50 bis 100 Konzerte im Jahr

Eine Hildesheimerin erlebt ihr Traumkonzert in der Royal Albert Hall – und bringt ein ganz besonderes T-Shirt mit

Hildesheim - Um ihre Favoriten live zu erleben, ist Corinna Hauk kein Weg zu weit. In der Londoner Royal Albert Hall hat sie sich einen langgehegten Traum erfüllt. Die ungewöhnliche Geschichte eines ganz besonderen T-Shirts.

Es ist nur ein weißes Stück Stoff mit schlichter Aufschrift – doch für die Hildesheimerin Corinna Hauk steht das T-Shirt für einen ganz besonderen Moment in ihrem Leben. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Diese Wohnung ist bis zum Anschlag voll mit Musik. Schon das enge Treppenhaus ist zugepflastert mit Tour-Postern. Der Flur: ein Sammelsurium aus Postkarten, darunter eine mit der Botschaft: „Kein Konzert ist auch keine Lösung.“ Und erst das Wohnzimmer: „Mein Mann wollte nur bestimmen, wo die Soundanlage hängt, ansonsten durfte ich mich hier austoben“, erklärt Corinna Hauk. Und das hat sie ganz offensichtlich auch getan.

Über dem Sofa hängt ein Banksy-Bild, der Rest der Wände gehört eindeutig Biffy Clyro. Tour-Plakate, Plattencover, Zeichnungen, Eintrittskarten, der Miniatur-Nachbau eines Bühnensettings, Schlagzeug-Stöcke, Band-Puzzle, Gitarrenplektren, Live-Fotos und sogar, gerahmt und hinter Glas, ein schwarzes Handtuch. „Das wurde mir zufällig vom Sänger an den Kopf geworfen“, sagt Corry, wie sie von ihren Freundinnen und Freunden genannt wird. Sie würde sich um so etwas nicht reißen, betont sie, schließlich betreibe sie keinen Fankult.

Für Biffy Clyro nach London

Ein Fan ist sie aber auf jeden Fall, und das beweist nicht zuletzt das T-Shirt, das sie jetzt hervorholt und das normalerweise in einem Rahmen im Flur hängt. Es ist weiß und trägt in schlichten, schwarzen Lettern den Aufdruck „Biffy Clyro London Royal Albert Hall 24.09.18“. Darunter die Autogramme der drei Band-Mitglieder. Das T-Shirt hat sie in London gekauft, die Unterschriften ein paar Tage später in Hamburg abgestaubt. Da ist es ihr gelungen, die Band nach dem Konzert am Bühneneingang abzupassen.

Für einen „Musik-Freak“ (Corinna Hauk über Corinna Hauk) war die Royal Albert Hall immer schon ein Sehnsuchtsort. Wie viele legendäre Konzerte von Pink Floyd über Cream bis zu Robbie Williams haben hier stattgefunden. Ihr älterer Bruder durfte den prächtigen Kuppelbau mit dem Papa schon in den 80ern besuchen, „aber da war ich noch zu klein“, sagt die 46-jährige Hildesheimerin.

All diese Tickets hatte sie problemlos im Vorverkauf besorgen können, nur die Royal Albert Hall war sofort ausverkauft. Ein Bekannter gab ihr den Tipp: „Frag doch mal direkt in der Venue.“ Und tatsächlich, in der Albert Hall ergatterte sie noch zwei Restkarten.

„Die Akustik ist mind-blowing“

Es passte schließlich alles. Corry und Nic, die immer schon viele Stunden vor dem offiziellen Einlass an Ort und Stelle sind, begegneten an der 1871 eröffneten Halle „dem nettesten Security, den wir je getroffen haben“. Der ließ sie etwas früher hinein als den Rest des Publikums, so dass sie ihre schweren Rucksäcke schon einmal loswerden konnten. Und dann hatten sie reichlich Zeit, sich in dem geschichtsträchtigen Gebäude umzuschauen, in dem immer eine spezielle Loge für die Königsfamilie frei gehalten wird.

Die Royals haben Biffy Clyro offenbar nicht auf dem Zettel, die Loge blieb an diesem Abend frei. Trotzdem sei die Atmosphäre, als sich der Rundbau mit den drei Galerien langsam füllte, „schwer besonders“ gewesen, sagt Corinna Hauk. „Die Akustik ist mind-blowing“, fügt sie hinzu – überwältigend, unfassbar. Und das Konzert? „Wie immer fantastisch.“ Ungewohnt sei es gewesen, die Indie-Band nur mit akustischen Instrumenten zu erleben: „Sonst blasen sie einem ordentlich den Kopf weg.“

Biffy Clyro ist nicht die einzige Band, die Corinna Hauk schon zigfach live erlebt hat – 50 bis 100 Konzerte kommen bei ihr im Jahr zusammen –, doch der absolute Favorit: „Die haben für alles, was mir schon Leben passiert ist, immer den richtigen Song gehabt. Bei Neuveröffentlichungen teilweise auch den richtigen Song im richtigen Moment.“

Im September nach New Jersey?

Seit 2014 ist sie der Band auf den Fersen. Neben der Unplugged-Tour 2018 war auch die 2022er Europa-Tournee von Biffy Clyro ein Höhepunkt. Da hatten sie sich, diesmal zu dritt, für sieben Konzerte in zehn Tagen einen Mini-Nightliner gemietet. „Für uns war es ein Abenteuer“, sagt sie. „Nic und ich sind beide begeisterte Autofahrerinnen.“ Und so konnten sie die Nächte durchrollen: eine am Steuer, eine zum Wachhalten der Fahrerin auf dem Nebensitz und eine in der Schlafkoje. Warum der Aufwand? „Wir sind ein bisschen bekloppt und gerne früh da, aber bisher hat es sich immer gelohnt.“ Der Lohn, von dem sie spricht, ist ein Platz ganz vorne in der ersten Reihe.

Im Sommer ist Festivalzeit, parallel treibt Corinna Hauk schon die Pläne für den Herbst voran. Da soll es für drei Konzerte von Biffy Clyro nach Glasgow gehen. Und vorher, wenn es irgendwie noch möglich sein sollte, an Tickets zu kommen, zum Heimspiel von Bruce Springsteen in New Jersey, Asbury Park. Konzerte, sagt Corinna Hauk, sind für sie der perfekte Ausgleich für den Alltag als Office Allrounder, also Mädchen für alles, in einer hannoverschen Consulting-Firma. „Nach einem Konzert bin ich fertig“, berichtet sie, „aber ich bin schön fertig.“

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