Stadtentwässerung saniert Kanalisation

Einfahrt zur Hildesheimer Neustadt wird für zwei Jahre zur Baustelle

Hildesheim - Die Stadtentwässerung saniert die Kanalisation in der Hildesheimer Neustadt. Das hat nicht nur für zwei Jahre Folgen für die Anwohner, sondern auch für viele Autofahrer.

Ab Mai legen Bauarbeiten die zentrale Verkehrsachse der Neustadt lahm– und die nächsten sind schon absehbar. Im Ortsrat kam gerade dieser Punkt schlecht an. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Die Stadtentwässerung (SEHi) saniert ab Anfang Mai die Kanalisation in der Annenstraße, auch Teile der Goschenstraße und ein kleiner Abschnitt der Renatastraße sind betroffen. Das Unternehmen kalkuliert mit einer Bauzeit von zwei Jahren.

Dabei komme es immer wieder zu Vollsperrungen, kündigte SEHi-Bereichsleiter Michael Ködding jetzt gegenüber der HAZ an. So bleibt gleich zum Auftakt für mindestens sechs Wochen die Kreuzung Annenstraße/Goschenstraße dicht. Was bedeutet, dass über diese Achse weder Verkehr in die Stadt hinein- noch hinausfließen kann. Im Sommer geht dann für mehrere Wochen am Goschentor nichts mehr.

Stadt will die Annenstraße sanieren – das war der Anstoß

Den Anstoß für die Arbeiten hat indirekt die Stadtverwaltung geliefert: Sie will die marode Fahrbahn der Annenstraße erneuern – weshalb die SEHi wie stets in solchen Fällen den Zustand der Kanalisation untersuchte, um bei Bedarf deren Sanierung der Straßenreparatur vorzuschalten und so beides direkt nacheinander erledigen zu können. Dies verhindert, dieselben Straßen binnen kurzer Zeit zweimal zu Baustellen werden zu lassen.

In der Annenstraße wird allerdings genau dies passieren. Denn an den Kanälen müsse so schnell wie möglich etwas geschehen, betont SEHi-Bereichsleiter Michael Ködding: „Die sind richtig, richtig hin.“ Was angesichts ihres Alters von rund 140 Jahren auch kein Wunder sei. In der Neustadt gebe es die ältesten Kanäle in Hildesheim, von hier aus habe um 1880 die Kanalisation der Stadt überhaupt erst begonnen.

Stadt will bei Straßensanierung auf Fördermittel warten

Für das Rathaus geht das Ganze allerdings mit Blick auf die Sanierung der Annenstraße zu schnell: Es gebe dafür weder einen Entwurf noch stehe die Finanzierung, sagt Baudezernentin Andrea Döring. So plant die Verwaltung, die Fahrbahnerneuerung mit Hilfe von Städtebaufördermitteln für die Neustadt zu bestreiten; die Entscheidung des Landes über den entsprechenden Antrag fällt demnächst. Doch bis die Stadt die Straße dann tatsächlich angeht, dürften selbst bei einem positiven Bescheid angesichts des nötigen Vorlaufs noch Jahre vergehen.

Die SEHi aber muss jetzt loslegen. Es bestehe die Gefahr, dass die Kanäle aufrissen und Schmutzwasser austrete, betont Ködding. „Wir sind verpflichtet, schnell zu handeln.“

Nach derzeitigem Stand sind sechs Bauabschnitte geplant: Die Kanalsanierung erstreckt sich über die gesamte Annenstraße zwischen Goschentor und Braunschweiger Straße, die Goschenstraße zwischen Wörthstraße und die ersten 70 Metern auf dem westlichen Abschnitt der Goschen- in Richtung Wollenweberstraße sowie einen 100 Meter langen Abschnitt der Renatastraße.

Immengarten soll als Umleitung dienen

Die Anlieger könnten ihre Grundstücke stets erreichen, verspricht die SEHi in einem Brief, den sie an die Haushalte in den betroffenen Straßen verteilt hat. Allerdings werde es über die gesamte Bauzeit Verkehrsbeeinträchtigungen geben, kündigt Ködding an – und natürlich fielen immer mal wieder Parkplätze weg. „Wo gebaut wird, da kann man nun einmal nicht parken.“

Die Kosten belaufen sich insgesamt auf 3,8 Millionen Euro, die Anwohner werden dafür nicht extra zur Kasse gebeten: Sie kommen dafür – wie alle anderen Bürger auch – über ihre Abwassergebühren auf. Die Umleitung soll unter anderem über den Immengarten erfolgen; die Keßlerstraße komme dafür überhaupt nicht in Frage, versichert Ködding mit Blick auf entsprechende Sorgen von Bewohnern der Fachwerkmeile.

