgruppen ab zehn Jahren.
Programm bis spät in die Nacht
Später am Abend, wenn die 50er-Jahre-Wohnung für den Publikumsverkehr schließen muss, weil es dort reguläre Nachbarn gibt, wollen sie sich noch bei Stefan Kühn treffen. Dort gibt es dann Live-Musik auf die Ohren, Fotoausstellungen und Skulpturen als visuelle Reize. Zuvor wollen sie sich noch die Elektrogeräteausstellung schräg gegenüber ansehen. Bei einem Vorbereitungstreffen erzählen die drei davon, was alles unter den erweiterten Kulturbegriff fällt – nämlich viel mehr als die Hochkultur, und wie sie sich auf die vielen Flaneure freuen, die Kunst und Kultur mal in einem anderen Kontext erleben wollen – für eine Nacht als Festival.

