Das spezielle Ausflugsziel

Eine versteckte Oase der Ruhe im Hildesheimer Land – wo man mitten im Grünen gratis entspannen kann

Söhre - In Söhre gehen Besucher auf Entdeckungsreise: auf den Spuren der Dorfgeschichte. Auf einem etwas verborgenen Gelände steht eine alte Wassermühle, in der Eulen oder Turmfalken nisten. Zudem gibt es dort 60 Obstbäume. Wer will, kann an diesem Ort kostenlos die Seele baumeln lassen. (mit Video)

Söhre - Wer durch die Hauptstraße in Söhre fährt, kommt an einem Eingang zu einem ganz speziellen Gelände vorbei. Man kann nicht ahnen, was sich dort verbirgt.

Schon seit einigen Jahren lebt hier der Architekt Hermann Timpe. Zusammen mit seiner Partnerin Claudia Oelve, pflegt der 79-Jährige eine alte Wassermühle. Sie zeugt von der etwa 900-jährigen Geschichte des Dorfs. Das Gebäude, in dem Falken und Eulen nisten können, gehört zum Familienbesitz von Claudia Oelve, geborene Rennebohm.

Die Mühle ist voller Erinnerungsstücke

Die Mühle ist voller Erinnerungsstücke. Alte Fotos und auch Dokumente gibt es dort zuhauf, aber es ist nicht nur ein Schauplatz der Geschichte. Gruppen können es sich hier beim Klönschnack gemütlich machen.

Hier leben allein 34 Vogelarten

Hermann Timpe

Hinzu kommt nebenan ein mehrere tausend Quadratmeter großes Gebiet, auf dem rund 60 Obstbäume stehen. Zudem ist es ein weitläufiger Tummelplatz von Flora und Fauna. „Hier leben allein 34 Vogelarten. So etwa der Stieglitz, der Teichrohrsänger und die Mönchsgrasmücke“, erklärt Timpe, der mit dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zusammenarbeitet.

Es ist ein Ort der Begegnung. Gerade nach Corona

Claudia Oelve

Und dieses Refugium der Natur steht jedem offen. „Es ist ein Ort der Begegnung. Gerade nach Corona. Wir wollen, dass sich die Menschen hier bei uns treffen“, sagt Claudia Oelve. Die Mühle und das Areal ringsum – die Gastgeber verstehen all das als „offenes Haus“. Ein Ausflugsziel für Familien, einzelne Menschen oder Gruppen will das Paar bieten – kostenlos, aber nach Absprache.

Beziehung zur Natur entwickeln

Wichtig ist den beiden, dass Besucher und Besucherinnen eine Beziehung zur Natur entwickeln. Etwa beim Streuobstwiesentag am Samstag, 7. Oktober (14 bis 17 Uhr), an dem die Gäste Äpfel ernten können. Ebenfalls gratis. Zusammen mit dem Förderverein der örtlichen Grundschule stellen die Veranstalter diesen Tag auf die Beine.

Es ist gemütlich

Was diesen Ort besonders ausmacht, ist auf den ersten Blick seine Gemütlichkeit. Bänke laden an zwei Teichen zum Verweilen ein, zum Abschalten vom Alltag. Aber in dieser idyllischen Umgebung sollen eben auch Naturfreunde, Grundschüler und Kindergartenkinder etwas lernen können. Denn es geht hier um das Leben von einst.

Die Besucher können erfahren, wie es früher in der Wassermühle zuging – in deren Blütezeit vor dem Ersten Weltkrieg 15 Arbeiter schufteten, um das Korn zu mahlen. Die Anlage war eine Anlaufstelle für die Bauern aus der Region, um dort ihr Korn zu verarbeiten. Die Mühle wurde 1224 erstmals erwähnt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dort Getreide gemahlen.

1942 ordneten die Nazis den Ausbau des Haupt-Inventars an. Noch bis 1956 funktionierte die Maschinerie, das Mühlwerk ist bis heute durch ein offenes Fenster gut sichtbar. „Das Mühlauge“, so heißt dieser Blickwinkel auf das Herzstück des Gebäudes. Ursprünglich trieb die Beuster das Mühlrad an – der kleine Fluss hielt die Mahlsteine in Gang, wie Hans-Dieter Petzoldt in der HAZ im Juli 1993 berichtete.

In den Jahrhunderten der Mühlen-Geschichte wurde dort aber nicht nur Getreide gemahlen und geschrotet, auch ein Sägewerk gab es an der Anlage. Überdies war sie die „Dreschanstalt“, die die Bauern aus Söhre, Barienrode, Diekholzen und auch Groß Düngen nutzten. Dann stampften von 1800 bis 1920 die Dampfmaschinen, später stellten die Müller auf elektrischen Antrieb um. Die Betriebsbesitzer waren nebenbei auch „Hokenhändler“, verkauften also Kolonialwaren.

Und an diesem historischen Schauplatz haben Timpe und seine Lebensgefährtin noch einiges vor: Ein Wasser-Lehrpfad, der die Bedeutung des Lebenselixiers erklärt, kann sich das Paar gut vorstellen. Die beiden hoffen auf Sponsoren, die solch ein Projekt eventuell unterstützen.

Nach einer Anmeldung ist ein Besuch möglich

Besuche an dem Ausflugsziel in Söhre sind nach telefonischer Vereinbarung möglich. Und Ungeahntes dürfte sich dort auch für eigentlich Ortskundige auftun. Denn mancher Einwohner kennt dieses Grün noch nicht. „Im Ort ist das nicht jedem ein Begriff“, sagt ein Söhrer, der mit seiner Familie zuweilen Hermann Timpe und Claudia Oelve besucht. Wer sich also in dem Mühlen-Bauwerk oder auf dem großen Gelände umschauen möchte, kann sich einfach bei Timpe unter 0157 / 882 90 563 anmelden.

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