Büchten/Hildesheim - Die meisten kennen sie als wortgewandte, schlagfertige Moderatorin: Alida Gundlach. Nicht so bekannt ist, dass sie am 17. Juli 1943 in Hildesheim zur Welt gekommen ist – im Bernward Krankenhaus. Nun feiert die Fernsehfrau, Tänzerin, Sängerin, Autorin und jetzt vor allem Tierschützerin ihren 80. Geburtstag.
Gerstenbergsche Buchhandlung in Hildesheim
Nicht, dass Sie denken, ich sei Dagmar Berghoff – meine Friseurin hat nämlich die Farbe verwechselt
Rappelvoll war im September 1998 die Gerstenbergsche Buchhandlung, als Alida Gundlach ihrer Geburtsstadt Hildesheim mal wieder einen Besuch abstattete, um ihr neues Buch „Socke & Konsorten. Tierische Geschichten aus meinem Paradies auf Mallorca“ vorzustellen. Rund 350 Gäste hatten sich seinerzeit im Tempelhaus am Marktplatz eingefunden. Und in gewohnter, spitzbübischer Manier legte die Frau mit der eigentlich typischen Rothaar-Frisur los: Gut, dass der Leiter der Buchhandlung sie vorgestellt habe. Denn: „Nicht, dass Sie denken, ich sei Dagmar Berghoff – meine Friseurin hat nämlich die Farbe verwechselt.“ So hatte die Dunkelblonde nicht nur gleich die Lacher auf ihrer Seite, sondern kostete auch ihren Heimvorteil aus. Unverblümt erzählte sie, dass sie sich an „langweilige Schulausflüge zum hundertjährigen Rosenstock“ erinnern könne.
Legendäres Interview mit Klaus Kinski
Ich bin um zehn Jahre gealtert, aber missen möchte ich ihn nicht
Sie selbst steht vor allem für gute, mitunter pointierte Unterhaltung: Für mindestens zwei Generationen eines Fernsehpublikums hat Alida Gundlach das Format der Talkshow in Deutschland geprägt. Einen denkwürdigen Abend, der in die deutsche Fernsehgeschichte einging, erlebte sie als Gastgeberin im Oktober 1985. Schauspieler Klaus Kinski geht als Talkgast auf Totalverweigerung. Er greift Gundlach vor laufender Kamera scharf an, spricht dafür lobend über ihren Po, will aber nichts von seinen Filmprojekten erzählen. Wie eine Löwendompteurin versucht Gundlach ihren schwierigen Gast zu bändigen, der Schlagabtausch geht über eine Viertelstunde. Als Kinski sogar nach ihrem Oberschenkel greift, fängt sie seine Hände ab und behält dabei den Augenkontakt – Szenen, wie sie heute im TV nicht mehr denkbar wären. „Egomane“ und „Erotomane“ nennt sie den 1991 gestorbenen Kinski. „Ich bin um zehn Jahre gealtert, aber missen möchte ich ihn nicht“, sagt die resolute Moderatorin, die eigentlich höchst selten sprachlos war.
Nach ersten Moderationen bei Radio Luxemburg und Südwestfunk steigt Gundlach beim NDR 1974 zunächst als Moderatorin der „Aktuellen Schaubude“ ein, 1984 dann bei der „NDR Talk Show“. Mehr als 17 Jahre ist sie dort in der illustren Runde zu erleben. 2002 hört sie nach 220 Sendungen auf – nach 2200 Gästen und 25 Moderationspartnerinnen und -partnern. Zusammen mit ihrem Co-Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt leitete sie die Talk-Sendung am längsten.
Ich finde die Leute seltsam, die immer das Alter thematisieren, mein Kopf und Körper wissen nichts von dieser Zahl
Ihren runden Geburtstag möchte die gebürtige Hildesheimerin nicht besonders ernstnehmen. „Ich finde die Leute seltsam, die immer das Alter thematisieren, mein Kopf und Körper wissen nichts von dieser Zahl.“ Sie fühle sich heute belastbarer und arbeite mehr als je zuvor in ihrem Leben. „Ich glaube, dass viele Leute sich zu wenig zutrauen“, meint die umtriebige Tierliebhaberin, die mit ihrem zweiten Mann Burckhard Gundlach mitten auf dem Land im kleinen Dörfchen Büchten im Süden der Lüneburger Heide lebt. Dort hat sie den Verein „Tierwork“ für vernachlässigte Tiere gegründet hat. Alida Gundlach hat auf ihrem Gnadenhof Hunde und Katzen, Schafe und Pferde. „Im Notfall nehmen wir alles, was vier Beine hat.“ Nach eigenen Angaben hat sie bis heute 1782 Tiere befreit und an ein neues Zuhause vermittelt. Die quirlige Fernsehwelt, in der sie viele Jahre mitmischte, vermisst sie so gar nicht. Die Menschen in den Großstädten seien ihr zu eilig, so sagt die rastlose Frau mit den hellwachen Augen.
Ich bin eine Kämpfernatur, deswegen bin ich so fit geblieben
Ihre Kindheit hat die Tochter einer italienischen Pianistin und eines niederländischen Journalisten geborene Alida Fischer allerdings nicht in Hildesheim, sondern bei den Großeltern in Italien verbracht. Ihre Gene als Halbitalienerin macht sie auch dafür verantwortlich, dass sie mit einer großen Portion positiver Energie ausgestattet ist. „Ich bin eine Kämpfernatur, deswegen bin ich so fit geblieben.“ Zuversicht und Kampfgeist habe sie von den italienischen Großeltern geerbt, die haben ihr das vorgelebt. Zurück in Deutschland hat Gundlach 1966 eine Ballettschule in Hannover gegründet. Die gelernte Exportkauffrau studierte zudem vier Jahre lang Psychologie. „Das hat mir viel gebracht – den anderen hinter die Kulissen zu gucken“, meint sie.
2008 ist sie mit ihrer Bühnenshow „Zeit“ auf Tournee gegangen
Höhen und Tiefen sind wichtig, auch für den Umgang mit anderen
Gundlach hat ein rundes Dutzend Bücher geschrieben, auch Kinderbücher. Sie hat mehrere Fernsehreihen produziert, eine CD aufgenommen und ist 2008 mit ihrer Bühnenshow „Zeit“ auf Tournee gegangen. Dabei erlitt sie einen schweren Hörsturz, es dauerte ein Jahr, bis sie wieder gesund war und ihre Karriere fortsetzen konnte. „Diese Ausreißer nach unten und nach oben hatte ich mein ganzes Leben“, sagt sie. Von 30 bis 40 habe sie die schwerste Zeit gehabt: „Höhen und Tiefen sind wichtig, auch für den Umgang mit anderen“, meint Gundlach, die auch den Tod einer kleinen Tochter und eine Krebserkrankung bewältigen musste. Kraftquellen seien ihr unerschütterlicher Optimismus, zwei Söhne und fünf Enkelkinder, ein Helferlein-Syndrom sowie der Wille, immer wieder neu anzufangen. Ihr fester Glaube ist, dem Leben stets positiv gegenüberzustehen.
Text in Zusammenarbeit mit Britta Körber, dpa




