Hildesheim - 107 Prozent Strafzoll auf Pasta-Produkte aus Italien und aus anderen europäischen Ländern – das hatte sich der amerikanische Präsident ausgedacht. Doch nicht mit den italienischen Pasta-Produzenten! Die gingen auf die Barrikaden, brüllten „Che cazzo dici?“, wedelten wild mit den Armen und baten ihre Regierung um Unterstützung. Die kam prompt. Außen- und Landwirtschaftsministerium überredeten das US-Handelsministerium zum Einlenken. Und die lenkten. Die Aufschläge liegen nun bei bis zu 30 Prozent. Als ich diese Nachricht las, fragte ich mich, was gewesen wäre, wenn es einen Nudel-Engpass für die amerikanischen Verbraucher gegeben hätte?
Findige Köche gefragt
Grundsätzlich sind die Amerikaner doch ein findiges Völkchen. Wahrscheinlich hätte sich jemand Pommes-Bolognese patentieren lassen oder Pommes-Carbonara. Statt Buchstabensuppe würden in Chinatown aus Kartoffeln kleine Buchstaben geschnitzt und in Schnellrestaurants statt der gebratenen Nudeln vielleicht Semmelknödel in Streifen geschnitten und ins heiße Öl geworfen. Wie auch immer. Das Umstellen von Ernährungsgewohnheiten ist nicht einfach. Ich habe noch heute den Blick meines Mannes vor Augen, als meine Schwiegermutter laut überlegte, einmal Blumenkohl zum Gulasch zu servieren. Erbsen und Möhren wären der höchste Kompromiss, zu dem ihr Sohn bereit gewesen wäre. Aber auch nur dann, wenn es eine offizielle Rotkohl-Not im Land gegeben hätte und auf dem Schwarzmarkt kein Glas mehr zu haben gewesen wäre.
Es ist schon vieles möglich
Aber: Die kulinarische Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Die internationale Küche macht die abenteuerlichsten Variationen möglich. Als wir an Weihnachten in einem Lokal mit mediterranem Angebot speisten, reichte das Buffet-Angebot von Calamari bis Rinderbraten. Was für Möglichkeiten! Das muss so mancher Gast gedacht haben und schaufelte neben einer ordentliche Portion Gyros-Fleisch, Klöße und Rotkohl auf den Teller. Zum Nachtisch dann Schokopudding und Rote Grütze in eine Schüssel mit den warmen Zimt-Orangen und Vanilleeis. Kommt ja am Ende doch alles in denselben Magen. In diesem Sinne: Guten Appetit und ein wunderbar abwechslungsreiches neues Jahr für Sie, liebe Leserinnen und Leser. Bleiben Sie offen für Neues.
