Corona-Schnelltests

Eine Apothekerin aus Hildesheim über das Dilemma mit den Corona-Tests

Hildesheim - Soll sie künftig Schnelltests anbieten? Warum eine Apothekerin aus Hildesheim haderte – und wieso sie sich schließlich doch dafür entschloss.

Corona-Schnelltests sind ein Baustein zur Bekämpfung der Pandemie - doch noch sind viele Fragen offen. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Eigentlich wollte die Apothekerin Maike Rebentisch keine Schnelltests anbieten. Zu viele Fragen, zu viele rechtliche Unklarheiten. Wer haftet, wenn das Ergebnis möglicherweise falsch ausfällt? Doch nun hat die Moritzbergerin es sich anders überlegt und arbeitet derzeit mit ihrem Partner Rolf Lachmaier an einem Konzept, wie sie künftig doch Tests in ihrer Apotheke anbieten könnte.

Könnte, betont sie. Denn allein schon, dass sie daran arbeitet, könnte dazu führen, dass die Kunden demnächst Schlange vor ihrer Apotheke stehen. Und genau das will sie vermeiden. Egal, wann sie mit ihrem Angebot beginnt, klar ist, dass es nur über eine Online-Anmeldung funktionieren wird. Einfach in die Apotheke gehen und nachfragen? „Nein, das würde den ganzen Betrieb aufhalten“, sagt Rebentisch.

Streit um die Zuständigkeiten

Klar ist mit der neuen Verordnung des Bundes, dass die kommunalen Träger verantwortlich für die Umsetzung der Teststrategie sind. Also der Landkreis Hildesheim. Doch der kann auch nur Auftraggeber sein. „Wir haben vom Land zum Thema Schnelltests noch nichts Neues gehört“, teilt Landkreis-Pressesprecherin Sabine Levonen auf Anfrage der HAZ nur mit. Derzeit laufen Gespräche zwischen dem Sozialministerium und der Apothekerkammer.

Zu spät für jemanden wie Maike Rebentisch: „Man wusste doch, dass etwas passieren muss. Nun sind noch so viele Fragen offen.“ Auch wie abgerechnet wird. Dass es ein Zuschussgeschäft bleiben wird, ist ihr längst klar. Denn die Moritzbergerin hat sich schon für die Gelbe Schule stark gemacht und unterstützt die schuleigene Teststrategie der Grundschule mit eigenen Bordmitteln.

Wer bietet die Tests an?

Ein überschaubarer Rahmen. Aber wenn ab 22. März in Hildesheim Restaurantbesuche nur mit einem nachgewiesenen Testergebnis möglich werden, muss das ja organisiert werden. Nur wie und wo? Ihr steht ein separater Raum dafür zur Verfügung. Gibt es genügend Kandidaten, dann blockt sie einen Termin, um durchzutesten. Dafür benötigt sie Schutzkleidung, ihr Personal, das an anderer Stelle fehlen wird und natürlich Tests.

Doch hier fängt es schon an. Die gibt es zum Teil nur in fertigen Gebinden zu je 25 Stücke. Es sind Medizinprodukte und unterliegen einer festen Regel. Genauso wie man nicht aus einer Medikamentenpackung einfach einen Pillenstreifen herausnehmen und verkaufen kann, unterliegen die Test-Gebinde dieser Regel. Lauter Fragen, die ebenso wie die Abrechnung der vom Bund getragenen Zuschüsse, noch offen sind.

Wie wird abgerechnet?

Fragen, die derzeit jeder Anbieter, ob Apotheke, Arzt oder beispielsweise das DRK als Verband noch selbst klären muss. „Und fast tägliche ändern sich die Informationen dazu“, sagt Rebentisch. Doch sie wird sich beteiligen. Weil sie dazu beitragen möchte, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Und weil sie überzeugt ist, dass Corona-Tests nur sinnvoll sind, wenn sie von geschulten Personal ausgeführt werden.

Zum späten Dienstagnachmittag wird dann bekannt, dass es einen Rahmenvertrag über Antigen-Schnelltests zwischen dem Land Niedersachsen und dem Landesapothekerverband gibt. Details sind aber noch offen. Der Landkreis kündigt daraufhin an, auf der eigenen Website aufzulisten, welche Anbieter die kostenlosen Schnelltests im Programm haben werden, teilt Pressesprecherin Sabine Levonen mit, sobald das Land das „Go“ dazu gibt.

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