Für die Anwohner der Annenstraße bedeutet das versetzte Arbeiten von SEHi und Stadt, dass sie in den nächsten Jahren mit zwei Baustellen vor ihrer Tür zurecht kommen müssen. Dazwischen dürften aber mindestens zwei Jahre liegen, meint die städtische Planungsamtschefin Sandra Brouër.

SEHI-Vertreter haben im Ortsrat einen schweren Stand

Am Mittwochabend stellten Bereichsleiter Ködding und Projektleiter von Ohlen die Pläne dem Ortsrat Stadtmitte/Neustadt vor. Die beiden SEHi-Vertreter hatten dort einen schweren Stand – obwohl die Sitzung als Videokonferenz stattfand, war das Knistern im virtuellen Raum deutlich zu spüren. Denn die Aussicht auf Vollsperrungen in der Annen- und Goschenstraße mit jahrelangen Verkehrsbehinderungen dort und in der Umgebung – all das gehe für die Anlieger, aber auch viele andere Bewohner des Stadtteils mit großen Unannehmlichkeiten einher, monierten gleich mehrere Mitglieder des Gremiums – und das parteiübergreifend.

Besonders schlecht kam bei den Ortsteilpolitikern an, dass die Bauarbeiten der SEHi in diesem Fall nicht mit der Straßensanierung abgestimmt sind. Stattdessen würden die Straßen voraussichtlich wenige Jahre nach Abschluss der Kanalsanierung erneut aufgerissen, gebe es wieder erhebliche Beeinträchtigungen für die Anwohner. „Da ist man als normaler Bürger verwundert“, erklärte Ortsbürgermeister Dirk Bettels (CDU). „Unsere Kritik muss sich an die Stadt richten“, fand Burkhard Hohls, SPD-Fraktionsvorsitzender im Ortsrat.

Rathaussprecher Miethe: Stadt kann Unmut nachvollziehen

Während sich die Vertreter der Stadtverwaltung in der Sitzung am Mittwochabend zurückhielten und nicht auf die Kritik eingingen, zeigte sich Rathaussprecher Helge Miethe auf Anfrage der HAZ gesprächsbereiter. „Dass die Zeitabläufe zu Unmut und Unverständnis führt, können wir nachvollziehen“, sagte er. Auch die Verwaltung sei darüber nicht glücklich, zumal sie Kanal- und Straßensanierungen grundsätzlich in Abstimmung mit der SEHi hintereinander takte, um genau das, was jetzt bei der Annenstraße passiere, zu vermeiden. In diesem Fall gehe es aber nicht anders, da es sich um einen „akuten, unaufschiebbaren Sanierungsbedarf“ des Kanals und eine noch nicht planungsreife Neubaumaßnahme im Rahmen eines geplanten Fördergebiets handele, sagte Miethe.

Wie er berichtet, hatte die Stadt im Haushalt 2019 Planungsmittel für die Sanierung der Fahrbahn in der Annenstraße vorgesehen. Diese seien aber dann im Jahr 2020 auf die Planung zum Umbau der Kardinal-Bertram-Straße übertragen worden, weil die Annenstraße im Gebiet der Fördermaßnahme Neustadt liege, für die man auf Zuschüsse hoffe.

Keßlerstraße als Schleichweg? Stadtteilpolitiker sorgen sich

Die Befürchtung im Ortsrat, dass es auch mit der EVI keine Abstimmung gegeben habe, wies SEHi-Vertreter Ködding zurück. Es habe Gespräche gegeben, die EVI habe in den betreffenden Straßen aber keinen Handlungsbedarf. Ortsratsmitglieder äußerten zudem die Besorgnis, Autofahrer könnten die Keßlerstraße während der Sperrungen als Ausweichstrecke nutzen. Verbotsschilder allein reichten meist nicht, sagte von Ohlen; diese würden häufig ignoriert.

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