Kreis Hildesheim - Selbst wer sich normalerweise nicht für Pegelstände und Rückhaltebecken interessiert, dürfte innerhalb der vergangenen Woche Bekanntschaft mit Webseiten wie dem Pegelonline-Portal des NLWKN gemacht haben. Oder sich auf der Suche nach Neuigkeiten bei der Homepage der Harzwasserwerke umgesehen haben; die Adresse war so beliebt, dass die Seite immer wieder nicht erreichbar war. Zu viele Leute wollten auf dem neusten Stand bleiben.
Wer sich nun, wo die Lage vorerst entspannter scheint, nach wie vor permanent auf dem Laufenden halten muss, sind natürlich die Einsatzkräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk (THW) und weiteren Hilfsorganisationen. Der Bereitschaftsdienst bleibt bei den nach wie vor hohen Pegelständen bestehen, denn: Im Ernstfall muss alles schnellstmöglich wieder hochgefahren werden.
Örtliche Einsatzleitung wird im Ernstfall aktiviert
„Wenn sich etwas anbahnt, werden schnell Maßnahmen ergriffen“, erklärt Nico Lenke, Pressewart der Feuerwehr Nordstemmen. Eine der Maßnahmen: die Einrichtung einer örtlichen Einsatzleitung.
Diese ist dafür da, die Gesamtlage zu überblicken und, wenn nötig, Einsätze zu organisieren. In Nordstemmen läuft das dann so: Im Feuerwehrgerätehaus kommt der „Krisenstab“ zusammen, zu dem auch der Gemeindebrandmeister zählt. „Das hat sein eigenes System“, sagt Lenke. Einer ist etwa dafür zuständig, den eigens für die örtliche Einsatzleitung eingerichteten Funkkanal zu überwachen, ein anderer – der „Melder“ – gibt Informationen an die einzelnen Zuständigen weiter. Meist kommen um die zehn Personen zusammen, nachts sind es weniger.
Wer löscht den Brand, wenn die Ortsfeuerwehr Sandsäcke schleppt?
Die örtliche Einsatzleitung kümmert sich auch darum, die mit dem Hochwasser beschäftigten Einsatzkräfte zu ersetzen. „Einen Tag hatten wir Vollalarm“, sagt Lenke. „Alle drei Züge der Gemeinde Nordstemmen waren im Einsatz.“ Wenn es nun aber irgendwo brennt, muss natürlich trotzdem gelöscht werden. Also vertreten andere Feuerwehren die Kräfte, die Sandsäcke schleppen, um Dämme zu bauen.
Aktuell ist die örtliche Einsatzleitung in Nordstemmen nicht aktiv, die Lage hat sich etwas entspannt. Derzeit liegt es deshalb an den Ortsbrandmeistern, die Hotspots in ihren Bereichen im Auge zu behalten. Einer davon war in den vergangenen Tagen Barnten, dafür zuständig ist Ortsbrandmeister Tobias Trapp.
Entscheidungen trifft das Führungsteam gemeinsam
Der ist in den vergangenen Tagen häufiger als normalerweise an den Kiesteichen in Barnten unterwegs. Am Mittwochabend informierte ihn ein Landwirt über die vollen Teiche – und seine Befürchtung, dass das Wasser demnächst übertreten könnte. Trapp fuhr Mittwochnacht selbst noch hin, schaute sich die Teiche an.
„Man kann es immer nur beobachten“, sagt er. „Wenn das Feld vollläuft, muss ich überlegen, fahre ich die ganze Maschinerie hoch oder warte ich ab?“ Das sei aber nie die Entscheidung eines Einzelnen, sondern wird immer im Team mit anderen Führungskräften entschieden.
Alle zwei, drei Stunden: Kontrolle in Barnten
14 Stunden haben die Feuerwehrleute am Donnerstag schließlich mit Unterstützung vom THW Dämme errichtet, um das Dorf vor dem Wasser zu schützen. Viel ändert sich dort seither nicht, das Wasser geht minimal zurück. Alle zwei bis drei Stunden fahren Trapp oder sein Stellvertreter zu den Kiesteichen, schauen sich die Lage an, auch in der Nacht. Die Pegelstände der Leine haben sie sowieso im Blick.
„Noch sind die Auswirkungen vom Regen im Harz nicht so groß“, sagt Trapp. „Und wir hoffen, dass das, was wir aufgebaut haben, auch funktioniert.“ Und wenn nicht? Dann wird eben doch wieder alles hochgefahren und an den Barrieren nachgearbeitet. „Wir haben sämtliche Kräfte in der Rückhand“, sagt Trapp. „Grundsätzlich ist es so, dass wir alle seit dem 22. Dezember in einer Grundbereitschaft drin sind.“
Wachsende Entspannung in Bad Salzdetfurth, Sarstedt bald in „Eigenregie“
Nach angespannten Weihnachtstagen in Bad Salzdetfurth blicken Feuerwehr und Verwaltung dort ebenfalls „mit wachsender Entspannung auf die Hochwasserlage“, wie es in einem Facebook-Post heißt. Die Feuerwehr prüfe nach wie vor Deiche, Dämme und Pegelstände.
Auch in Sarstedt sind alle Zeichen auf Beobachtung gestellt. Bürgermeisterin Heike Brennecke ist am Samstagmittag gemeinsam mit dem Stadtbrandmeister und Bauamtsleiter unterwegs, um sich einen Überblick über die Einsatzstellen zu verschaffen. Aktuell laufen noch Pumparbeiten vom THW aus Speyer. Voraussichtlich am Sonntag sollen sich die Einsatzkräfte aus Rheinland-Pfalz aber auf den Weg in andere Gebiete machen, „dann übernehmen wir mehr oder weniger in Eigenregie“, wie Brennecke sagt.
THW-Unterkunft in Hildesheim wurde kurzzeitig zum Schlafraum
Die Einheiten des THW Hildesheim, Elze und Sarstedt sind während des aktuellen Hochwassers nicht zu überregionalen Einsätzen ausgerückt – zumindest bisher. Aktuell verschärft sich die Lage insbesondere im Norden Niedersachsens weiter.
In der THW-Unterkunft am Hildesheimer Hafen standen seit dem 25. Dezember Feldbetten für Einsatzkräfte aus Hessen bereit. „Schlafen, essen, duschen – unser Ortsverband war ein kleines Feldlager“, sagt Rainer Engelke vom Ortsverband Hildesheim. Das THW aus Salzgitter hat für die Einsatzkräfte täglich frisch gekocht, die SEHi stellte Räumlichkeiten zum Essen bereit. Nun, wo sich die Lage vorerst entspannt hat, heißt es es für die Einsatzkräfte vom THW Hildesheim „erstmal: ausruhen, ausruhen, ausruhen“, wie Engelke sagt. Die Feldbetten sind mittlerweile zusammengeklapt, in der Halle stehen nun wieder die Fahrzeuge des THW – vollgetankt für den nächsten Einsatz.





